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Linda Molitor
SWR3-Redakteurin Linda Molitor (Foto: SWR3)
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Felix Stängle

Ein Verkehrsunfall in der Göttinger Innenstadt mit mehreren Verletzten. War es eine Amokfahrt? Die Tatort-Kommissarinnen Lindholm und Schmitz ermitteln in alle Richtungen.

Hier gehts zum Tatort vom 18.2. aus Dortmund:

Der junge Rumäne Ilie ist mit seinem Vater in Deutschland, um Geld für die Familie zu Hause zu verdienen. Die beiden arbeiten bei einem Paketzusteller als sogenannte Subis. Sie sind selbstständig und arbeiten für einen Subunternehmer, der wiederum für den Paketdienst selbst arbeitet.

Als Ilies Vater sich nicht wohlfühlt, übernimmt Ilie seine Schicht noch mit und rast völlig übermüdet in eine Menschenmenge in Göttingen. Vier Menschen – inklusive Ilie selbst werden lebensgefährlich verletzt. Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und ihr Team müssen in alle Richtungen ermitteln – von Unfall bis bewusste Amokfahrt.

Tatort aus Göttingen: Selbstkritischer Blick auf die Bestell-Gesellschaft

Es ist ein alltägliches Thema, was der Tatort beleuchtet: die prekäre Arbeitssituation von vielen Paketboten, die nicht mal Zeit für eine Pinkelpause haben. Am Ende ist alles legal, aber wirklich Verantwortung will niemand übernehmen.

Nicht nur einmal fällt der Satz „Naja, das ist alles so, weil Leute wie Sie auf ihre schnelle Paketlieferung bestehen …“. Dieser Tatort stellt auch uns als Gesellschaft infrage. So verschwimmen die Grenzen zwischen Täter und Opfer immer mehr – nicht nur in dem Fall.

Tatort am 11.2.: Viele private Nebenschauplätze

Denn nicht nur beruflich hat Lindholm in diesem Tatort viel zu tun, auch privat ist einiges los. Noch immer hat sie sich nicht wirklich in Göttingen eingelebt, ihr fällt es schwer, Vertrauen zu den neuen Kolleginnen und Kollegen aufzubauen. Und dann ist da noch Lindholms Chef, Kriminaldirektor Liebig, der die Ermittlungen erst voll unterstützt – und dann ohne Rücksprache beendet. Womit wird Lindholms Chef erpresst – und was hat seine Frau Tereza damit zu tun?

Tatort-Kritik Göttingen „Geisterfahrt“: Kommissarin Schmitz mit ihrem Ehemann Nick nebeneinander am Tisch (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR / Christine Schröder)
Auch zu Hause mit dem laufenden Fall beschäftigt: Ehepaar und Kollegen Anaïs (Florence Kasumba) Nick (Daniel Donskoy). Bild in Detailansicht öffnen
Tatort-Kritik Göttingen „Geisterfahrt“: Die Erstehelfer zusammen mit den Rettungskräften am Unfallort. Auf einer Trage liegt eine verletzte Person. (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR / Christine Schröder)
Tereza Liebig (Bibiana Beglau) hat die unübersichtliche Situation am Unfallort unter Kontrolle (mit Maria Furtwängler und Adrian Djokic). Bild in Detailansicht öffnen
Tatort-Kritik Göttingen „Geisterfahrt“: Zwei Paketfahrer geraten in einer Lagerhalle aneinader ein dritter hält sie zurück (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR / Christine Schröder)
Mischa Reichelt (Christoph Letkowski) droht seinem Angestellten Ilie Balan (Adrian Dokić). Juri (Juri Senft, M.) bekommt den Streit mit. Bild in Detailansicht öffnen
Tatort-Kritik Göttingen „Geisterfahrt“: Gerd Liebig (Luc Feit) feiert seinen 60. Geburtstag mit Kolleginnen und Kollegen im Präsidium (mit Maria Furtwängler, Florence Kasumba und Daniel Donskoy). (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR / Christine Schröder)
Gerd Liebig (Luc Feit) feiert seinen 60. Geburtstag mit Kolleginnen und Kollegen im Präsidium (mit Maria Furtwängler, Florence Kasumba und Daniel Donskoy). Bild in Detailansicht öffnen

SWR3 Tatort-Kritik: Vom Krimi zur Daily Soap

Zwischendurch verlässt der Tatort den Krimi-Bereich und driftet in eine Art Daily Soap aus Lindholms Leben ab. Viele Szenen sind vorhersehbar, andere überraschend (und) schockierend. Die Botschaft – sehr passend zum Ausgangsfall: Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Oder, wie Tereza es am Anfang passend sagt: „Viele Täter sind selbst Opfer“.

Auch wenn der Fall in der Mitte des Tatorts mal leicht in Vergessenheit gerät – am Ende habe ich den Fernseher zufrieden ausgeschaltet. Vor allem die Realitätsnähe des Tatorts ist faszinierend und wird eigentlich erst im Nachhinein klar: Es fühlt sich nach Happy End an, nach „Es geht schon weiter“. Dabei gibt es am Ende so viele kleine Geschichten, die auch tragisch enden.

Wie im echten Leben sind Happy End und Tragödie meistens nicht gerecht verteilt, es endet sicher nicht fair – aber realistisch. Deshalb gibt es von mir 4 von 5 Elchen.

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