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Kira Urschinger
Kira Urschinger (Foto: SWR3)
Sara Talmon
Sara Talmon (Foto: SWR3)
Mirja Raff
Mirja Raff (Foto: SWR3)

Silvesterböllerei ist für viele Tiere eine Qual – das merken Haustierhalter, wenn sich die Lieblinge unter das Sofa flüchten, wimmern oder jaulen. Aber es gibt Tipps, wie ihr eure Tiere besser ins neue Jahr bringt – ganz ohne Medikamente.

Warum leiden Tiere so unter dem Feuerwerk?

Besonders für Hunde und Katzen ist der Lärm laut dem Deutschen Tierschutzbund belastend, weil sie ein wesentlich feineres Gehör haben als Menschen. Sie hören Geräusche, die wir gar nicht wahrnehmen. Nun sind Feuerwerke und Knaller auch für Menschen nicht nur wahrnehmbar, sondern richtig laut. Da kann man sich vorstellen, dass das für viele Tiere wie Krieg klingen muss – zumal sie nicht zuordnen können, warum es so einen Lärm gibt und wo der genau herkommt. Die Folge: Angstzustände.

Natürlich gibt es auch Haustiere, die sich null für den Jahreswechsel interessieren. Da ist der Haustierhalter gefragt, sein Tier erstmal genau zu beobachten und zwischen Raclette und Sekt drauf zu achten, wie es sich verhält.

Umfrage: Mehrheit für Böllerverbot Silvester-Feuerwerk 2023: Das sind die Regeln in BW & RLP

Die Polizei und die Umwelt ist grundsätzlich dagegen, doch eine rechtliche Grundlage gibt nur das Sprengstoffgesetz. Wo Feuerwerke an Silvester erlaubt sind und wo sie aus welchen Gründen verboten werden, erfahrt ihr hier.

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7 Tipps, damit das Haustier an Silvester entspannt bleibt

Wir haben für die SWR3-Morningshow mit Tierärztin Berit Bräuer gesprochen. Sie hat uns konkrete Tipps gegeben, worauf Haustierhalter achten können, damit die Lieben keine allzu große Angst vor der Knallerei haben – ohne Medikamente, nur mit Erziehung und Zuwendung.

1. Selbst ruhig bleiben!

Es ist wichtig, dass du als Tierhalter selbst versuchst, ruhig zu bleiben. Denn das Haustier ist fixiert auf Herrchen oder Frauchen, nimmt ganz genau wahr, wie er oder sie sich verhält. Angst oder Unruhe können sich schnell auf die Empfindungen des Tiers übertragen, das einen als Bezugsperson und sowas wie ein Leittier im Rudel ansieht. Das kannst du positiv nutzen und beruhigend auf das Tier wirken. Die Tierärztin ist überzeugt, dass das schon richtig viel ausmachen kann für die Silvesternacht.

2. Früher spazieren gehen!

Egal wann du sonst so mit dem Hund rausgeht: In der Silvesternacht ist es gut, ein bisschen früher dran zu sein... und drauf zu hoffen, dass noch niemand verfrüht Böller zündet. Die Tierärztin empfiehlt: Mit Hunden am besten gegen 16 oder 17 Uhr die letzte Gassi-Runde drehen und auch bekannte Wege wählen, damit das Tier sich sicher fühlt. Also, keine neuen Wege nehmen, damit das Tier nicht noch zusätzlich unter Stress gerät. Danach gilt: möglichst nicht mehr aus dem Haus gehen.

3. Müde machen!

Ein Trick, der beim Menschen super funktioniert, kann auch bei Tieren klappen: dafür sorgen, dass sie müde sind. Zum Beispiel mit dem Hund am Mittag einen weiten Spaziergang machen, ihn so richtig auspowern. Mit ein bisschen Glück ist der Hund abends so gerädert, dass er zu k. o. ist, um noch Angst zu haben.

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11 Millionen Hunde in Deutschland hinterlassen etwa zwei Mal am Tag einen Haufen. Täglich werden dafür fast 20 Millionen Hundekottüten gebraucht. Die sind aus Plastik und damit nicht gerade ökologisch.

