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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Ex-Bild-Chef Reichelt hat dem Fußball-Nationalspieler Islamismus unterstellt. Eine Anzeige hat Reichelt dafür bereits kassiert. Jetzt spricht Rüdiger selbst.

Alles begann mit diesem Insta-Post von Fußball-Nationalspieler Antonio Rüdiger, veröffentlicht am 11. März zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan:

„IS“-Finger oder ganz normale Geste von Muslimen?

Rüdiger, der gläubiger Moslem ist, beglückwünscht darin alle Muslime zum Beginn des Fastenmonats und wünscht, dass Gott ihr Fasten und ihre Gebete anerkennt. Dazu streckt er den rechten Zeigefinger in die Luft.

Es ist eigentlich eine harmlose religiöse Geste: das „Tauhid“-Zeichen, das Millionen muslimische Menschen auf der ganzen Welt verwenden. Der Finger steht für die Einzigartigkeit Gottes. Soll heißen: Es gibt nur einen.

Leider hatte der sogenannte „Islamische Staat“ (IS), die Terrororganisation, die gerade den Anschlag in Moskau verübt hat, diese Geste eine Zeitlang für sich gekapert: Auf jedem Foto sieht man die Terroristen mit dem hochgestreckten Finger.

Das ändert natürlich nichts daran, dass andere Muslime, die selbst den IS hassen, diese ur-muslimische Geste auch verwenden. So wie auch gläubige Katholiken nicht aufhören würden, sich zu bekreuzigen, falls eine Nazi-Organisation das sogenannte große Kreuzzeichen als Erkennungszeichen verwenden würde.

Reichelt giftet gegen Rüdiger wegen angeblichem „Islamisten-Gruß“

Das mit dem IS hat auch Julian Reichelt mitbekommen, der frühere Chef der Bild, der das Blatt im Streit verlassen hat. Dass die meisten Muslime die Geste aus ganz anderen Gründen verwenden, hat er ignoriert – oder er weiß es einfach nicht.

In seinem Nius-Blog hat er Rüdiger übel angegriffen:

Für alle, die beim Islamisten-Gruß von Antonio Rüdiger keinen Islamismus erkennen wollen: Der Verfassungsschutz nennt diese Geste den ‚IS-Finger‘ und wertet den Zeigefinger als klares Zeichen für Islamismus. Man kann es nicht schönreden, der DFB muss sich dazu äußern.

„Hate-Speech“: Rüdiger und DFB haben Reichelt angezeigt

Geäußert hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich auch: Gemeinsam mit Rüdiger hat er Anzeige gegen Reichelt erstattet – wegen „Hate Speech“. Außerdem meldete der DFB den Fall bei der Zentralstelle für Internetkriminalität. Die Anzeige des DFB und des Fußballers gegen Reichelt bezieht sich auf den Vorwurf der Beleidigung beziehungsweise Verleumdung, verhetzenden Beleidigung und Volksverhetzung.

Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat sich dazu geäußert:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Faeser: Typisches Zeichen zum Beginn des Ramadan

Dauer

Die Bundesinnenministerin zum Fingerzeig von Fußballstar Antonio Rüdiger.

Rüdiger: Lasse mich nicht beleidigen

Jetzt hat sich Rüdiger selbst gemeldet – in der Bild. In seinem Statement distanziert er sich „entschieden von jeglicher Art von Extremismus und den Islamismus-Vorwürfen“. Und er erklärt:

Bei der Geste, die ich verwendet habe, handelt es sich um den sogenannten Tauhid-Finger. Dieser gilt im Islam als Symbol der Einheit und Einzigartigkeit Gottes. Die Geste ist unter Muslimen auf der ganzen Welt verbreitet und wurde erst die letzten Tage auch vom Bundesinnenministerium wieder als unproblematisch eingeordnet.

In den letzten Tagen sei das Foto „von einzelnen Personen zu unbegründeten Anschuldigungen genutzt“ worden, schreibt der Profi. Er lasse sich aber nicht beleidigen und als Islamist verunglimpfen. Deshalb habe er sich auch dazu entschieden, Anzeige gegen Reichelt zu erstatten.

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