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Franziska Ehrenfeld

Autonome Fahrzeuge, Laborfleisch und Pflegeroboter. Bis zum Jahr 2035 wird sich einiges tun. Wir zeigen euch, was die Zukunft bringen könnte!

SWR3 Report Viele Ideen in einer Hand (Foto: SWR3, ipopba)

SWR3 Report 2035 – wie wir in Zukunft leben werden

Dauer

In den letzten drei Jahren ist viel passiert: erst die Corona-Pandemie, dann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und jetzt die Inflation. Für unsere Zukunft muss es doch auch gute Nachrichten geben. Wir entwickeln uns technisch ja ständig weiter – oder? Das hat sich SWR3-Reporterin Franziska Ehrenfeld gefragt und nach Antworten gesucht.

In den letzten drei Jahren ist viel passiert: erst die Corona-Pandemie, dann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und jetzt die Inflation. Für unsere Zukunft muss es doch auch gute Nachrichten geben. Wir entwickeln uns technisch ja ständig weiter – oder? Das hat sich SWR3-Reporterin Franziska Ehrenfeld gefragt und nach Antworten gesucht.

Das sind die Themen, die wir uns näher angeschaut haben:

Kaum Veränderung beim Bauen und Wohnen

Die Immobilienpreise sind hoch und jetzt steigen auch noch die Zinssätze für Kredite. Für einige Menschen bedeutet das: Ciao, Traum vom Eigenheim. 2017 hatte der Immobilienexperte Peter Hettenbach noch vorausgesagt, dass der Quadratmeterpreis in einigen Jahren für die Kaltmiete auch in Ballungsräumen bei nur fünf bis sechs Euro liegen könnte. Heute rudert er stark zurück.

Es werde zwar Fortschritte in der Baubranche geben, zum Beispiel durch 3D-Drucker, die ganze Häuser oder zumindest einzelne Mauern effizienter hochziehen können. Allerdings sieht Peter Hettenbach die Zukunft generell nicht im Neubau, sondern im Bestand. Bereits existierende Gebäude müssten besser genutzt werden. Und wer sich sein Haus selbst herrichtet, könne sich das auch eher leisten.

Mit dem Krisenmodus, in dem wir sind, glaube ich, dass die Welt in zehn Jahren noch ziemlich genauso aussehen wird wie heute.

Zukunft der Pflege: Unterstützung durch Roboter

Auch im Bereich Pflege wird es zwar technische Neuerungen geben, eine Pflegekraft werden Roboter aber auf absehbare Zeit nicht ersetzen können. Wenn Seniorinnen und Senioren nur noch technische Geräte zu Gesicht bekommen würden, wäre das natürlich ein sehr einsames Leben. Außerdem müssen auch Roboter bedient und gewartet werden.

Laut der Soziologin Cordula Kropp wird es in Zukunft aber einige technische Hilfsmittel geben, die alten Menschen und ihren Pflegenden das Leben erleichtern können.

Der Roboter ist zuverlässig im Abzählen von Medikamenten. Der kann das Aussortieren, der kann das zeitgerecht anbieten. (...) Er kann auch Unterhaltungen anbieten, also Spiele, kleine Rätsel, die dann auch angepasst sind an die Vorstellungen der zu Pflegenden und auch an ihre kognitiven Leistungen.

Auch Entwicklungen im Bereich „Smart Home“ werden für Erleichterung sorgen, zum Beispiel Putzroboter. Außerdem könnten Sensoren überwachen, ob Senioren aus ihrem Bett fallen, auf der Treppe stürzen und – im Fall von Bewegungsdrang im Zusammenhang mit Demenz – sogar die Haustür abriegeln.

Solche Formen der Überwachung sieht Cordula Kropp aber auch kritisch. Für die Verwendung solcher Systeme würden enorm viele, sensible Daten anfallen.

Geld für Daten?

Laut dem Zukunftsforscher Eike Wenzel ist das Generieren von Daten unabdingbar. Vertrauenswürdige Institutionen sollten personenbezogene Daten für sich nutzen können, fordert er. Internet-Giganten wie Facebook sollten dagegen nicht mehr ohne Weiteres von unseren Daten profitieren. Eike Wenzel ist das Meinung, wir sollten dafür Geld bekommen:

Es wird neue Produkte geben, die unsere Daten unbedingt brauchen. (…) Dafür müssen wir entlohnt werden und das ist durchaus möglich.

Zukunftsforscher Eike Wenzel gestikuliert an einem Rednerpult (Foto: privat)
Viele Online-Unternehmen machen persönliche Daten zu Geld. Zukunftsforscher Eike Wenzel fordert, dass wir dafür bezahlt werden sollen. privat

Viele Entwicklungen, die wir in Zukunft für uns nutzen können, basieren laut Eike Wenzel auf dem Sammeln von Daten. Um in Bereichen wie dem autonomen Fahren weiterzukommen, sieht er keinen Weg daran vorbei.

So weit sind wir 2035 beim autonomen Fahren

Das autonome, also selbstständige Fahren von Fahrzeugen wie Autos aber auch Bussen wird im Moment stetig weiterentwickelt – zum Beispiel von Daniel Grimm. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe und promoviert zu diesem Thema. Im Viertel Weiherfeld-Dammerstock erprobt er einen autonomen Mini-Shuttlebus schon jetzt im öffentlichen Verkehr. Er rechnet damit, dass solche Fahrzeuge bis 2040 standardmäßig unterwegs sein könnten.

Bezogen auf den Individualverkehr schätzt er, dass autonome Autos dann zumindest auf der Autobahn schon komplett selbstständig fahren können. In einigen Jahrzehnten werden Autos dann wahrscheinlich keine Lenkräder und Pedale mehr haben, meint Daniel Grimm. Die Sitze sind dann einander zugewandt und wir können während der Fahrt arbeiten, Filme schauen oder schlafen.

