Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, hat ihren Rückzug angekündigt – wir zeigen die wichtigsten Stationen eines Politikerinnenlebens in Bildern.

Sie gehe mit schwerem Herzen, hat Malu Dreyer (SPD) am Mittwoch gesagt. Schwer ums Herz dürfte es auch vielen Menschen in Rheinland-Pfalz sein. Dabei hat Dreyer gerade nach der Ahrtal-Katastrophe auch viel Kritik einstecken müssen. Ihre Menschlichkeit hat sie jedoch zu einer Ausnahme-Politikerin gemacht. Ihre vielleicht wichtigsten Momente haben wir hier in einer Bildergalerie zusammengefasst:

Malu Dreyer im Jahr 2001 bei einem Interview
1997 wird die frühere Bürgermeisterin von Bad Kreuznach (1995 bis 1997) Sozial- und Jugenddezernentin in Mainz. 1990 hat sie ihr Jurastudium mit Prädikatsexamen abgeschlossen und war dann bis 1995 Staatsanwältin. Hier bei einem Interview in Mainz. Bild in Detailansicht öffnen
Malu Dreyer (links) und RLP-Ministerpräsident Kurt Beck schütteln sich die Hände und lächeln in die Kamera.
Fünf Jahre später, im März 2002, holt Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) Dreyer als Ministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit in sein Kabinett. Bild in Detailansicht öffnen
16. Januar 2013: Dreyer leistet ihren Amtseid als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.
16. Januar 2013: Dreyer leistet ihren Amtseid als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Im September zuvor ist Ministerpräsident Kurt Beck zurückgetreten. Grund: die Affäre um die gescheiterte Privatfinanzierung der Freizeit- und Tourismusanlagen auf dem Nürburgring. Bild in Detailansicht öffnen
Malu Dreyer sitzt in einem Rollstuhl und unterhält sich mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig, der vor ihr kniet.
Schon Mitte der 90er Jahre wurde bei Dreyer die Nervenerkrankung Multiple Sklerose diagnostiziert. Auch wenn kaum jemand über ihre Krankheit spricht, macht sie selbst daraus kein Geheimnis: Bei vielen Auftritten wird sie von Helfern gestützt oder erscheint im Rollstuhl. Hier sieht man sie 2016 mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD). Bild in Detailansicht öffnen
Dreyer küsst im Juni 2024 ihren Ehemann, den früheren Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD).
Dreyer im Juni 2024 mit ihrem Ehemann, dem früheren Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD). Die beiden sind seit 20 Jahren verheiratet. Auf ihrer Homepage nennt Dreyer den Tag der Vermählung den „schönsten ihres Lebens“. Bild in Detailansicht öffnen
Juli 2021: Untergehakt bei der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel läuft Dreyer durch das vom Hochwasser verwüstete Dorf Schuld bei Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Im Juli 2021 beim Gang durch das vom Hochwasser verwüstete Dorf Schuld bei Bad Neuenahr-Ahrweiler: Dreyer stützt sich auf die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und einen Leibwächter. Sie sagt später, die Flutkatastrophe, bei der in Rheinland-Pfalz 135 Menschen sterben, habe sie „bis ins Innerste“ getroffen. Bild in Detailansicht öffnen
Dreyer fährt in einem Elektrorollstuhl durch ein zerstörtes Dorf im Ahrtal. An einer Wand sieht man ein Graffito im Stil des Sängers Udo Lindenberg. Darunter steht „König von Scheißegalien“.
Dreyer erhält später viel Kritik für den Umgang mit der Ahrtal-Katastrophe. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wird eingesetzt, um zu untersuchen, wer dafür verantwortlich ist. Auch Dreyer (hier bei einem Ortstermin im November 2022) wird als Zeugin angehört. Die damalige rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) und der damalige Innenminister Roger Lewentz (SPD) treten zurück. Rücktrittsforderungen der CDU und AfD an Dreyer verhallen. Bild in Detailansicht öffnen
19. Juni 2024: Dreyer hat ihren Rücktritt angekündigt und geht am Arm ihres Nachfolgers Alexander Schweitzer durch eine Gruppe von Fotografen.
19. Juni 2024: Dreyer hat ihren Rücktritt angekündigt und zeigt sich gemeinsam mit ihrem Nachfolger Alexander Schweitzer. Von fast allen Seiten erntet sie Respekt, auch wenn die CDU vom Ende der „Stillstandspolitik“ spricht. Nur die AfD betont in ihrer Reaktion ausschließlich ihr vermeintliches Versagen nach dem Hochwasser. Bild in Detailansicht öffnen

Dreyers Rücktritt: „Akkus laden sich nicht mehr so schnell auf“

Die Ankündigung kam wie ein Paukenschlag: Sie hoffe, man habe sie als Ministerpräsidentin erlebt, die ihr Amt mit großer Leidenschaft ausgeübt habe, hatte Dreyer bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag gesagt. Die Begegnung mit Menschen habe ihr immer sehr, sehr viel Kraft gegeben im Amt.

Trotz aller Kraft-Spritzen aus dem Job: Sie habe für sich feststellen müssen, dass diese Kraft endlich sei, begründete Dreyer am Mittwoch ihre Rücktrittspläne. Mit 63 Jahren merke sie, dass vieles nicht mehr so leicht sei wie mit 50. Sie müsse jetzt mehr Energie aufwenden als zuvor. Die Akkus würden sich nicht mehr so schnell aufladen.

Ich gehe also mit schwerem Herzen, weil ich nicht amtsmüde bin. Ich gehe mit schwerem Herzen, weil ich mir eingestehen muss, dass meine Kraft nicht mehr ausreicht, um dem Anspruch, den Bürgerinnen und Bürger an mich stellen können, gerecht zu werden.

