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Louis Leßmann
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Hans Liedtke
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Bei einem Wahlkampfauftritt in Ingolstadt war es zu dem Vorfall gekommen: Der AfD-Parteivorsitzende Chrupalla fühlte sich unwohl und kam ins Krankenhaus. Was war passiert?

Einem Medienbericht zufolge liegen erste Details zur Krankenhaus-Diagnose von AfD-Parteichef Tino Chrupalla nach einem Vorfall in Bayern vor. Die Zeitung Junge Freiheit schreibt, dass in einem Entlassungsbrief des Klinikums Ingolstadt von einer „intramuskulären Injektion“ die Rede sei. In einem Dokument, dass Chrupallas Büro der dpa zur Verfügung gestellt hat, schreiben wohl die Ärzte von einer „Infektion mit unklarer Substanz“. Das toxikologische Screening im Krankenhaus verlief demnach negativ. Das Ergebnis der kriminaltechnischen Blutanalyse ist unauffällig. Das hat die dpa aus Ermittlerkreisen erfahren.

Auch ein „Nadelstich“ im rechten Oberarm wird in dem Schreiben beim Befund zur körperlichen Untersuchung des AfD-Chefs erwähnt. Die zuständige Staatsanwältin sagte, es sei aber noch unklar, ob es sich um einen frischen oder einen älteren Einstich handelt. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Donnerstag mitgeteilt, es lägen „keinerlei Erkenntnisse vor, dass Herr Chrupalla angegangen oder angegriffen wurde“.

Chrupalla im Krankenhaus behandelt – was ist passiert?

Am Mittwoch erschien Tino Chrupalla zu einer Wahlkampfveranstaltung der AfD in Ingolstadt – in Bayern sind am Sonntag Landtagswahlen. Noch vor seiner geplanten Rede wurde er aber in die Klinik gefahren. Zum Zeitpunkt seines geplanten Auftritts sei der 48-Jährige bereits hinter der Bühne medizinisch behandelt worden, wie die Polizei berichtet. Eine „offensichtliche Verletzung“ sei nicht erkennbar gewesen. Gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio erklärte Chrupallas Umfeld, der Politiker sei kollabiert und habe sich sehr unwohl gefühlt.

Chrupallas Büro teilte am Mittwochabend mit, dass der AfD-Chef auf der Intensivsation liege, aber ansprechbar sei. Am Donnerstagabend teilte die AfD in einer Pressemitteilung mit, dass Chrupalla die Klinik verlassen habe und sich in „weiterführende ärztliche Behandlung“ begeben werde.

Angriff auf Chrupalla? Das sagt die Staatsanwaltschaft

Eine Sprecherin der Anklagebehörde berichtete am Donnerstag, dass die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wegen Verdachts der Körperverletzung ermittelt. Das bedeute allerdings nicht, dass dadurch ein Angriff auf Chrupalla bestätigt ist. Vielmehr werde bei den Ermittlungen nun untersucht, ob es überhaupt einen Angriff gegeben hat.

Chrupalla: Unwohlsein nach Selfies mit AfD-Anhängern

Bekannt sei durch Zeugen lediglich, dass der AfD-Chef bei der Veranstaltung Selfies mit Anhängern der Partei gemacht habe, bei denen es auch zu Körperkontakt gekommen sei. Einen Angriff habe niemand beobachten können, wie die Ermittler berichten.

Kurze Zeit später habe Chrupalla dann Schmerzen am Oberarm verspürt und sich schlecht gefühlt. Bis auf Rötungen am Oberarm seien die Untersuchungen aber „unauffällig“ gewesen. Die Gerüchte, dass eine Spritze vor Ort gefunden worden sei, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht.

Alice Weidel: Auftritt wegen Sicherheitsbedenken abgesagt

Erst am Tag der deutschen Einheit hatte AfD-Politikerin Alice Weidel einen Wahlkampfauftritt in Mödlareuth (Bayern) abgesagt. Als Grund nannte Weidel eine Veranlassung des Bundeskriminalamts, das Haus wegen Sicherheitsbedenken nicht zu verlassen.

Die Polizei bestätigte einen „sicherheitsrelevanten Einsatz“ bei Weidels Haus in der Schweiz. Gegenüber Focus Online sagte ein Sprecher des Bundeskriminalamts aber auf Anfrage: „Die Absage der Teilnahme an der gestrigen Veranstaltung durch Alice Weidel geschah nicht auf Veranlassung oder Empfehlung des BKA.“ Weidel befindet sich laut einer Spiegel-Recherche aktuell auf Mallorca, wo sie in einem Restaurant gesehen wurde. Sie erhole sich dort von den Geschehnissen, berichtet ein AfD-Sprecher.

Sind Politiker öfter gefährdet?

Dass Politiker aller Parteien bedroht werden, sei nicht ungewöhnlich, wie SWR3-Hauptstadt-Korrespondent Chris Berdrow berichtet. Normalerweise werde darüber in Berlin aber nicht gesprochen – eine Ausnahme hätten die Pläne einer Entführung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach dargestellt.

Bei der AfD fällt jetzt so ein bisschen auf, wie sehr die Partei selbst dazu beiträgt, diese Fälle öffentlich zu machen und sie als mutmaßliche Angriffe darzustellen“, so Chris Berdrow. Der Verdacht stehe im Raum, dass dies Teil einer Strategie sei – die Partei inszeniere sich häufig als Opfer.

Im SWR3-Topthema geht es um AfD-Chef Tino Chrupalla und seine Parteikollegin Alice Weidel:

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