4. Katzen in der Wohnung lassen!

Wenn es irgendwie möglich ist, Freigänger-Katzen am besten zwei, drei Tage vorher nach drinnen holen und auch danach noch ein zwei Tage dort lassen, weil meistens auch noch die Tage danach ein bisschen geschossen wird. Das geht natürlich nur, wenn die Tiere sonst auch öfter mal längere Zeit in der Wohnung sind.

5. Tiere an Geräusche gewöhnen!

Du kannst versuchen, das Tier an die Geräusche zu gewöhnen, sofern sie nicht total panisch werden bei der Knallerei. Erstmal also langsam antasten. Helfen können Geräusch-CDs oder Sounds, die man im Internet findet, die das Knallgeräusch an Silvester nachahmen. Leise vorspielen und gucken, wie das Tier reagiert. Dann lauter testen. Damit kannst du das Tier eventuell drauf einstimmen, was an Silvester passiert und signalisieren, dass das nichts Schlimmes ist.

Aber: Es ist natürlich live noch einmal ein bisschen was anderes, wenn es richtig knallt. Deshalb ausprobieren, aber keine Wunder erwarten.

6. Wohnung abdunkeln!

Für die meisten unsicheren Tiere hilft es, wenn die Wohnung abgedunkelt wird. Das kannst du Tage oder auch schon ein paar Wochen vorher testen. Und das gilt nicht nur für Katzen und Hunde, sondern für alle Kleintiere, also auch Vögel, Hasen oder Meerschweinchen.

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Tiere gehören für viele Menschen zum Leben dazu. Kuscheln und Knuddeln ist auch in den meisten Fällen kein Problem, erklärt uns ein Tierpathologe im Interview. Aber manchmal kann schon ein Küsschen für Tiere und Menschen gefährlich werden – teilweise sogar tödlich.

Bei Kleintieren kannst du möglichst die Käfige abdunkeln – also eine Decke drüber legen. Vorsicht: Die Decke muss so liegen, dass genug Luft drankommt. Die Käfige möglichst weit weg von den Geräuschen stellen, also auch von Fenstern, die in Richtung einer Straße liegen, auf der gefeuert werden könnte.

Für Tiere, die draußen leben, gilt: Entweder sie haben dort Möglichkeiten zum Schutz oder du holst sie für diese eine Nacht nach drinnen.

7. Tier in ein anderes Zimmer bringen!

Eine weitere Möglichkeit ist, das Tier in ein anderes Zimmer zu bringen – immer möglichst weit weg von Türen und Fenstern. Hier solltest du sensibel sein und drauf achten, welchen Platz dein Tier für dich selbst aussucht. Wenn es sich selbst an einen bestimmten Platz zurückzieht und sich da wohler fühlt, dann kannst du es ruhig dort lassen. Falsch wäre, dein Tier irgendwohin zu zwingen, weil du selbst den Eindruck hast, dass es woanders aber besser sein müsste.

Das gilt auch für die Nähe zu Frauchen oder Herrchen um Mitternacht. Es gibt Tiere, die suchen gezielt die Nähe, kuscheln sich auf den Schoß oder legen sich an die Füße. Andere wiederum verkriechen sich lieber. Beides ist okay, solange du den Eindruck hast, dass es dem Tier damit besser geht.

Beruhigungsmittel nur in Absprache mit dem Tierarzt

Nun gibt es natürlich Haustiere, bei denen das alles nicht helfen wird. Es ist wie beim Menschen: Jeder hat so seine eigenen Ängste, was für die einen erträglich ist, macht die anderen verrückt. Bevor man jetzt aber in Eigenregie Beruhigungsmittel und Medikamente verabreicht, sollte man unbedingt mit einem Tierarzt sprechen.

Der Tierschutzbund weist außerdem darauf hin, dass Medikamente nicht zur Vorbeugung genommen werden sollten, sondern nur, wenn bekannt ist, dass das Tier panisch reagiert.

Achtung, Wildtiere! Nicht böllern an Waldlichtungen!

Wichtig außerdem für alle, auch wenn sie keine eigenen Tiere haben: An Waldlichtungen, bei Bauernhöfen oder Weiden sollte grundsätzlich nicht geböllert werden. Denn Wildtiere, Pferde oder Kühe können sich nicht so einfach zu den Besitzern verkriechen oder unter ein Sofa abhauen. Auch die finden es aber oft nicht lustig, wenn unvermittelt Knallgeräusche um sie herum sind.

Silvester für Tiere: Der Tierschutzbund informiert!

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