Sie wolle aber auch sagen: „Ich gehe in großer Dankbarkeit.“ Sie brenne nach wie vor für ihr Amt, es sei ihr sehr schwergefallen zu sagen: „Ich schaffe es nicht mehr.

Malu #Dreyer erklärt die Gründe für ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz @rlpNews: Die Entscheidung sei ihr schwer gefallen. Sie müsse sehr viel Kraft aufwenden, um ihren Ansprüchen an das Amt gerecht zu werden, die Energie von früher fehle ihr. @spdrlp pic.twitter.com/n7xraYl2pu

Ihre Regierungsarbeit sei von vielen Krisen in den vergangenen Jahren geprägt worden: die Flüchtlings-Bewegung, Coronavirus-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Krieges. Die Ahrtalflut, die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes, sei auch für sie persönlich eine „schmerzhafte Zäsur“ gewesen, die ihr Leben in eine Zeit davor und danach geteilt habe.

Die Europawahl habe „gar keine Rolle“ bei ihrer Entscheidung gespielt, sagte Dreyer auf Nachfrage von Journalisten. Nach ihrer Amtszeit wolle sie sich erst einmal entspannen: „Ich werde einfach nichts tun.

Einen Mitschnitt der kompletten Pressekonferenz kannst du dir hier anschauen:

Video herunterladen (1430,3 MB | MP4)

Malu Dreyer seit 2013 RLP-Regierungschefin

Die SPD-Politikerin ist seit 2013 Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und die erste Frau, die das Land regierte. Sie folgte im Januar 2013 auf Kurt Beck (SPD). Aktuell führt die 63-Jährige eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP an.

Seit Jahrzehnten leidet sie an Multipler Sklerose und hat ihre Erkrankung 2006 öffentlich gemacht. Bei Terminen war sie oft mit Gehhilfe oder im Rollstuhl zu sehen. „Die Kraft geht zu Ende, und dieses Land hat es verdient, dass jemand mit ganz viel Kraft dieses Amt übernimmt“, sagte sie bei der Pressekonferenz zu ihrem Rücktritt.

Logo SWR3

Nachrichten Dreyer tritt zurück

Dauer

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will sich von ihrem Amt zurückziehen. Sozialminister Schweitzer soll ihr nachfolgen. Christoph Buttkereit:

Dreyer habe für ihren Rücktritt nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Uwe Jun einen guten Zeitpunkt gewählt. Knapp zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz sei ideal, damit ihr Nachfolger genug Zeit habe, sich in das Amt einzuführen, sagte Jun am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Dreyer-Nachfolger: Alexander Schweitzer

Auf Dreyer soll der bisherige Sozial- und Transformationsminister Alexander Schweitzer (SPD) folgen. Die rheinland-pfälzische SPD-Fraktion habe sich einstimmig für ihn entschieden, sagte Dreyer. Sie sei sich sicher, ihr Amt in die besten Hände zu geben. Schweitzer sei der richtige Mann in diesem Moment. Vor elf Jahren hatte Dreyer schon einmal ein Amt an ihn übergeben, als sie von der Arbeitsministerin zur Ministerpräsidentin wurde.

Die Wahl für ihn wird am 10. Juli im Mainzer Landtag stattfinden. Schweitzer soll so schon vor der turnusmäßigen Neuwahl im Frühjahr 2026 als Ministerpräsident beweisen können und so einen Amtsbonus bei der Wahl haben.

Es sind sehr große Fußstapfen, in die ich trete“, sagte Schweitzer bei der Pressekonferenz – nicht ohne ein Grinsen. Denn der designierte Nachfolger fällt mit seinen über zwei Metern Körpergröße auf, vor allem neben Dreyer. Er strebe auch nach der Landtagswahl im Jahr 2026 eine Regierungskoalition mit den Grünen und der FDP an, sagte der SPD-Politiker. Das Bündnis habe einen guten Koalitionsvertrag.

Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, und ihr designierter Nachfolger Alexander Schweitzer (SPD), bisheriger Minister für Arbeit und Soziales, Transformation und Digitalisierung, stehen neben Flaggen von EU, Deutschland und Rheinland-Pfalz
RLP-Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit ihrem designierten Nachfolger Alexander Schweitzer

Mehr Informationen bei unseren Kollege von SWR Aktuell:

Rheinland-Pfalz

Pressekonferenz von SPD-Regierungschefin RLP-Ministerpräsidentin Malu Dreyer begründet Rücktritt: "Die Kraft geht aus"

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) will sich von ihrem Amt zurückziehen. Sozialminister Schweitzer soll ihr nachfolgen.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

Lewentz gibt Vorsitz der SPD Rheinland-Pfalz ab

Neben Dreyer will offenbar auch der SPD-Landeschef von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, sein Amt aufgeben. Ihm nachfolgen wird die bisherige Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Der SWR ist der Südwestrundfunk. Er ist öffentlich-rechtlich und gehört mit anderen Sendern (wie zum Beispiel WDR und BR) zusammen zur ARD. Dort arbeiten Journalisten, die zu aktuellen Themen direkt mit Betroffenen sprechen und bei Behörden und Unternehmen kritisch nachfragen. Der SWR wird durch den Rundfunkbeitrag finanziert und arbeitet unabhängig von Werbung und Politik.

Der Evangelische Pressedienst (epd) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AFP, AP und SID.

Die AFP (Agence France-Presse) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AP und SID.

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Meistgelesen

  1. Baden-Baden

    Vom 12. bis 14. September Bereit fürs SWR3 New Pop Festival 2024? Jetzt Tickets sichern! 🤩

    Beim SWR3 New Pop Festival spielen die besten Newcomer und ihr seht die spannendsten neuen Popstars. Erfahrt hier, wer diesmal auftritt!