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Tamara Trunk
Tamara Trunk (Foto: privat)
Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3, Niko Neithardt)

Laut einer Studie sind drei von vier Mitarbeitern mit ihrem Chef unzufrieden. Woran das liegt, wann du wirklich über eine Kündigung nachdenken solltest und wie du zufriedener im Job werden kannst, erfährst du hier!

Wir verbringen den Großteil unseres Lebens damit, zu arbeiten. Acht Stunden am Tag, fünf Tage pro Woche, oft länger als 40 Jahre. Den Job können wir uns zwar aussuchen, die Menschen, mit denen wir diese Zeit verbringen, aber nicht immer.

Die Zusammenarbeit mit Kollegen, Kunden und Führungskräften trägt aber unmittelbar zur Zufriedenheit im Job bei. Und eine Studie der Unternehmensberatung Gallup stellte kürzlich Zahlen zur Zufriedenheit von Arbeitnehmern im Job vor, die vor allem Führungskräften nicht gefallen dürften.

3 von 4 Arbeitnehmern sind enttäuscht von Führungskräften

Drei Viertel der Befragten sind laut Studie mit ihren Führungskräften unzufrieden. Deshalb können sich nur noch 55 Prozent vorstellen, auch in einem Jahr noch bei ihrer Firma zu arbeiten. 69 Prozent machen nach eigenen Angaben nur noch Dienst nach Vorschrift. Viele sagen, dass ihre Grundbedürfnisse im Alltag nicht mehr erfüllt sind.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Marco Nink leitet die Langzeitstudie des Beratungsunternehmens Gallup seit der Erstausgabe 2001. Er ist vom aktuellen Ergebnis überrascht. Noch nie gab es so deutliche Unterschiede zu den Ergebnissen des Vorjahres.

Im SWR3-Interview fasst Marco Nink die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen.

  • Viele Führungskräfte scheinen das Wohl der Mitarbeitenden aus den Augen verloren zu haben. Man hat sich mehr mit dem Managen von Krisen beschäftigt.
  • Neue Situationen innerhalb eines Unternehmen erfordern Austausch, Anpassung und Klärung. Negative Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren der Studie sind vor allem in den Grundbedürfnissen eines Arbeitnehmers zu erkennen: Die Befragten wünschen sich mehr Orientierung im Tagesgeschäft, klare Definition von Erwartungen und Zuständigkeiten. Prioritäten und Ziele empfanden sie als unklar kommuniziert.
  • Selbstbild und Fremdbild gehen weiter auseinander: Chefinnen und Chefs halten sich für gute Führungskräfte, während 70 Prozent der Mitarbeitenden sagen, sie hätten schon mal eine schlechte Führungskraft gehabt.
  • Gute Führung macht aus, dass die Erwartungen geklärt, Aufgaben klar zugeordnet und Mitarbeiter passend zu ihren Stärken eingesetzt werden.
  • Mitarbeitende treffen auf einen Arbeitsmarkt, der in Bewegung ist. Durch den Fachkräfte- und Personalmangel haben sie ausgezeichnete Bedingungen, sich bei Unzufriedenheit im Job umzuorientieren.
  • Die Wechselbereitschaft ist so hoch wie lange nicht mehr.
  • Nur jeder zweite junge Mensch der Generation Z gab an, in einem Jahr noch beim gleichen Unternehmen arbeiten zu wollen, wie zum Zeitpunkt der Befragung. Aber: Wenn der Generation Z gute Führung geboten wird, steigt der Wert auf 80 Prozent an.
  • Gute Führung ist notwendig, um die emotionale Bindung zum Unternehmen zu steigern. Dann sind auch Abwanderungen weniger wahrscheinlich.

Obwohl die Ergebnisse neu sind – Führungskräfte sind nicht alle innerhalb eines Jahres plötzlich schlechter geworden. Das hat auch mit einem Krisenphänomen zu tun, erklärt Arbeitsmarktforscherin Jutta Rump.

Jobwechsel nach Krisenzeiten nicht überstürzen

Corona, Energiekrise, Inflation: Unternehmen haben mit vielen Problemen zu kämpfen. „Während der Krisenzeiten nehmen Mitarbeiter den Kopf unter die Arme, weil sie gemeinsam gut durch die Krise kommen wollen“, erklärt Jutta Rump – der Zusammenhalt und die Toleranz seien zeitweise viel größer.

Bei Chefs ist das Verhalten während Krisensituationen durch Stress, neue Probleme und viel Arbeit geprägt. Wenn keine Zeit für die Mitarbeiter da ist, bleibt die Sozialkompetenz auf der Strecke. Die Mitarbeiter können das eine Zeit lang aushalten – aber wenn Krisen sich wieder entspannen, bricht die Unzufriedenheit aus und Krankenstände nehmen zu, so Jutta Rump – ein typisches Krisenphänomen.

Ihr Tipp: Wenn sich eine Krise dem Ende zuneigt und die Unzufriedenheit im Mittelpunkt steht, erst mal beobachten, ob sich alles wieder einpendelt. Sind es Kleinigkeiten, die sich zugespitzt haben und sich auch wieder leicht ändern lassen? Oder gibt es ein tiefergehendes strukturelles Problem?