Eike Wenzel sieht in solchen Fahrzeugen außerdem den Vorteil, dass autonome Fahrzeug selbstständig Menschen abholen können. Wir brauchen dann also vielleicht kein eigenes Auto mehr, sondern fordern eines an, wenn wir es brauchen. Das Auto fährt uns zum Ziel und wenn wir fertig sind, holt uns ein anderes ab. Dann kann ein einzelnes Fahrzeug viel öfter genutzt werden und benötigt weniger Parkfläche – was Umwelt und Klima zugute kommt.

Wir müssen den Privatbesitz an Automobilität abgeben. Natürlich von heute aus gesehen ein Irrwitz, aber ich glaube, es ist möglich.

Außerdem könnte es zu ungünstigen Zeit wie nachts vor allem auf dem Land ein besseres Verkehrsangebot geben, weil keine Fahrerinnen und Fahrer mehr gebraucht werden.

Autonomer Mini-Shuttlebus in Karlsruhe, Forscher stehen im Bus (Foto: SWR)
Daniel Grimm (außerhalb des Mini-Shuttlebusses) arbeitet mit seinen Kollegen daran, dass der autonome Bus künftig noch gewandter durch die Straßen fährt.

Die Zukunft des ÖPNVs auf dem Land

Auch die „Öffis“-App könnte den ÖPNV auf dem Land revolutionieren: In einer einzigen App sollen in Zukunft alle Verkehrsmittel vereint werden. Neben Bussen, Bahnen, Leihfahrrädern, E-Scootern, Taxis und Carsharing sollen auch Privatpersonen ihre Routen eintragen und für Mitfahrer anbieten können.

Bisher wird das nur für einzelne Firmen angeboten. Ab 2023 werden laut Gründer Daniel Teigland aber auch erste Landkreise in das System einsteigen. Das Ziel der Entwickler ist es, auch im ländlichen Raum einen Zehn-Minuten-Takt hinzubekommen. Außerdem arbeiten sie an Fahrradrouten – also daran, dass die App fürs Fahrrad optimierte Routen vorschlägt und navigiert.

Ernährung 2035: Algen, Insekten und Laborfleisch

Neben dem Verzicht aufs eigene Auto können wir auch mit unserer Ernährung die Klimaerwärmung erheblich beeinflussen. Wir Deutschen essen im Durchschnitt immer noch mehr als ein Kilogramm Fleisch pro Woche. Das verbraucht viel Energie und Land – nicht nur für die Tierhaltung, sondern vor allem für den Futteranbau. Außerdem stoßen Kühe klimaschädliches Methan aus. Unter dem Strich ist Fleisch essen also schlecht fürs Klima.

Trotzdem brauchen wir aber Proteine. Die sind nahrhaft und wir essen von ihnen tendenziell zu wenig. Sie sind ein wichtiger Faktor, um die wachsende Weltbevölkerung nachhaltig ernähren zu können. Wie wir das schaffen können, daran forscht die Ernährungswissenschaftlerin Sonja Floto-Stammen.

Für die Zukunft sieht sie allerlei Neuheiten in den Supermarktregalen: Laut ihr wird es künftig zum Beispiel Produkte auf Algen- und Insektenbasis geben. Insekten verbrauchen weniger Ressourcen als andere Nutztiere, sie können sich von Abfällen ernähren. Aber das ist noch nicht alles:

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Europa auch Laborfleisch in Zukunft – also bis 2035 ganz sicher – haben werden.

Laborfleisch basiert auf Stammzellen, die einem Tier operativ entnommen werden. Das Tier kann weiterleben und die Zellen werden im Labor vermehrt und später zu Fleisch geformt.

Außerdem verbraucht die Laborfleisch-Produktion wahrscheinlich deutlich weniger Fläche als Tierhaltung. Ob die Herstellung von Laborfleisch auch weniger Energie verbraucht und Treibhausgase ausstößt, wird oft als weiterer Pluspunkt angeführt, ist aber umstritten. 2020 wurde Laborfleisch in Singapur erstmals zugelassen.

Symbolbild Laborfleisch in der Petrischale (Foto: IMAGO, IMAGO / Science Photo Library)
Damit es in Deutschland Laborfleisch geben kann, muss erstmal ein Zulassungsantrag bei der EU gestellt werden. Allein die Prüfung dort könnte Jahre dauern. IMAGO / Science Photo Library

Ein neues Energiesystem für ein besseres Klima

Laut Eike Wenzel liegt die Zukunft unseres Energiesystems in der Elektrifizierung. Wir müssen mehr nachhaltigen Strom produzieren, dann könnten wir damit sogar heizen, sagt er. Verbrennen sollten wir möglichst nichts mehr, auch kein Holz. Stattdessen sollten wir daraus nachhaltige Häuser bauen, fordert der Zukunftsforscher.

Außerdem sieht Eike Wenzel Potenzial in der sogenannten Kreislaufwirtschaft. Also dass wir Geräte und darin verbaute Rohstoffe möglichst oft wiederverwenden, recyclen oder sogar upcyclen.

Wie wird also unser Leben 2035?

Es gibt einiges, auf das wir uns jetzt schon freuen können. Aber es gibt auch viel zu tun – nicht nur für den Klimaschutz. Wie 2035 wirklich wird, kann niemand sicher wissen. Eike Wenzel fasst es so zusammen:

Wir müssen jetzt akut in den nächsten zehn Jahren handeln, das wissen wir. (...) Wenn wir das schaffen, bin ich eher positiv gestimmt.

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Franziska Ehrenfeld

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