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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Ein Unwetter sorgte dafür, dass ein riesiges Festival zur riesigen Schlammschlacht wurde. Etwas ungewöhnlich: Diesmal fand das Festival in einer Wüste statt.

Mitten in der Wüste des US-Bundesstaats Nevada entsteht einmal im Jahr eine ganze Stadt: Black Rock City. Sie ist der Austragungsort des legendären Festivals Burning Man. Wo sich die Bewohner auf Zeit normalerweise mit Skibrillen und dicken Tüchern vor Mund und Nase ausrüsten, um sich vor dem allumgebenden Staub zu schützen, wären dieses Jahr Gummistiefel angesagt gewesen: Ein Unwetter hatte das Festivalgelände in eine Schlammstadt verwandelt.

Burning Man: Zugänge nach Unwetter wegen Schlamm gesperrt

Aber Moment: Waren Wüsten nicht diese staubtrockenen Landschaften ohne einen Tropfen Wasser? Meistens schon – aber auch dort kann es mal regnen. Der Regen kann dann sogar zu Überschwemmungen führen, weil der Boden eben eigentlich so trocken ist, dass er so viel Wasser auf einmal gar nicht aufnehmen kann. Zwischen Freitag- und Samstagmorgen fiel die für zwei bis drei Monate übliche Regenmenge, berichtet CNN.

#BurningMan2023 is a muddy mess. Participants are being asked to shelter in place due to the heavy mud that developed after rains hit the playa. Our @nbcbayarea photographer @joshkeppel shot these exclusive images this morning. @nbcbayarea www. https://t.co/EmQtZHJ0KL pic.twitter.com/61pCA24CQG

Die Beschaffenheit des Bodens vor Ort ist so schlecht, dass alle Zugänge zum Gelände gesperrt am Samstag wurden.

Due to recent rainfall, the Bureau of Land Management and the Pershing County Sheriff's Office officials have closed the entrance to Burning Man for the remainder of the event. Please avoid traveling to the area; you will be turned around. All event access is closed. pic.twitter.com/BY8Rv7eFLD

Zwar stellten die Organisatoren laut eigenen Angaben Fahrzeuge mit Vierradantrieb für medizinische Notfälle bereit. Besucher berichteten allerdings auch von unbenutzbaren mobilen Toiletten, da wegen des Zufahrtsstopps auch keine Wartungsfahrzeuge mehr auf das Gelände kommen konnten.

So the Porta-pottys (portable toilets) aren't getting emptied and haven't for 24 hours. How long until 73,000 people start running into bathroom problems?#burningman #BurningMan2023 #BurningManFestival pic.twitter.com/6OYhiGwZEq

„Exodus“ aus Black Rock City am Montag möglich

Am Montag (4. September), dem letzten Festivaltag, kam am frühen Nachmittag die Nachricht der Veranstalter: Der „Exodus“, also der Auszug aus Black Rock City, habe offiziell begonnen. Das Fahrverbot sei aufgehoben, auch wenn das Gelände noch nicht vollständig abgetrocknet sei. Viele Besucher ließen sich das offenbar nicht zweimal sagen und machten sich auf den Heimweg – oder versuchten es.

Es bildete sich ein langer Stau. Am Montagabend (Ortszeit) meldeten die Organisatoren eine Wartezeit von rund sieben Stunden, um Black Rock City zu verlassen. Man riet den Leuten, doch lieber später zu fahren oder noch eine Nacht zu bleiben und entspannt am Dienstag abzureisen. Aber auch am Dienstag wurde die Stauzeit noch mit vier Stunden angegeben. Die Veranstalter wiesen zudem Festivalbesucher noch einmal daraufhin, keinen Müll oder andere Gegenstände in der Wüste zurückzulassen – eins der Prinzipien des Burning Man.

