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Sie ist aus dem Wedding, er ist aus Pankow. Sie setzt eher auf klassische Ermittlungsarbeit, er ist Blitzkombinierer. Sie ist die Chefin, er ist der Neue. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden Kommissare Rubin und Waschke: Sie mögen sich nicht. Trotzdem müssen sie einen Drogenmord klären.

Der Fall: Zwei junge Mädchen kommen als Drogenkuriere mit dem Bauch voller Kokainpäckchen aus Acapulco zurück. Bei einer platzt eines der Beutelchen. Die Dealer bringen sie um und weiden sie aus. Die andere kriegt verständlicherweise Panik und türmt. Rubin und Karow müssen den Mord klären und das zweite Kurier-Mädchen – im Szenejargon als „Muli“ bezeichnet – finden.

Tatort - Das Muli (Foto: rbb / Frédéric Batier)
Der blutige Tatort schockiert die Ermittler, doch von einer Leiche fehlt jede Spur. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Jo hat in panischer Angst ihren Bruder um Hilfe gebeten. Nun wartet sie in der Suppenküche am Bahnhof Zoo auf ihn. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Kein leichter Job: Nina Rubin und Robert Karow untersuchen die zerstückelte Leiche auf der Müllhalde. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Die Kriminalhauptkommissare Nina Rubin und Robert Karow treffen an einem blutigen Tatort aufeinander. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Die Geschwister flüchten vor Johannas Verfolgern durch den Bahnhof Zoo. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Es scheint, als haben sie ihre Verfolger abgehängt. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Reimers hat einen Fehler gemacht, sein Chef Berger lässt ihn büßen. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen
Einige Spurensicherer, darunter die Hauptkommissare Nina Rubin und Robert Karow, sondieren die Lage. rbb / Frédéric Batier Bild in Detailansicht öffnen

Kommissare ganz privat

Soweit so gut. Nur: Schon am Anfang kommt die Privatnummer. Kommissarin Rubin betrügt ihren Mann im Hinterhof einer Disco mit einem Kollegen, die Ehe geht schief, die beiden Söhne werden aufmüpfig. Dieser Nummer ist fast der halbe Tatort gewidmet. Kommissar Karow war früher im Drogendezernat, sein Untergebener kam mysteriös ums Leben. Angeblich soll Karow was mit dessen Frau gehabt haben. Rubin will wissen, was da los war. Dieser Erzählstrang ist gut ein Drittel des Films lang.

Lange Einführung, kurze Geschichte

Ansonsten gibt es ganz viele Aufnahmen von Berliner Sehenswürdigkeiten bei Nacht und im Zeitraffer, und alle Nase lang gurkt eine U-Bahn auf der Hochstrecke durchs Bild. Der eigentliche Krimi dauert vielleicht 20 Minuten, und wahnsinnig viel Spannung kommt so nicht auf. Dabei spielen Becker und Waschke ihre Rollen richtig gut. Besonders Waschke, der als Kommissar Karow so blitzartig Details erkennt und die richtigen Schlüsse zieht, dass er allein schon durch seine Effizienz unsympathisch wird. Drumherum ein gutes Team aus Ermittlern, dazu gut gezeichnete Berliner Charaktere, bis hin zum Quotenschwaben – schließlich ermittelt man in Friedrichshain-Kreuzberg – da steckt viel Potential drin. Aber: Wenn es so weitergeht wie in der Pilotfolge, dann wird das nix.

Fazit: Ein Elch als Vorschuss

Zuviel Privatblues und der Handlungsstrang mit Karows geheimnisvoller Vergangenheit soll laut RBB erst nach vier Folgen aufgedröselt werden. Bei den Zeitabständen zwischen den einzelnen Folgen empfiehlt sich ein Begleitbuch. Jeweils einen Elch gibt für die beiden Hauptdarsteller und einen als Vorschuss – der aber abgezogen wird, wenn sich in der nächsten Folge nicht was tut. Mehr ist beim besten Willen nicht drin.

Tatort-Kommissar kämpft ums Überleben

Die Münchener Kriminalhauptkommissare Batic und Leitmayr schnappen einen Messerstecher, der ihnen beim letzten Mal entwischt ist. Ben Schröder hieß das Zufallsopfer damals, erstochen vor einem Supermarkt, vor den Augen seiner Frau und seines Sohns. Der mysteriöse Mord klärt sich nun auf – aber damit fängt das Drama erst an. Dieser Tatort war eine Wiederholung, Erstausstrahlung: April 2017.

