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AUTOR/IN
Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
REDAKTEUR/IN
Ökochecker

Kann man heute noch guten Gewissens einen Weihnachtsbaum kaufen? Wäre ein Baum aus Plastik nicht nachhaltiger und umweltfreundlicher? Wir machen den Öko-Check!

Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume wurden allein 2019 in Deutschland verkauft. Gefällt, damit sie ein paar Wochen bei uns im Wohnzimmer stehen und dann weggeworfen werden. Und zuvor muss so eine klassische Nordmannstanne erst mal acht bis zehn Jahre wachsen.

30 Millionen Bäume sind auch so viel, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zur Aufforstung gegen den Klimawandel in seinem Bundesland anpflanzen will. Innerhalb der nächsten fünf Jahre, wohlgemerkt.

Auf der einen Seite reden also alle über Aufforstung, aber an Weihnachten holzen wir innerhalb kürzester Zeit Millionen von Bäumen ab?! Viele sind sich mittlerweile dieser Problematik bewusst und stellen sich die Frage, welche Alternativen es gibt.

Woher kommen unsere Weihnachtsbäume?

90 Prozent unserer Weihnachtsbäume stammen aus sogenannten waldähnlichen Intensiv-Plantagen – also einer konventionellen Christbaumplantage. Die Bäume wachsen dort dicht an dicht, ganz ordentlich aufgereiht. Und damit die Nadeln schön grün leuchten und ohne Schäden durch Insekten in unserem Wohnzimmer landen, werden reichlich Pestizide gespritzt und chemisch gedüngt. Das geht natürlich alles auf Kosten von Natur und Umwelt. Die wichtigste Anbauregion in Deutschland ist das Sauerland. Jeder dritte Weihnachtsbaum stammt von dort.

Zukünftige Weihnachtsbäume stehen auf einer Plantage im Sauerland. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)
Zukünftige Weihnachtsbäume stehen auf einer Plantage im Sauerland. picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

Ist ein Weihnachtsbaum aus Plastik die bessere Alternative?

Anstatt einer echten Nordmannstanne kann man natürlich auch einen Weihnachtsbaum aus Plastik kaufen. Unsere Kollegin Katharina Röben von SWR Marktcheck hat sich zwei Weihnachtsbäume aus Plastik bestellt. Einen für knapp 65 Euro und einen für rund 39 Euro. Der 65-Euro-Baum sieht sogar erstaunlich echt aus. Bei der billigeren Variante brechen aber schon beim Auspacken die ersten Zweige ab. Aber ein großes Problem bleibt: Vier von fünf Plastikbäume werden in China hergestellt. Geschätzt sorgt jede Plastiktonne für rund 40 Kilo an CO2-Emissionen. Dazu kommt, dass für die Plastikherstellung fossile Rohstoffe wie Erdöl und Kohle genutzt werden. Außerdem sind sie häufig aus PVC gefertigt, für das Chlorgas benötigt wird. Und Chlorgas ist in der Herstellung energieintensiv und giftig. Nicht zu vergessen: der Transportweg. Denn es sind es ja auch ein paar Kilometer von China ins heimische Wohnzimmer.

Wie schlägt sich die echte Nordmannstanne gegen den Plastik-Weihnachtsbaum?

Rudolf Fenner von der Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt Robin Wood zieht ein klares Fazit: Aus ökologischer Sicht ist die echte Tanne deutlich besser als der Plastikbaum. Fenner zitiert eine Studie aus Kanada, nachdem man einen Plastikbaum mehr als 20 Jahre nutzen müsste. Erst dann ist die Ökobilanz besser, anstatt sich jedes Jahr einen neuen Baum ins Zimmer zu stellen. Andere Studien sagen, dass es bis zu zehn Jahren dauert.

Während bei der Herstellung eines Plastikbaums CO2 ausgestoßen wird, nimmt ein echter Baum solange er wächst CO2 aus der Luft auf. Und auch beim Thema Entsorgung schneidet der Plastikbaum schlecht ab. Denn er wandert irgendwann in den Restmüll und wird verbrannt. Ein Großteil der echten Tannen hingegen wandert auf eine Grüngutanlage. Dort werden sie geschreddert und zu Kompost verarbeitet. Ein kleinerer Teil wird zu Hackschnitzel oder kommt in eine Biogasanlage.

Während Plastik-Weihnachtsbäume im Restmüll landen, kann aus echten Tannenbäumen Kompost oder wie hier Hackschnitzel zum Heitzen hergestellt werden. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Armin Weigel)
Während Plastik-Weihnachtsbäume im Restmüll landen, kann aus echten Tannenbäumen Kompost oder wie hier Hackschnitzel zum Heitzen hergestellt werden. picture alliance/dpa | Armin Weigel

Bio-Weihnachtsbäume haben eine noch bessere Umweltbilanz

Es geht aber noch eine Spur besser: Und zwar mit einem Bio-Weihnachtsbaum. Die erkennt man an den Öko-Siegeln wie beispielsweise Bioland, Demeter, Naturland, dem EU-Biosiegel oder das FSC-Zertifikat. Hier werden keine chemischen Dünger und Spritzmittel verwendet, was gut für die Artenvielfalt ist und die Böden schont. Der Anteil in Deutschland ist mit rund einem Prozent aber recht gering. Eine Übersicht an Verkaufsstellen solcher ökologischer Weihnachtsbäume gib es hier.

Noch eine Alternative: der Weihnachtsbaum im Topf

Auch Leihbäume sind eine umweltfreundliche Möglichkeit. Vorausgesetzt es gibt einen Anbieter in der Nähe. Der bringt den Weihnachtsbaum dann im Topf vorbei und holt ihn nach den Festtagen auch wieder ab. Diese Leihbäume werden oft mehrere Jahre lang vermietet.

Auch eine ökologische Lösung: Lebendige Weihnachtsbäume im Topf ausleihen und ins Wohnzimmer stellen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das Düsseldorfer Start-up „Happy Tree“ vermietet seit 2015 lebendige Weihnachtsbäume im Topf. Picture Alliance

Wenn man selbst den Baum mehrere Jahre hintereinander nutzen möchte, sind Bäume im Topf auch aus Umweltsicht sinnvoll. Aber man muss schon aufpassen, dass der Baum dann einen ausreichend großen Wurzelstock im Topf hat. Denn wenn beim Eintopfen zu viele Wurzeln einfach weggeschnitten worden sind, hat der Baum auf lange Sicht keine Chance, im Topf oder im Garten zu überleben. Außerdem überlebt der Baum im Topf nicht immer den Temperaturwechsel zwischen draußen und drinnen.

Fazit: Was für einen Weihnachtsbaum soll ich kaufen?

  • Ein echter Baum hat fast immer eine bessere Ökobilanz als ein Baum aus Plastik. Erst nach vielen Jahren Nutzungsdauer des Plastikbaums wendet sich das Blatt.
  • Möglichst regional kaufen, um lange Transportwege zu vermeiden.
  • Ein Weihnachtsbaum mit Bio-Siegel hat nochmals eine bessere Umweltbilanz als ein Baum von einer konventionellen Plantage.
  • Ein Weihnachtsbaum im Topf zum Leihen kann eine gute Alternative sein, vorausgesetzt, es gibt einen Anbieter in der Nähe.

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