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Michael Haas
Michael Haas (Foto: SWR3)
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Jessica Schnellbach
Jessica Schnellbach (Foto: SWR3)

Ein junger Mann mit einem riesigen Tattoo im Gesicht, der spurlos verschwindet. Und ein Vater, der die Hoffnung, seinen Sohn wiederzufinden, schon fast aufgegeben hat. Nicht schlecht, der neue Tatort mit den Kommissarinnen Grandjean und Ott, aber auch nicht sonderlich spannend, sagt SWR3-Redakteur Michael Haas. 

Vater findet die Leiche seines Sohns am Tatort

Eine blecherne Roboter-Stimme gibt am Telefon eine Adresse durch. Angeblich findet der Vater dort seinen Sohn. Vor Wochen schon war der von zu Hause abgehauen, und hatte den Kontakt zu seinem Elternhaus abgebrochen. Keine Chance für den Vater, ihn wiederzufinden. Bis jetzt. Natürlich fährt der Vater sofort zu der angegebenen Adresse, eine Industriehalle. Und genau dort findet der Mediziner eine Leiche, eingewickelt in Plastikfolie. Das Tragische: Er merkt erst gar nicht, dass es sein Sohn ist. Mit diesem Gesichts-Tattoo hatte er ihn noch nie gesehen. Der Vater ist schockiert. 

Tattoos als künstlerischer Ausdruck

Woher kam das Tattoo, wer macht sowas? Und hat das was mit seinem Tod zu tun? Die Kommissarinnen nehmen die Arbeit auf. Und ermitteln, dass Sohn Max freiwillig bei einem Kunstprojekt mitgemacht hat, bei einer total gehypten aber auch durchgeknallten Künstlerin. Sie habe ihren „Objekten“ neue Gesichter geben wollen. Kommissarin Grandjean ist entsetzt über das Wort „Objekte“. Doch die Künstlerin ist eiskalt: Sie habe Max nur das Gesicht gegeben, das zu der Person passt, zu der er geworden ist. Der tote Sohn war wohl auch deshalb so anfällig für die Künstlerin, weil er als Kind ganz Schlimmes erlebt hatte. Max war missbraucht worden, im Schwimmverein, vom Trainer. Und so konnte ihn die Künstlerin mit ein bisschen pseudoesoterischem Blabla für ihre Kunst missbrauchen.  

Der wohl erste Tatort ohne echte „falsche Fährte“

Ein Tatort mit einem bleischweren Thema. Und einer, der sehr gradlinig erzählt ist. Normalerweise ist das ja klasse. Doch auch der Fall an sich kommt ohne großes Hin und Her aus. Leider. Der Krimi wird wohl als erster Tatort ohne echte „falsche Fährte“ in die Tatort-Geschichte eingehen. Das macht das Mitraten für die Zuschauer, also die „Mördersuche auf’m Sofa“ dann ein bisschen langweilig. 

Tatort Schattenkinder (Foto: ard-foto s2-intern/extern, ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek)
Der Fall gibt große Rätsel auf: Kommissarin Tessa Ott und Staatsanwältin Anita Wegenast ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Auf Spurensuche bei einer Künstlerkommune: Tessa Ott ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Trägt ihren Schmerz nach außen: Indira ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Hält Künstler grundsätzlich für etwas verrückt: Isabelle Grandjean ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Entdeckt seinen toten Sohn: Beat Gessner ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavace Bild in Detailansicht öffnen
Gross inszenierte Abschiedsfeier für einen Freund und Weggefährten: Kyomi, Shin und Indira ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Kommissarin Tessa Ott und die Künstlerin Kyomi ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Kyomi mit ihren Kunstobjekten: Kyomi, Shin und Indira ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Ist fasziniert von der Künstlerkommune: Kommissarin Tessa Ott ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Charismatische Künstlerin: Kyomi ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Auf Motivsuche bei einem Kindheitsfreund des toten Max: Tessa Ott und Isabelle Grandjean ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Bizarrer Leichenfund: Kommissarin Tessa Ott und ihre Kollegin Kommissarin Isabelle Grandjean ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Kommissarin Tessa Ott und ihre Kollegin Kommissarin Isabelle Grandjean. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen
Vesucht, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben: Kommissarin Isabelle Grandjean ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek Bild in Detailansicht öffnen

Eine Botschaft an Eltern

Und so ein wenig hat man auch den Verdacht, der Missbrauch wird nur erzählt, um es nachvollziehbar zu machen, dass sich ein junger Mann für ein Kunstobjekt das ganze Gesicht tätowieren lässt. Ohne das hier unterstellen zu wollen: Aber das wäre ein Fehler. Dann würde das Missbauchsthema nur Mittel zum Zweck sein, und nicht angemessen. Da aber auch klar die Botschaft transportiert wird, dass Eltern ihre Kinder behüten und ihre Alarmsignale ernst nehmen sollen, kann der Zuschauer die Erzählung nachvollziehen. Da hätte ich die Kritik am Kunstbetrieb aber nicht auch noch gebraucht, bei dem es immer mehr um die Show und immer weniger ums Kunstwerk geht. Das verwässert dann doch die wichtigen Botschaften des Films ein wenig.

Die Kommissarinnen Grandjean und Ott ermitteln heute Abend in einem neuen #Tatort aus Zürich! Alle Infos: https://t.co/bJvVK5GXBR https://t.co/DRh8eUydfD

Tatort „Schattenkinder“ – Fazit

Alles in allem haben wir hier aber doch einen ordentlichen Tatort mit einer crazy Story rund um die tätowierten Gesichter. Ziehen wir ein paar Schwächen ab, bleiben noch gute drei von fünf Elchen. 

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