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AUTOR/IN
Lea Kerpacs
Lea Kerpacs: Website-Redakteurin bei SWR3

Beim Scrollen durchs Netz sind uns immer mehr Tipps, Tricks und Infos rund um Salz begegnet. Und weil das meiste davon nicht wissenschaftlich eingeordnet wird, machen wir das mal.

Mit Salz den Gefrierpunkt runtersetzen, damit der Gehweg nicht gefriert? Kennen wir inzwischen alle. Aber wie siehts mit diesen Salzmythen aus? Findet hier heraus, ob wirklich was dran ist, oder ob wieder Halbwissen im Netz unterwegs ist.

  1. Schmeckt unser Tee mit Salz besser?
  2. Hilft Salz gegen Krämpfe beim Training?
  3. Essen wir mit Meersalz mehr Mikroplastik?
  4. Verschwindet mit Salz das Hungergefühl?
  5. Bleibt das Wasser in der Wärmflasche mit Salz länger warm?

1. Schmeckt unser Tee mit Salz besser?

Kommt drauf an. Prof. Michelle Francl hat für eine diplomatische Intervention zwischen den USA und Großbritannien gesorgt – mit Salz. Ihr Tipp: Einfach mal eine kleine Prise Salz in den Schwarztee rieseln lassen. Dann schmecke der Tee nicht mehr so bitter. Viele Briten waren über den Tipp der US-amerikanischen Forscherin not amused und haben ihr Nationalgetränk verteidigt; wie kann man den guten englischen Tee nur mit Salz verschandeln? Daraufhin hat sich sogar die US-amerikanische Botschaft auf X, früher Twitter, gemeldet und sich offiziell distanziert:

Wir wollen den guten Menschen im Vereinigten Königreich versichern, dass die undenkbare Idee, dem britischen Nationalgetränk Salz hinzuzufügen, keine offizielle Politik der Vereinigten Staaten ist. Und das wird auch nie der Fall sein.

Professorin Francl erklärt: Sie sehe das rein wissenschaftlich. Es sei eben einfach so, dass Speisesalz Bitterstoffen entgegenwirke. Natürlich müsse man so wenig Salz nehmen, dass man es nicht rausschmecke. Mit dem Aufsehen hat sie nicht gerechnet, wünscht sich aber etwas mehr Experimentierfreude, was den Teekonsum angeht, bevor ihre Forschung vorverurteilt wird.

Salzige Getränke sind übrigens keine Erfindung von Professorin Francl:

2. Hilft Salz gegen Krämpfe beim Sport oder ist das ein Mythos?

Ja?! Das kommt jetzt vielleicht überraschend, aber es stimmt. Um das zu erklären, müssen wir erst mit einem anderen Mythos aufräumen:

Die allgemeine Annahme, Magnesium helfe gegen Krämpfe beim Sport, kann wissenschaftlich nicht wirklich bewiesen werden. Dr. Michael Behringer ist Sportwissenschaftler und erklärt: „Wir haben kaum wissenschaftliche Hinweise darauf; eher anekdotisch, dass Magnesium Vorteile bringt“, erklärt er. Das wissenschaftliche Fazit: „Ja, Magnesium könnte etwas bringen bei schwangeren Frauen. Ansonsten ist die Evidenz eher niedrig.

Das ganze Gespräch mit Michael Behringer gibts hier im Video:

Forscherinnen und Forscher haben sich angeschaut, was denn wirklich zu Muskelkater führt. Grund dafür seien muskuläre Ermüdung, ein schlechter Trainingszustand und allgemein hohe Temperaturen. Dem kann man entgegenwirken, indem man auf seine Elektrolytversorgung und genug Flüssigkeit achtet – soweit waren wir beim Magnesium auch schon. Allerdings setzt Magnesium an der falschen Stelle an. Nach der Erfahrung von Dr. Ursula Manunzio sind Natrium und Kalium viel wichtiger. Sie haben Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und das Herz.

