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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic
REDAKTEUR/IN
Max Oehl
Moderator Max Oehl aus dem SWR1 Team. Zu hören unter anderem am Nachmittag, in SWR1 Die Nacht oder im SWR1 Verkehrsservice.
Sabrina Kemmer
SWR3 Moderatorin Sabrina Kemmer

Bei einer Vasektomie wird der Samenleiter durchtrennt. Ändert sich dadurch was beim Sex? Kann es rückgängig gemacht werden? Und bringt das überhaupt was? Hier die Antworten!

Verhütung ist in den meisten Fällen noch immer Frauensache. Wenn der Kinderwunsch in einer festen Beziehung nicht vorhanden oder abgeschlossen ist, stellen sich manche Paare die Frage: Wie wollen wir verhüten? Mit Kondom? Mit Hormonen für die Frau? Eine Option für den Mann ist die sogenannte Vasektomie, also eine Sterilisation. Das löst bei dem ein oder anderen Mann gemischte Gefühle aus. Sterilisation, das klingt ein bisschen nach Tierarztbesuch mit dem Haustier, findet auch Max Oehl im SWR3-Podcast Doktorspiele:

SWR3 Moderatoren Sabrina Kemmer und Max Oehl

Doktorspiele Vasektomie – Sterilisation für Männer

Dauer

Eine Sterilisation ist bei Männern ein kleiner Eingriff, relativ günstig, risikoarm und in den meisten Fällen umkehrbar. Bei Frauen nicht. Da sich um das Thema Verhütung meistens die Frauen kümmern, wünschen sich viele mehr Verantwortung seitens der Männer. Und tatsächlich sind immer mehr Männer bereit, sich sterilisieren zu lassen.
Sabrina und Max lassen einen Urologen und einen betroffenen Mann zu Wort kommen: Wie läuft eine Vasektomie ab? Wie lange muss man nach der OP warten, bis man ungeschützen Sex haben kann? Was passiert nach der Durchtrennung der Samenleiter mit dem Samen im Körper? Wie sicher ist die Verhütungsmethode, welche Risiken gibt es dennoch? Die neuesten Zahlen verraten jedenfalls: Die Lust auf Sex kann sogar steigen!

Was stimmt jetzt wirklich? Ist Vasektomie gefährlich? Wie kompliziert ist der Eingriff? Leidet die männliche Sexualität darunter?

Was passiert bei einer Vasektomie?

Eine Vasektomie sei in der Durchführung eigentlich recht einfach, sagt Nabil Atassi, Facharzt für Urologie. Aber: „Es ist eine Operation.“

In der Regel reicht bei einer Vasektomie eine lokale Betäubung. Atassi erklärt: Der Samenleiter läuft auf der Seite des Hodensacks entlang. Dort wird dann jeweils auf jeder Seite ein kleiner Schnitt gemacht, der Samenleiter wird herausgeholt und es werden zwei Zentimeter entfernt. Dann muss dafür gesorgt werden, dass diese beiden Enden nicht wieder zueinander finden. „Das ist nämlich die Kunst sozusagen bei der Vasektomie: Tatsächlich die beiden Enden so zu verschließen und voneinander wegzulegen, dass da nichts mehr zusammenfindet.“

Es gibt dabei zwei verschiedene Methoden: die invasive (eingreifende) und die nicht invasive. Die invasive Methode wird wie gerade beschrieben mit zwei kleinen Schnitten am Hodensack durchgeführt. Bei der nicht-invasiven Methode wird kein Messer verwendet. Dafür wird mit Spezialinstrumenten die Haut aufgemacht und gedehnt – es gibt also keine Schnitte und weniger Narbenbildung. Der Urologe Atassi sagt dazu: „Also, ich will es nicht Marketing-Gag nennen. [...] So ein großen Unterschied macht es aber nicht. Aber wenn man eben sagt, ich möchte keinen Schnitt haben, dann gibt es viele Praxen, die sich darauf spezialisiert haben, die das auch sehr gut machen. Dann also ohne Schnitt. Aber trotzdem, die Haut muss aufgemacht werden.“

Eine Grafik einer Vasektomie.

Übrigens: Die Operation muss selbst gezahlt werden – wie auch bei anderen Verhütungsmitteln, zum Beispiel der Pille, Kondomen oder einer Spirale. Der Preis variiert von Arzt zu Arzt und kann mehrere Hundert Euro betragen.

Matthias hat sich für eine Vasektomie entschieden. Im Doktorspiele-Podcast von SWR3 erzählt er, wie es war. Hier könnt ihr die Folge anhören!

Ist eine Vasektomie gefährlich?

