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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Schon wieder passiert es: Das erfolgreichste Tatort-Team klärt mit Rotwein, Gag- und Klamauk-Feuerwerk auch den neuen Fall auf. Die Fanbase ist groß, aber die Handlung kommt öfter zu kurz. Lohnt er sich?

Was passiert im Münster-Tatort „Ein Freund, ein guter Freund“?

Es ist mal wieder Nacht im Tatort wie so oft. In einer düsteren, schmierigen Anwaltskanzlei hat ein Mandant ein paar unangenehme Fragen: Warum hat er beim Prozess verloren und warum hat sich hier keiner mehr so richtig lieb?

Nun, vielleicht hat es damit zu tun, dass der Mandant Mafia-Boss und der Anwalt bis über beide Ohren verstrickt in dessen dunkle Machenschaften ist. Und „Aussteigen“ gibt es bei der Mafia bekanntlich nur final: Noch in derselben Nacht ist der Anwalt tot.

Draufsicht: Ein Toter liegt am Boden eines Büros, Kommissar Thiel steht vor ihm, weitere Polizeibeamte sind im Raum. (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR/Thomas Kost)
Todesursache: „Jobaufgabe wegen Erfolglosigkeit“?

Tatort Münster: Party-on für Prof. Boerne

Ein paar Straßen weiter feiert Prof. Boerne den Abschied seines besten Freundes auf einer rauschenden Party. Und weil es dramaturgisch gut passt, ist gleich das ganze Team da: von der Staatsanwältin über die kleinwüchsige Alberich bis zu Kommissar Thiel.

Komplett verkatert gehts an die Arbeit. Gegen den Mafiaboss gibts allerdings wenige Beweise, und alle sind sich einig: Das ist ja schon blöd, ihn wieder Mal davonkommen zu lassen.

Assistentin Alberich steht vor dem Schreibtisch von Prof. Boerne im Büro des Obduktionsraums (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR/Thomas Kost)
Hassliebe auf Augenhöhe: Prof. Boerne erklärt seiner Assistentin mal wieder, wie anstrengend die Nacht war.

Die Geschichte plätschert wie gewohnt mit vielen Gags und mindestens einer Tatort-typischen Wendung zeitlich Richtung „Anne Will“. Ganz am Ende war es halt irgendwer – wer genau ist gar nicht so wichtig. Denn Thiel und Boerne haben geglänzt, wie sie es seit genau 20 Jahren tun. Und dafür werden sie geliebt – beispielsweise von knapp 15 Millionen allein bei einer einzigen Münster-Folge in 2021.

Thiel und Prof. Boerne schwächeln

Aber langsam wird die Machart zum Problem. Der Tatort aus Münster ist durch den Humor recht unterhaltend – auch ich lache mich oft scheckig –, aber die beiden Clowns Thiel und Boerne wirken ein bisschen ausgelatscht. Denn die Handlung ist viel zu deutlich zur Nebensache geworden, die Spitzen sind weg. Mehr noch: 

Kommissar Thiel und Prof. Boerne stehen im Obducktionssaal, im Hintergrund die Leiche. Thiel macht eine Pistolengeste. (Foto: ard-foto s2-intern/extern, WDR/Thomas Kost)
So könnte es gewesen sein: Knarre von unten nach oben. Zack fertig, Fall gelöst.

Gemessen an der schrägen Gag-Kultur war der Münster-Tatort früher auch absurd überdreht, was gepasst hat. Raus kam zwar oft auch kein Krimi, aber ein sehr unterhaltsames Kunstwerk. Wenn verrückte Handlungen aber wegbleiben, ist Humor und Charakterspiel irgendwann zu wenig. Und so fängt es seit ein paar Folgen, seit den „unauffälligen“ Handlungen an, abgestanden und schal zu wirken.

Fazit: Top nur für echte Fans. „Nett“ für alle anderen Zuschauer.

Klar, für echte Fans der beiden reicht das und ist super. Aber ohne Außergewöhnliches ist es nur ein lustiges Fernsehspiel, das nicht weh tut, weich und ein bisschen treudoof ist, nicht aneckt und nicht auffällt. Der Tatort ist nett.

Und das ist am Ende deutlich zu wenig für das Spitzenduo. Wenn die Autoren nicht aufpassen, kommt irgendwann der Abgrund. Und „nicht aufpassen“ hat schon so manchen ehemals brillanten Tatort kaputtgemacht.

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