Kommissar im Koma

Leitmayr humpelt am Stock über den Krankenhausflur, schaut dann nach rechts ins Krankenzimmer vom Kollegen Batic, der dort an Schläuchen und im Koma liegt. Es sieht nicht gut aus. Ich kenne die zwei nicht persönlich, aber nach 26 Jahren Sonntagabendwohnzimmerbekanntschaft nimmt mich das doch irgendwie ein bisschen mit. Bedrückend auch die Vorgeschichte zum Krankenhausaufenthalt. Ein Mann mit Halbglatze und im Trenchcoat wählt sein Opfer aus. Völlig willkürlich. Er zählt die Passanten, an denen er vorüber geht. Der fünfte Mensch, der ihm begegnet, soll es sein. Er sticht zu. Mehrmals. Doch das Opfer überlebt und der Täter wird gefasst.

Was ist hier nur los?

Er ist der Mann, der ein Jahr zuvor auch Ben Schröder erstochen hat. Klaus Barthold, ein unscheinbarer Typ, der als Museumswärter per kleiner, handlicher Klickmaschine auch Besucher zählt. Klick, klick, klick. Soweit klar. Aber irgendetwas muss zwischen der Festnahme von Klaus Barthold und der Szene im Krankenhaus ja passiert sein. Was genau hat Leitmayr an den Stock und Batic ins Koma gebracht? Das sollen nun Mitglieder eines Untersuchungsausschusses klären. Ivo Batic erwacht aus dem Koma und die Suche nach der Wahrheit wird für Leitmayr schmerzhaft.

Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr und Kommissar Kalli Hammermann versuchen auf der Landstraße, wo es zur Panne des Gefangengentransports kam, zu verstehen, wer wann geschossen hat. (Foto: Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller)
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr und Kommissar Kalli Hammermann versuchen auf der Landstraße, wo es zur Panne des Gefangengentransports kam, zu verstehen, wer wann geschossen hat. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr haben eine Vermutung, wohin der Täter geflohen sein könnte und verfolgen ihn. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr haben eine Vermutung, wohin der Täter geflohen sein könnte und verfolgen ihn. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr hört Schüsse und versucht noch rechtzeitig einzugreifen. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Justizbeamtin Sabine Merzer bespricht mit Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr den Ablauf des Gefangenentransportes. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr hat nur so getan, als ob er den Fall "Ben Schörder" abgeschlossen hat. Zu Hause ermittelt er weiter. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Oberstaatsanwalt Rudolf Kysela, Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr und Kriminaloberrätin Horn. Die Untersuchungskommission setzt Leitmayr unter Druck, gegen Batic auszusagen. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr gelingt es nur mit Mühe, seine Wut zu unterdrücken. Er empfindet die Befragung als Farce. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer Panne rufen die Justizbeamten Sabine Merzer und Robert Steinmann Verstärkung. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Robert Steinmann ist seiner Schussverletzung erlegen Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Kriminalhauptkommissar Ivo Batic wurde angeschossen. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr würde seinen Freund und Kollegen Ivo Batic gerne besuchen und ihm Fragen stellen, aber sein Zustand ist kritisch. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Kriminalhauptkommissar Ivo Batic liegt mit einer schweren Schusswunde im Koma auf der Intensivstation. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen
Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic nehmen einen Verdächtigen fest. Bayerischer Rundfunk / XFilme/Hagen Keller Bild in Detailansicht öffnen

Hat ihn sein Freund und Kollege angelogen?

Egal wie das hier ausgeht, der Batic hat ganz schönen Mist gebaut. Und da hakt die Geschichte. Denn wie sehr sich Ivo Batic im vergangenen halben Jahr auch verändert haben mag, sein Handeln nehm ich ihm nicht ab, das ist doch sehr konstruiert. Trotzdem, es sind wieder tolle Bilder, allein die Spiegelbildfestnahme im Museum ist einfach grandios, Leitmayr überzeugt in seiner Verzweiflung, Messerstecher Barthold ist schlicht gruslig und ja, es gibt spannende Momente. Leider insgesamt keine so mitreißende Fortsetzung, wie man's vielleicht erwartet hat nach dem grandiosen ersten Teil um den unbekannten Messerstecher.

Gute 3 von 5 Elchen gibt es von mir und so schräg, wie Batic drauf ist, die berechtigte Frage: „Wie soll das weitergehen – mit uns?“

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