„Es ist ein sehr sicherer Eingriff“, sagt Atassi. Dennoch ist es eine Operation, es kann zum Beispiel danach zu Blutergüssen kommen. Schwerwiegende Komplikationen gebe es extrem selten. „Wenn es gut läuft, dann tut es nicht weh“, sagt der Urologe. Kurz nach dem Eingriff könne es aber zu Schmerzen kommen. „Bei manchen Patienten gibt es dann tatsächlich auch einen länger anhaltenden Schmerz. Das kann damit zusammenhängen, dass eben kleine Nerven verletzt werden in dem Bereich oder es vielleicht auch zu einem Rückstau der Spermien kommt. Das kann auch mal zu Schmerzen führen, und das Problem ist, die Schmerzen tauchen häufig nicht sofort auf, sondern können auch Jahre später erst auftauchen.“

2020 hat eine große Beobachtungsstudie aus Dänemark an über zwei Millionen dänischen Männern ein erhöhtes Risiko für Prostatakarzinom nach einer Vasektomie gezeigt, auch über einen langen Zeitraum. „Schon früher hatten ähnliche Studien solche Zusammenhänge gezeigt. Ob die Sterilisations-OP dabei auch die Ursache für das erhöhte Risiko ist, können sie allerdings nicht herausfinden. Der Zusammenhang zwischen einer Vasektomie und dem Auftreten von Prostatakrebs bleibt daher weiter umstritten“, so Atassi.

Manchmal führt eine Vasektomie auch nicht zum gewünschten Ergebnis: „Was man allerdings ab und zu hat ist, dass die Sterilisation nicht erfolgreich ist. Also dass dann trotzdem eine Schwangerschaft eintritt. Das werden häufig Rechtsfälle.“ Deshalb ist es wichtig, nach einer Vasektomie innerhalb von drei Monaten mit einem Abstand von jeweils sechs Wochen zwei so genannte Spermiogramme zu machen, also Untersuchungen, ob noch Spermien im Ejakulat des Mannes vorhanden sind. „Es hat aber auch schon Fälle gegeben, da hat es danach auch noch mal geklappt“, erzählt Atassi.

Die Sicherheit von einem Verhütungsmittel wird mit dem sogenannten Pearl Index angegeben. Umso niedriger der Wert hier ist, desto sicherer ist die Verhütungsmethode. Der liegt bei einer Vasektomie bei 0,1 bis 0,15. Das bedeutet, dass bei tausend Frauen ein bis zwei Schwangerschaften pro Jahr vorkommen. Zum Vergleich: Die Pille hat laut der Beratungsstelle Pro Familia einen Pearl Index von 0,1 bis 0,9, das Kondom liegt bei 2 bis 12.

Kann man eine Vasektomie rückgängig machen?

„Es ist relativ häufig, dass Männer das rückgängig machen wollen“, sagt der Experte. „Es ist aber eine wahnsinnige Fummelei. Denn man gibt sich ja große Mühe, die beiden Enden des Samenleiters voneinander zu trennen, sodass die wirklich weit weg voneinander sind und nicht wieder zusammenfinden.“ Dennoch sei das möglich. Aber: Je länger die Sterilisations-Operation her ist, desto weniger erfolgreich ist es auch, sie rückgängig zu machen. Nach drei Jahren liegt die Erfolgsrate noch bei 90 Prozent, nach zehn Jahren sind es nur noch 70, so Atassi. „Und ich glaube auch, dass das sehr optimistische Zahlen sind.“

Wenn man eine Sterilisation macht, dann ist es ja so der Klassiker: Ich habe meine drei Kinder, jetzt reicht's, will nicht mehr. Dann nach ein paar Jahren Ehekrise, Scheidung, neue Frau, neue Partnerin, Kinderwunsch kommt von Neuem auf – und dann kommen die Männer zur Refertilisation,

Übrigens: Eine Vasektomie wieder rückgängig zu machen ist teuerer als der ursprüngliche Eingriff. Auch hier variieren die Preise von Arzt zu Arzt. Sie können mehrere Tausend Euro betragen.

Hat eine Vasektomie Einfluss auf das Sexualleben?

Eine Vasektomie hat in der Regel keinen Einfluss auf das Sexualleben – abgesehen vom Wegfall von Verhütungsmitteln. Wer eine Vasektomie durchführen lässt, der hat beim Orgasmus noch immer ein Ejakulat. Denn das wird zwar umgangssprachlich Sperma genannt, eigentlich ist der große Teil aber eine Treibflüssigkeit für die Spermien. Wenn also der Samenleiter bei einem Mann durchtrennt wird, dann kann der zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr noch immer ejakulieren, es sind in der Flüssigkeit dann aber keine Spermien mehr enthalten. Die bleiben im abgetrennten Ende des Samenleiters und werden dort abgebaut. Eine Vasektomie ändert nichts an der Menge oder dem Aussehen des Ejakulats, sondern lediglich an der Zusammensetzung.

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