Burning Man organizers reopened the road leading out of the remote Nevada desert festival, allowing tens of thousands of attendees to escape after they had been trapped for days by mud https://t.co/vX7GQzfOYS pic.twitter.com/wNNUXFKsoT

Hier einige Eindrücke aus Black Rock City vom Wochenende:

Ein mit Matsch bedeckter Mann mit geschlossenen Augen, weit ausgebreiteten Armen und nacktem Oberkörper (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Er fühlt es. Bild in Detailansicht öffnen
Ein verkleidetes Pärchen läuft durch das Wasser beim Burning Man (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Es hat auch etwas Romantisches, über Wasser zu laufen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Festivalbesucher steht mit Plastiktüten an den Füßen im Matsch und lacht (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Der Spaß kommt wohl trotz der Umstände nicht zu kurz. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Frau liegt auf dem Rücken in einer Pfütze (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Im vergangenen Jahr hatte es während des Festivals 40 Grad. Da hätten sich die Besucher sicher so eine nasse Abkühlung gewünscht. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Mann hat sich Plastiktüten um die Schuhe gebunden und läuft durch den Matsch beim Burning Man (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Man kann viel Schlechtes über Plastiktüten sagen – aber hier sind sie wohl ein Segen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Golfcart steht mit schlammigen Reifen im Matsch (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Selbst für das Golfcart ist der Matsch offensichtlich zu viel. Bild in Detailansicht öffnen
Blick in eine mobile Toilette, auf deren Boden eine dicke Matschschicht ist. (Foto: IMAGO, IMAGO/USA TODAY Network)
Blick in die Toilette. Hm. Ja. Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme von Black Rock City (Foto: Reuters, Maxar Technologies/Handout via REUTERS )
So sieht Black Rock City dieses Jahr übrigens von oben aus. Das Bild entstand vor dem Regen. Bild in Detailansicht öffnen

Einziger Ausweg am Wochenende: Acht Kilometer zu Fuß durch den Schlamm

Wer das Festivalgelände am Wochenende trotz gesperrter Zufahrtswege verlassen wollte, konnte es zu Fuß versuchen: Fünf Meilen sind es laut Veranstaltern bis zu einer der nächsten Hauptstraßen. Das sind etwa acht Kilometer. Laut Medienberichten wanderten so einige Festivalbesucher durch den dicken Schlamm, um von dort aus nach Hause zu kommen.

Burning Man attendees were told to shelter in place. No bikes or cars in or out, since the playa (lakebed) is a muddy mess right now. Some folks are walking 5 miles out in order to avoid being trapped inside, with 70K+ other people and very limited resources pic.twitter.com/W0Q0Pt60yT

Auch der Musiker Diplo wählte diesen Heimweg:

just walked 5 miles in the mud out of burning man with chris rock and a fan picked us up pic.twitter.com/0uxSXLHgY6

Im Unwetter: Todesfall bei Burning Man 2023

Ein Mensch sei am Wochenende beim Burning Man ums Leben gekommen, wie US-Medien unter Berufung auf die Polizei berichteten. Der Todesfall habe sich „während des Regens“ ereignet, so CNN. Die weiteren Umstände und Details waren noch unklar. Die Familie sei benachrichtigt worden und der Todesfall werde untersucht.

Burning Man Festival: Kunst-Insel in der Wüste

Burning Man ist ein neuntägiges Festival in der Black Rock Desert von Nevada. Die temporäre Zeltstadt Black Rock City wird jedes Jahr rund 150 Kilometer von Reno entfernt errichtet. Menschen aus der ganzen Welt reisen zu diesem Happening an, das sich um Musik und Kunstaktionen dreht. Viele nehmen für die Dauer des Events einen Fantasienamen an und verkleiden sich. Im letzten Jahr kamen rund 75.000 Besucher.

Das namensgebende Kernritual ist die Verbrennung einer riesigen Holzstatue, dem „Burning Man“ – eigentlich am siebten Festivaltag (Samstag). Die Veranstalter hatten an diesem Samstag allerdings bekannt gegeben, dass die Verbrennung wegen der Witterung verschoben werde. Festivalbesucher bauten daraufhin Skulpturen aus Schlamm. Am Montagabend war es dann so weit: der „Man“ wurde nach 21 Uhr verbrannt, um Mitternacht folgte eine weitere Installation, die „Chapel of Babel“. Am Dienstagabend wurde schließlich noch der „Temple“ verbrannt.

Der ganze Matsch kommt euch bekannt vor? Erst vor einem Monat hatte eins der größten Metal-Festivals ein ganz ähnliches Problem: Das Wacken Open Air 2023 versank nach tagelangem Regen im Schlamm:

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Die AFP (Agence France-Presse) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AP und SID.

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