Irgendwie muss man sich als Neuling ja von der Tatort-Masse abheben. Und sei es damit, dass sich der Kommissar von einer französischen WG-Mitbewohnerin per Megafon wecken lässt.
Nun ja. Sie stehen noch ganz am Anfang die zwei, Hauptkommissar Paul Brix und Hauptkommissarin Anna Janneke. Beide übrigens Quereinsteiger bei der Mordkommission. Als Chef würde ich da auch stutzig werden, vor allem wenn ich nicht gefragt wurde, ob ich die Zwei überhaupt will. Eine Psychologin und den streunenden Hund von der Sitte, die so alt sind, dass sie sich wohl noch an die Einführung der Wehrpflicht erinnern können. Ja, so sagt das der Chef. Das ist lustig, oder? Und so lustig geht es auch weiter.
Da lacht das Cholesterin, wenn einer was Fettiges isst, der Kaffeeautomat läuft, aber keinen Becher hergibt. Gebrauchte Witze, die es schon vor Jahrzehnten irgendwo günstig gab. Humor ist eines der Felder, auf dem dieses Team noch Luft nach oben hat.
Den Schauspielern fehlt der Ausdruck
Kommen wir zum Fall: Hört sich interessant an. Ein Ehepaar und dessen kleiner Sohn werden in ihrem Haus erschossen. Die Tochter und die Nachhilfelehrerin fehlen und eine CD läuft in Endlosschleife.
Und da fragt sich jetzt der Chef, der Henning Riefenstahl heißt, warum die in Endlosschleife läuft, ob das ein Signal ist oder ein Symbol, sind da Fingerabdrücke drauf? Das fragt er so gelangweilt, als hätte er dabei im Hinterkopf: „Ach ja, was könnt ich sonst noch fragen, was mir grade so einfällt und was wir normalerweise so abarbeiten und eigentlich wäre ich jetzt lieber irgendwo am Strand im Urlaub…“







Ich konnte mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass jemand die Probe- oder Übe-Aufnahme mit- und versehentlich in den Film geschnitten hat. Bisschen mehr Ausdruck bei allen wäre schön. Kommt aber sicher noch. Und dann wird aus einem angekündigten Wutausbruch vielleicht auch wirklich was Wütendes. Ich habe jedenfalls beim Verhör gar keine Angst bekommen und wage deswegen auch folgendes Fazit.
Langweilige Dialoge treffen den Wunsch nach Verrücktem
Es ist bestimmt sauschwer, bei all den Tatorten noch was zu finden, was neu ist und anders. Irgendwas, was dieses Tatortteam einzigartig machen soll. Und, so leid mir das tut, die Suche der Frankfurter ist noch lange nicht beendet. Die Geschichte könnte spannend sein, aber irgendwie treffen hier Vorabendserien-Dialoge auf den Wunsch mal was ganz Verrücktes zu machen. Das geht bestimmt noch besser und vielleicht sollte jemand den Dialogschreiber mal ein bisschen einbremsen und den Chef nicht solche Sätze sagen lassen:
„Der Fall ist aber auch echt beschissen. Könnte nicht wenigstens die Tatwaffe vom Himmel fallen, übersät mit engelsweißen Fingerabdrücken, oder ein Augenzeuge, am besten der Papst persönlich.“
Gegenfrage von Hauptkommissar Brix: „Sagen Sie mal, haben sie einen Toast auf der Schallplatte?“
Ohne genau zu wissen, was er damit meint, sage ich „Ja!“.
Mit Anfängerbonus gibt's von mir für Kälter als der Tod 2 von 5 Elchen