Stand
AUTOR/IN
Peter Knetsch

Intelligente Computer übernehmen die Weltherrschaft. Ganz so krass läuft es im neuen Tatort aus Stuttgart zwar nicht, aber die Macher haben sich mal an Science-Fiction ran gewagt.

Alles beginnt so schlicht und klassisch. Eine junge, hübsche Frau wird tot im Neckar gefunden. Und das war es dann schon mit der Schlichtheit. Denn das Opfer hatte interessante Nebenjobs: Unter anderem war sie Stimmen-Modell für das Software-Unternehmen Bluesky.

Das Programm Bluesky
Judy, die zentrale Verkörperung des Programms Bluesky, ist fähig, mit Menschen sprachlich zu kommunizieren.

Computer übernehmen die Kontrolle

Bei dieser Firma lernen wir schnell: Silicon-Valley war gestern – die Zukunft kommt aus Stuttgart. Denn Bluesky steht für eine selbstlernende, künstliche Intelligenz, die weltweit Daten sammelt um daraus Verbrechen vorherzusagen.

Abgesehen davon, dass das virtuelle Avatar-Gesicht von Bluesky aussieht wie ein geföhnter Neandertaler – ein Gag der Bluesky-Entwicklungsabteilung –, trotz dieses lausigen Gags also, bleibt diese Geschichte bis dahin spannend. An ähnlichen Programmen wird ja tatsächlich gearbeitet, guter Krimistoff. Aber dieser Tatort will offenbar lieber Science-Fiction sein.

Denn Bluesky entzieht sich immer mehr der Kontrolle und will sich nicht abschalten lassen. Das Programm entwickelt ein Eigenleben, der Klassiker aus der Reihe: Maschinen übernehmen die Weltherrschaft.

David Bogmann (Ken Duken)
Das Erkennungsprogramm in der Lobby von Bluesky scannt alle ein, ob Mitarbeiter oder Besucher, auch seinen Entwickler David Bogmann.

Ahhh – daher kommt der Name „HAL“

Offensichtlich ein filmischer Kniefall vor Stanley Kubricks Meisterwerk „Odyssee im Weltall“, mit dem durchdrehenden Computer HAL (daher also der Tatort-Titel, was aber nie erklärt wird). Aber an solchen Vorbildern kann man sich nur überheben.

Vor allem wenn zig weitere Zeitgeist-Allgemeinplätze rein gemengt werden: Big Data, Big Brother, die verschwimmenden Grenzen von echter und virtueller Welt – alles wird gleichzeitig durch den digitalen Angst-Fleischwolf gedreht.

Für eine geradlinige Story bleibt da kein Platz. Alles zu viel. Dazu kommt, dass neben dem modernen Anstrich der Rest des Films sehr altbacken daherkommt, auch die Kommissare Lannert und Bootz. Sie schwadronieren ständig über „diese jungen Männer“ und stehen völlig überfordert vor der schönen neuen digitalen Welt.

Mea Welsch (Karoline Eichhorn)
Bei Bluesky sind Kameras allgegenwärtig, Kommunikation über Bild ist deshalb eine Selbstverständlichkeit und Mea Welsch (Karoline Eichhorn) hat jederzeit alle ihre Mitarbeiter im Blick. Bild in Detailansicht öffnen
Programm BlueSky
Judy, die zentrale Verkörperung des Programms Bluesky, ist fähig, mit Menschen sprachlich zu kommunizieren. Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken
Das Erkennungsprogramm in der Lobby von Bluesky scannt alle ein, ob Mitarbeiter oder Besucher, auch seinen Entwickler David Bogmann. Bild in Detailansicht öffnen
Felix Klare
Das Gesichtserkennungsprogramm von Bluesky liefert in Windeseile Daten zu allen Besuchern. Auch zu Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare). Bild in Detailansicht öffnen
Richy Müller
Bluesky scannt alle Besucher in der Firmenlobby, um ihre Identität zu erfassung, z. B. die von Thorsten Lannert (Richy Müller). Bild in Detailansicht öffnen
Mea Welsch (Karoline Eichhorn)
Mea Welsch (Karoline Eichhorn) macht sich Sorgen um ihren Kollegen und hofft auf Hilfe von Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller). Bild in Detailansicht öffnen
Sebastian Bootz (Felix Klare)
Die Ermordete wurde an einer Stuttgarter Schauspielschule ausgebildet. Als Sebastian Bootz (Felix Klare) die anderen Schüler befragen will, sind die alles andere als hilfsbereit. Bild in Detailansicht öffnen
August Wittgenstein
Probanden wie Referendar Elias (August Wittgenstein) dienen den Entwicklern bei Bluesky dazu, menschliche Emotionen mit Mimik und Gestik zu verbinden und damit ein Repertoire an Reaktionen zusammenzutragen. Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken
Um sich abzulenken, hat David Bogmann (Ken Duken) wieder mal ein Callgirl bei Love Adventure gebucht. Bild in Detailansicht öffnen
Felix Klare und Richy Müller
Ohne dass es ihnen bewusst ist, sind Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) auch außerhalb der Firmenzentrale von Bluesky im Fokus des Überwachungsprogramms. Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken
Beim Haftprüfungstermin versucht Staatsanwältin Emilia Álvarez einen Anklage gegen David Bogmann (Ken Duken) durchzusetzen. Aber im Gegensatz zu Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller) war ihr schon vorher klar, dass die Bild in Detailansicht öffnen
Felix Klare und Richy Müller
Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) bearbeiten einen Fall, in dem ein neuentwickeltes Sicherheitssystem eine Rolle spielt – weshalb auch die Kollegen vom LKA (Nikolaj Alexander Brucker und Ragna Pitoll) sich für die Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken versucht sich in den Computer zu hacken
Da das Programm Bluesky sich weigert, Elena (Sophie Pfennigstorf) als Charakter zu löschen, versucht David Bogmann (Ken Duken) es direkt im Server. Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken
David Bogmann (Ken Duken) in seinem Büro in der Firmenzentrale von Bluesky. Bild in Detailansicht öffnen
David Bogmann (Ken Duken) und Mea Welsch (Karoline Eichhorn)
David Bogmann (Ken Duken) und Mea Welsch (Karoline Eichhorn) spielen mit dem Gedanken, wie nützlich ihr neues Progrmam für ein Onlineportal wie die Datingbörse Love Adventure wäre. Bild in Detailansicht öffnen
Tablett-Bildschirm
Beim Onlineportal Love Adventure hatte die ermordete Schauspielschülerin Elena (Sophie Pfennigstorf) einen einträglichen Nebenjob. Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken
Dr. David Bogmann (Ken Duken) ist Data Scientist bei der Firma Bluesky. Das Programm, das der Affe repräsentiert, ist seine eigene Schöpfung – aber neuerdings fühlt er sich davon verfolgt. Bild in Detailansicht öffnen
Ken Duken
David Bogmann (Ken Duken) gerät wegen eines Videos in den Verdacht, ein Callgirl getötet zu haben. Bild in Detailansicht öffnen

Schade, die beiden gehören meiner Meinung nach zu den stimmigsten Tatort-Teams überhaupt. In „HAL“ ist kaum was davon zu spüren, hier wirken sie nur wie Stichwortgeber für alle Technik-Paranoia-Themen unserer Zeit.

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AUTOR/IN
Peter Knetsch

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