Das heißt aber nicht automatisch, dass wir jetzt Nahrungsergänzungsmittel am laufenden Band schlucken müssen. Der Tipp der Sport- und Ernährungsmedizinerin: Eine kleine Mahlzeit essen und vor oder während dem Sport eine Apfelschorle mit einer Prise Salz (da ist es wieder, das Salz!) trinken. Also ja: Salz kann im Vorfeld gegen Krämpfe helfen. Aber nein: Salz löst den Krampf nicht, wenn er dann mal da ist.

3. Fakt oder Mythos: Essen wir mit Meersalz mehr Mikroplastik?

Ja. Dass in Meersalz Mikroplastik enthalten sein kann, wurde in der Vergangenheit mehrfach wissenschaftlich bewiesen. 2018 beispielsweise in einer Studie an der Universität Oldenburg. Im Test waren verschiedene Meersalz-Produkte aus Discountern und Supermärkten. Mikroplastik: Check. Vor allem haben die teuren Produkte (Fleur de Sel) herausgestochen: „Der Plastikmüll landet in einem sehr hochwertigen Produkt jetzt wieder auf dem Essteller“, so die Leiterin der Studie Dr. Barbara Scholz-Böttcher.

Auch Stiftung Warentest hat 2022 noch Mikroplastik in Meersalz nachgewiesen. In neun von 14 Proben wurden Spuren nachgewiesen, die auf Mikroplastik hinweisen können. Trotzdem gelten die Mengen an nachgewiesenem Mikroplastik aber immer noch als unbedenklich.

4. Verschwindet mit Salz das Hungergefühl und hilft es beim Abnehmen?

20 bis 30 Sekunden Salz auf der Zunge haben, dann schlucken und der Hunger soll weg sein? Das empfiehlt beispielsweise ein Fitnessinfluencer auf Instagram. Easy Hilfe beim Abnehmen, könnte man meinen.

Zu diesem Tipp konnten wir keine wissenschaftlichen Studien finden. Die Erklärung im Video: Es könnte sein, dass der Körper zu wenig Natrium hat und deshalb nach salzigen Snacks schreit. Es stimmt, dass unser Körper bei einem Natriummangel Hunger auf etwas Salziges bekommt, um den Mangel auszugleichen. „Geschmacksrezeptorzellen“ auf unserer Zunge geben uns Bescheid, wenn wir Salz zu uns nehmen, und auch, wann es dann mal genug Salz ist: Dann schlagen interessanterweise die Rezeptoren für sauer und bitter Alarm, damit wir keine Lust mehr auf Salz haben.

Bei Tieren funktioniert das super, haben Forscher aus den USA herausgefunden. Wir Menschen haben im Alltag durch unsere Essgewohnheiten aber einen so hohen Salzkonsum, dass diese natürlichen Mechanismen nicht mehr unbedingt funktionieren. Wenn unser Körper also sagt, dass er gerne Salz hätte, muss das nicht heißen, dass wir einen Natriummangel haben, sondern vielleicht auch nur, dass wir schon länger als üblich nichts Salziges mehr gegessen haben.

Das heißt 1.: Das Hungergefühl kann Salz nicht grundsätzlich abwenden und ein bisschen Salz auf der Zunge hilft damit auch nicht beim Abnehmen. Und 2.: Dass wirklich ein Natriummangel ausgeglichen wird, ist bei unserem Lebensstandard heutzutage nicht unbedingt gesagt. Vielleicht geben wir dem Körper mit dem Salz auch einfach nur, woran er sich gewöhnt hat – und was in so hoher Dosis auch gar nicht wirklich gesund ist.

5. Bleibt das Wasser in der Wärmflasche mit Salz länger warm?

Ja(, aber). Tatsächlich hält Wasser die Temperatur mit einem höheren Salzgehalt länger als ohne. Das liegt an der Wärmekapazität: Ist Wasser mal erhitzt, hält es die Temperatur eine Weile, kühlt aber nach und nach ab. Fügt man Salz hinzu, erhöht das die Wärmekapazität. Bedeutet: Das Salzwasser kann die Temperatur besser speichern und kühlt langsamer ab. Allerdings ist der Effekt je nach Salzmenge so gering, dass man davon nicht unbedingt etwas mitbekommen würde.

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