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Malte Dedecek
Malte Dedecek (Foto: SWR3)

Muss es immer die teure Vertragswerkstatt mit Original-Ersatzteil sein oder ist eine freie Werkstatt mit günstigeren Ersatzteilen genauso gut? Wann sich eine Alternative zum Originalteil lohnen kann und worauf ihr achten solltet, hat Malte Dedecek aus dem SWR3-Verkehrszentrum für SWR3 Das Magazin zusammengefasst.

Ölfilter, Zahnriemen, Lichtmaschine: Im Laufe der Jahre kann ein Auto für hohe Werkstattkosten sorgen. Dazu kommt, dass die Ersatzteile von Jahr zu Jahr teurer werden. Da lohnt sich ein Vergleich zwischen Vertrags- und freier Werkstatt.

Wann ist eine freie Werkstatt ideal?

Gerade bei älteren Autos und einfachen Standard-Reparaturen sind freie Werkstätten und günstigere Ersatzteile eine gute Alternative. Bei Lichtmaschinen, Anlassern oder Wasserpumpen ist der Preisunterschied mit rund einem Drittel deutlich niedriger. Bei der Garantie auf die Arbeiten besteht kein Unterschied.

Es gibt jedoch auch Einschränkungen: Modellspezifische Arbeiten sollten in der Vertragswerkstatt durchgeführt werden, es sei denn, die freie Werkstatt hat sich auf die Automarke spezialisiert. Bei Leasingfahrzeugen können Vertragswerkstätten vorgeschrieben sein und bei Neuwagen sollte in der Garantiezeit auch eher die Vertragswerkstatt besucht werden.

Originalteile, Identteile, Nachbauteile – was ist der Unterschied?

Das Auto-Ersatzteilgeschäft ist ein großer, hart umkämpfter Markt. Kein Wunder, die Automobilhersteller verdienen sehr gut an den Komponenten. Pro Jahr werden damit rund 20 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Bei den Ersatzteilen gibt es drei verschiedene Abstufungen. Es gibt die Originalteile, oft von Zulieferfirmen im Auftrag der Autobauer produziert und mit dem Logo des Autobauers versehen. Die Identteile sind, wie es der Name schon sagt, baugleich mit den Originalteilen. Sie werden von den Zulieferfirmen genauso wie die Originalteile produziert und nur nicht mit dem Autobauerlogo versehen. Und dann gibt es noch Nachbauteile von Drittherstellern, die also nicht direkt für die Autohersteller fertigen.

Generell müssen alle Ersatzteile die gleichen Anforderungen erfüllen und Tests bestehen. Wenn ihr euch sicher sein wollt, dann lasst ihr bekannte Markenprodukte einbauen.

Vorsicht vor Ersatzteil-Fälschungen!

Gefährlich wird es nur, wenn die Ersatzteile billig produzierte Fälschungen sind. Das kann besonders bei wichtigen Bauteilen wie Bremsen schlimm enden. Skeptisch solltet ihr werden, wenn der Preis für das Ersatzteil viel niedriger als bei anderen Anbietern ist. Noch größere Vorsicht ist geboten, wenn der Anbieter kein etablierter Ersatzteillieferant aus Deutschland ist, ihr noch nie etwas davon gehört und im Internet gefunden habt.

Das Ersatzteil sollte originalverpackt und versiegelt geliefert werden. Viele Hersteller schützen ihre Produkte vor Plagiaten mit Hologrammen, QR-Codes oder beiliegenden Fälschungsschutzkarten. Außerdem muss je nach Ersatzteil eine Teilegenehmigung beiliegen.

Autoteile besser nicht selbst bestellen

Es gibt gleich mehrere gute Gründe, das Ersatzteil über die Werkstatt bestellen zu lassen, auch wenn die Suche nach passenden Teilen in den Onlineshops durch Teilenummer oder Schlüsselnummer mittlerweile selbst für Laien kein großes Problem mehr ist. Wenn ihr selbst bestellt, muss eine Werkstatt erst akzeptieren, dass sie das Ersatzteil nur einbaut und wird dafür einen höheren Stundensatz berechnen, damit es sich überhaupt lohnt. Ist das Teil defekt oder passt doch nicht, müsst ihr das Teil ausbauen lassen, umtauschen und einen weiteren Termin ausmachen. Auch wenn theoretisch der Händler je nach Situation für einen Teil der Kosten aufkommen müsste, ist es eine komplizierte und teurere Lösung.

Werkstätten haben ihre festen Lieferquellen – die Gefahr, eine Fälschung zu kaufen ist hier ziemlich ausgeschlossen. Und letztendlich sind wir Laien – nur weil das Ersatzteil passt, ist es vielleicht auch nicht optimal für euer Auto, hier kennen sich die Werkstätten viel besser aus und es macht absolut Sinn, die Wahl des Ersatzteils den Profis zu überlassen.

So findet ihr eine gute Werkstatt

Wie gut eine Werkstatt arbeitet, ist nicht so leicht zu beurteilen. Verbrauchertests sind nicht unbedingt verfügbar oder aussagekräftig. Auf Folgendes könnt ihr aber achten, wenn ihr eine gute Werkstatt finden wollt:

  • Die Werkstatt sollte ein Innungsbetrieb sein. Das erkennt ihr an einem blau-weißen Siegel mit der Aufschrift Musterbetrieb der Kfz-Innung. Bei diesen Betrieben könnt ihr Streitigkeiten über eine Schlichtungsstelle klären. Das Ergebnis ist für den Betrieb bindend.
  • Die Werkstatt sollte sauber sein. Wer schon nicht aufräumt, arbeitet wahrscheinlich auch nicht ordentlich.
  • Die Kommunikation muss stimmen: Es sollte alles gut erklärt und auf Nachfragen eingegangen werden.
  • Die Werkstatt sollte kein Problem damit haben, einen verbindlichen, schriftlichen Kostenvoranschlag zu machen. Sollte die Reparatur teurer werden, muss die Werkstatt dies mit dem Kunden abstimmen.
  • Generell gilt bei jeder Werkstatt: Gebt genau definierte Aufträge. Wer pauschal sagt, dass das Auto „TÜV-fertig“ gemacht werden soll, darf sich über die Rechnung nicht wundern. Besser gemeinsam besichtigen und dann den möglichen Auftrag besprechen.

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