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Die Stechmücken sind in Deutschland momentan sehr aktiv – und das, obwohl die Saison noch nicht mal losging. Wie wir uns vor Stichen schützen können und welche Mythen es rund um Stechmücken gibt, hier lesen.

Insekten Mücken – Nützliche Plagegeister

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Wahr oder falsch? 4 Mythen über Mücken

Wen stechen Mücken eigentlich am liebsten? Und lockt Licht die Mücken tatsächlich an?

Mythos Nr. 1: Licht zieht Stechmücken an

Falsch. Das trifft zwar auf die meisten anderen Insekten zu, aber nicht für Stechmücken. Der Grund: Sie sehen gar nicht gut und orientieren sich in erster Linie an Gerüchen, erklärt Xenia Augsten von den Schnakenbekämpfern Kabs in SWR3.

Mythos Nr. 2: Stechmücken bevorzugen süßes Blut

Falsch. Stechmücken reagieren vor allem auf Duftstoffe, den Körpergeruch und auch den Atem von Menschen. Das liegt am Kohlendioxid, das wir ausatmen. Die Insekten riechen aber auch unseren Schweiß und unserer Haut. Riecht es nach Ammoniak, Milchsäuren und Fettsäuren, Mückenexperte Sergej Sperling in SWR3, riechen dadurch manche Menschen besonders gut.

Mythos Nr. 3: „Frauen werden öfter gestochen als Männer“

Falsch. Mücken werden eigentlich unabhängig vom Geschlecht von Gerüchen angezogen. Aber es gibt zumindest Ansätze, wo der Mythos herkommt. Eine Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass Schwangere besonders häufig gestochen werden. Wahrscheinlich weil sie einen höheren CO2-Ausstoß aus.

Mythos Nr. 4: Helle Kleidung hilft gegen Mückenstiche

Wahr. Experten gehen davon aus, dass Mücken vor allem dunkle Farben mögen. In mehreren Experimenten haben bestimmte Mückenarten zumindest eine Vorliebe für Schwarz, marineblau und rot gezeigt. Am besten also, weite helle und lange Kleidung. Da kommen die Mücken beim Stechen nicht so gut durch.

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Diese 5 Tipps helfen, wenn ihr von Mücken gestochen wurdet:

  1. Kühlen – aber Achtung! Eiswürfel nicht direkt auf die Haut geben, sondern vorher in ein dünnes Baumwolltuch oder einen Lappen einschlagen.
  2. Antimücken-Creme oder -Gel auftragen – diese sogenannten Antihistaminika können die Wirkung des körpereigenen Stoffes Histamin eindämmen. Gel ist sogar noch besser als Creme, weil es nicht nur den Juckreiz lindert, sondern zusätzlich auch kühlt.
  3. Mit Hausmitteln können Mückenstiche auch gut behandelt werden. Zum Beispiel mit einer Zwiebelhälfte. Die enthält unter anderem Schwefelöl. Das kühlt nicht nur, sondern desinfiziert auch noch. Oder man greift zur Zahnpastatube. In Zahnpasta stecken ätherische Öle und die kühlen und mindern den Juckreiz.
  4. Falls die Mücke sticht, während man mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs ist: Dann hilft Spitzwegerich. Die Blätter in der Hand zerdrücken, bis sie nach Pilzen riechen, anschließend den Stich damit einreiben.
  5. Auf keinen Fall kratzen, weil dadurch Krankheitserreger in den Körper gelangen und sich der Stich der Mücke entzünden kann.
Juckender Mückenstich (Foto: imago)
Wenn es juckt und juckt und juckt... imago

All das hilft bei euch nicht gegen Mückenstiche?

Wer zum „harten Zeug“ greifen möchte, könnte einen Stichheiler ausprobieren. Diese arbeiten mit einer Hitze von über 50 Grad. Das schmerzt eine Millisekunde, aber dadurch wird das Eiweiß Histamin, welches für den Juckreiz verantwortlich ist, zerstört. Die Anschaffungskosten liegen mittlerweile zwischen fünf und 30 Euro.

Gar nicht erst gestochen werden? So kann man gegen Mückenstiche vorbeugen

Es gibt Insektenschutz auch ohne Chemie, aber nicht alles, was es gibt wirkt. Einige ätherische Öle haben eine mückenabschreckende Wirkung.