Red Flags im Job: Wann du mit der Kündigung nicht länger warten solltest

Wenn dein Arbeitsumfeld toxisch ist, solltest du so bald wie möglich wechseln, rät Jobcoach Mathias Fischedick.

Wenn Mobbing, Diskriminierung und Machtspielchen an der Tagesordnung sind, solltest du dich in Sicherheit bringen.

Stressbedingte Erkrankungen solltest du auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn dein Job dich psychisch und körperlich so sehr belastet, dass du ständig krank bist und du nichts daran ändern kannst, dann ist es an der Zeit, dass du dich nach einer neuen Beschäftigung umsiehst.

Solltest du dich in deiner aktuellen Stelle nicht weiterentwickeln können, obwohl du das gerne möchtest, dann lass dich nicht dadurch begrenzen, sondern suche dir eine neue Entfaltungsmöglichkeit bei einem anderen Arbeitgeber.

Überstundenvergütung berechnen

Mit diesem Rechner kannst du ganz einfach berechnen, wie hoch deine Vergütung ausfallen sollte, wenn du Überstunden machst. Trage einfach deine Informationen ein, dann erhältst du dein Ergebnis.

Diese Daten werden von SWR3 nicht gespeichert, genutzt oder weitergeben. Dieser Rechner steht nur dir zur Verfügung, um einen Überblick über deine Überstundenvergütung zu bekommen.

Bruttogehalt ist der Gesamtbetrag vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

Wenn du den Zuschlag nicht kennst, trage hier 0 ein.

So gibst du richtig Feedback an den Chef

Ob Gehaltserhöhungen, Arbeitslast oder Überstunden: Über das meiste lässt sich reden – und wenn man ernsthaft an einen Wechsel denkt, kann man trotzdem vorher das Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten suchen. Vor Feedback nach oben haben viele Respekt. Mit den Tipps von Jobcoach Mathias Fischedick fällt es leichter:

  • Gute Vorbereitung: Sammle Beispiele und Situationen, die deine Unzufriedenheit verdeutlichen und begründe sie. Überlege dir auch schon konkrete Lösungsvorschläge – damit steigerst du deine Chancen, dass dein Chef eine Veränderung unterstützt.
  • Zeitpunkt und Ort: Suche den richtigen Rahmen für das Gespräch. Führe dieses wichtige Gespräch nicht zwischen Tür und Angel oder spontan, sondern bitte deinen Chef um einen Termin, an dem er konzentriert Zeit für ein Gespräch mit dir hat.
  • Formulierung: Nenne als Thema „Ich habe einige Dinge, die ich gerne in unserer Zusammenarbeit optimieren möchte, die ich mit dir besprechen möchte.“ Durch diese konstruktive Formulierung setzt du schon im Vorfeld den Fokus auf Lösungen.
  • Keine Vorwürfe: Die werden dafür sorgen, dass dein Chef sich unter Druck gesetzt fühlt und sich verteidigen wird. Benutzte stattdessen besser Ich-Botschaften. Also anstelle von „Und du gibst mir immer diese nervigen Aufgaben!“ besser „Und ich empfinde viele der Aufgaben, die du mir gibst als nervig.“ Dadurch bist du deutlich, nimmst aber gleichzeitig den Druck raus. Nenne auch die Gründe, warum du zum Beispiel eine Aufgabe als nervig empfindest. Dadurch sorgst du dafür, dass dein Chef deine Unzufriedenheit besser verstehen kann.
  • Lösungsvorschläge: Präsentiere deine Ideen, was sich ändern könnte. Dadurch zeigst du, dass du dich nicht nur beschweren möchtest, sondern an einer gemeinsamen Lösung interessiert bist.

Kommunikation am Arbeitsplatz Umfrage: Jeder Fünfte hat Probleme mit älteren Kollegen – was dahintersteckt

Laut einer Umfrage hat jeder Fünfte Probleme mit älteren Kollegen. Was dahintersteckt und wie man mit Konflikten und Streit am Arbeitsplatz am besten umgeht, erfahrt ihr hier.

Deutschland: Zu wenig Wertschätzung im Job

Wer in einem Team arbeitet, hat mit verschiedenen Persönlichkeiten und Arbeitsweisen zu tun. Nicht immer läuft alles glatt – und das ist auch nicht schlimm. Es ist nur wichtig, darüber zu sprechen.

In Deutschland haben wir eine schwach ausgeprägte Feedbackkultur. Wir haben eine Wertschätzungswüste. Nach dem Motto: Nicht geschimpft ist gelobt genug.

Chefs profitieren genauso wie Mitarbeiter davon, Rückmeldung zu bekommen und Feedback zu erhalten. Wenn es wertschätzend, ehrlich und konstruktiv geäußert wird, können Missverständnisse geklärt und neue gemeinsame Richtlinien festgelegt werden.