Aber: Weil die ätherischen Öle schnell verdampfen, lässt die Wirkung auch sehr schnell nach. „Duftlämpchen und Räucherstäbchen als Schutz vor Mücken sind ungeeignet“, sagt Martin Thiel aus der SWR-Umweltredaktion.

Weil der Duft schnell verdampft und nur um die Kerze herum wirkt.
Und auch Sprays mit ätherischen Ölen schneiden bei Tests schlecht ab. Manche wirken gerade mal 30 Minuten, dann muss man nachsprühen.


Richtig wirksam, wenn auch umstritten, sind laut Thiel Anti-Mückensprays mit synthetischen Wirkstoffen wie Icaridin oder DEET. Diese können fünf oder mehr Stunden wirken. Alternativ dazu gibt es noch den pflanzenbasierten Wirkstoff PMD, der auch schon vier Stunden wirken kann. Aber auch der kann, wie die synthetischen Wirkstoffe, unerwünschte Hautreaktionen auslösen und sollte nicht an empfindlichen Stellen wie um den Augen aufgesprüht werden. Besser als jedes Spray ist übrigens ein Fliegengitter vor dem Schlafzimmerfenster. Beim Grillabend draußen hilft weite, feste und helle Kleidung, die dicht abschließt. Im Freien kommt man jedoch manchmal ums Sprühen nicht drumrum.

Spray gegen Mückenstiche selbst machen

Wer experimentierfreudig sein möchte, kann einen natürlichen Schutz gegen die fliegenden Biester selbst zusammenmischen und in eine Sprühflasche füllen.

Die Zutatenliste:

  • Zitronengrasöl 5 Tropfen
  • Zedernöl 1 Tropfen
  • Zypresse 1 Tropfen
  • Rosengeranie 1 Tropfen
  • Eukalyptus 1 Tropfen
  • Jojoba-Öl 2,0 g
  • Solubolol 3,0 g
  • Ethanol 70 % 25,0 g

Helfen Hochfrequenz-Summer oder UV-Hochspannungs-Fallen gegen Mücken?

Hochfrequenz-Summer sind gegen Stechmücken wirkungslos. Mücken hören nur tiefere Frequenzen und können Ultraschall nicht wahrnehmen. Steckdosen-Plättchen-Verdampfer wirken vor allem im Innenraum, sie verdampfen Insektizide, können allerdings auch allergische Reaktionen auslösen. Außerdem verbrauchen die Verdampfer Strom. Ein Moskitonetz vor dem Fenster ist billiger und effektiver.
Was die blau leuchtenden UV-Hochspannungsfallen angeht, die taugen nicht als Mückenschutz. Im Gegensatz zu Fliegen werden Stechmücken kaum vom UV-Licht angelockt.

Asiatische Tigermücke breitet sich in Deutschland aus

Asiatische Tigermücke (Foto: IMAGO, blickwinkel)
blickwinkel

Ursprünglich sind die Stechmücken in den süd- und südostasiatischen Tropen und Subtropen zuhause. Sie können gefährliche Erreger wie beispielsweise Zika-Viren übertragen. Erste Exemplare der Tigermücke waren vor zehn Jahren in Deutschland aufgetaucht: an einem Rastplatz der A5 bei Weil am Rhein. In Freiburg und Heidelberg überwintern die Mücken bereits. Experten rechnen damit, dass die Art im Zuge des Klimawandels in Europa immer günstigere Umweltbedingungen vorfindet und sich ihre Ausbreitung daher kaum mehr stoppen lässt.

Folgendes ist zu beachten:

  • Grundsätzlich fliegt die Tigermücke gerne in Autos rein, weil sie gerne Menschen hinterher fliegt.
  • Nach dem Urlaub in Italien, Kroatien oder Südfrankreich auf jeden Fall das Auto absuchen, ob eine drin ist.
  • Problematisch wird es, wenn Tigermücken an Brutstätten wie Regenfässer gelangen.
  • Man erkennt sie daran, dass sie auf der Rückseite des Vorderkörpers einen weißen Längsstreifen hat, den nur diese Mücke besitzt.

Wenn ihr eine Tigermücke seht, macht am besten ein Foto mit dem Handy und schickt dieses an folgende Adresse: info@kabsev.de

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