3 Möglichkeiten, wenn ihr euch im Job nicht wohl fühlt

  • 💬
    Offene Kommunikation: Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten und sprich deine Punkte offen an. Gemeinsam könnt ihr darüber sprechen, was sich ändern muss, damit die Zusammenarbeit wieder Spaß macht.
  • 📰
    Interne Bewerbung: Wenn ihr nicht mehr mit eurem Chef klarkommt, euch im Unternehmen aber eigentlich wohlfühlt, lohnt sich ein Blick in die internen Stellenausschreibungen. Die Möglichkeit, sich in einem gewohnten Umfeld weiterzuentwickeln, ist ein Mittelweg.
  • 👋
    Ciao: Wir haben alle von ihnen gehört: den unüberbrückbaren Differenzen. Es ist total in Ordnung, wenn ihr einen neuen Job sucht, weil der aktuelle euch nicht glücklich macht oder die Gegebenheiten einfach nicht zu euch passen.

Rettet Kollegenliebe den Job?

Mit dem Chef kommt ihr nicht klar, die Aufgaben erfüllen euch nur mittelmäßig, aber die Kollegen sind wie eine zweite Familie? Das kann vieles ausgleichen und ist sicher ein wichtiger Aspekt. Aber tolle Kollegen alleine sollten nicht der Grund sein, wieso du in einem Unternehmen bleibst. Im Interview in SWR3 NOW hat Jobcoach Mathias Fischedick darüber gesprochen.

Angst vor dem Job? So kannst du damit umgehen!

Es gibt Situationen im Job, die Angst verursachen können, wie ein Gespräch mit dem Chef oder eine wichtige Präsentation. Zurückziehen sei aber keine Lösung, sagt Beate Muschalla. Sie ist Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik der Technischen Universität Braunschweig und rät, sich mit Kollegen auszutauschen. Das offene Ansprechen der eigenen Probleme ist sicherlich herausfordernd, aber:

Es ist immer eine gute Idee, den Leuten am Arbeitsplatz, mit denen man zusammenarbeitet, zu sagen, wenn man ein Problem mit einer bestimmten Aufgabe hat.

So könne man gemeinsam das Problem lösen. Gut sei es auch, sich selbst und seine Ängste zu kennen. Wenn wir wissen, was uns Angst bereitet, sei das schon ein großer Pluspunkt. Ein Tipp der Expertin: Aktiv mit der Angst auseinandersetzen, bevor sie da ist. Atemübungen können dabei helfen. Ebenfalls hilfreich: Mut machende Sätze formulieren, die wir uns selbst vor entsprechenden Situationen noch einmal vorlesen können.

Hier das Interview mit Beate Muschalla anhören:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Highlights anhören Angst im Job: Das kannst du tun!

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Angst im Job: Das kannst du tun!

Umfrage: Wie zufrieden seid ihr im Job?

Wann ist ein Chef ein guter Chef? Was ist euch wichtig? SWR3-Reporterin Lena Heutmann hat Menschen in Mainz gefragt.

Ein Chef muss fair sein, es muss eine Anerkennung untereinander herrschen, man muss miteinander reden können, ohne Gefahr zu laufen, dass die eigene Meinung einen ins Risiko bringt, dass man seinen Job verlieren könnte.

Wichtig ist mir eine gute, ehrliche Atmosphäre, dass nicht gelästert wird und dass man mit den meisten per du ist.

Ich habe gemischte Erfahrungen gemacht: In einem Start-up war es eigentlich ganz cool. Man war auf Augenhöhe. Aber in einem konservativen Unternehmen habe ich mich mit den Chefs nicht so ganz gut verstanden, weil die das doch sehr ausgelebt haben, dieses Machtverhältnis.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Wenn Personen, Vereine oder Unternehmen Neuigkeiten direkt kommunizieren, dann ist das eine Quelle für uns. Das können zum Beispiel exklusive Interviews oder Pressemitteilungen sein. In der Regel kennzeichnen wir bereits im Text, auf welche Quelle wir uns konkret beziehen – vor allem dann, wenn es keine zweite unabhängige Bestätigung zu der Neuigkeit gibt.

Wenn Personen, Vereine oder Unternehmen Neuigkeiten direkt kommunizieren, dann ist das eine Quelle für uns. Das können zum Beispiel exklusive Interviews oder Pressemitteilungen sein. In der Regel kennzeichnen wir bereits im Text, auf welche Quelle wir uns konkret beziehen – vor allem dann, wenn es keine zweite unabhängige Bestätigung zu der Neuigkeit gibt.

Wie ist die Stimmung in der Gesellschaft, welche Parteien haben gerade viel Zuspruch oder was denken bestimmte Altersgruppen über den Klimawandel. Solche und viele andere Fragen lassen sich mit Umfragen beantworten. Dabei werden viele verschiedene Menschen meist zufällig befragt. Ist die Anzahl der Teilnehmer groß genug, lassen sich die Ergebnisse auf die gesamte Bevölkerung hochrechnen. Bekannteste Beispiele sind die Umfragen vor Wahlen.

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