STAND
AUTOR/IN
Lea Kerpacs
Lea Kerpacs (Foto: SWR3)
Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)
Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3)
Jutta Kaiser
Werner Eckert
INTERVIEW
Kevin Frisch

Während wir gerade den Schlag der hohen Nebenkostenabrechnung für das vergangene Jahr verdauen, schwebt für Oktober schon der nächste Hammer in der Luft.

Wird die Gasumlage gekippt? Bundesregierung diskutiert

Viele Fragen stellen sich die Regierung und Opposition in der letzten Zeit: Von der Gerechtigkeitsfrage über die wirtschaftliche Sinnfrage bis hin zur Rechtsfrage scheint bei der Gasumlage doch nicht mehr so viel sicher, wie das vor einigen Wochen noch klang. Seit sie im August vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, scheinen einigen ehemaligen Befürwortern Zweifel gekommen zu sein und die werden stark diskutiert. SPD-Chefin Saskia Esken ist sich sicher: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir diese Woche zum Ende der Gasumlage kommen“.


Gaskrise: Was ist das Problem und wer ist betroffen?

Ankündigung der Gasumlage: Kritik von Verbraucherzentrale

Es wird teurer. „Es“, das ist Strom, das ist Benzin, das ist Diesel – und eben auch Gas. Einer von mehreren Gründen dafür ist die Gasumlage, die die Bundesregierung im August angekündigt hat. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sah keine mögliche Alternative zur Gasumlage:

Diese Umlage ist die gerecht-möglichste Form, die zusätzlich aufgelaufenen Kosten in der Bevölkerung zu verteilen und zu tragen. Die Alternative ist nicht keine Umlage. Die Alternative wäre der Zusammenbruch des deutschen Energiemarktes gewesen.

Die Verbraucherzentrale warnte vor einer zu schnellen Einführung. Zu viele Aspekte seien noch ungeklärt und würden zur Verunsicherung bei den Verbrauchern führen und viele vor finanzielle Probleme stellen:

Die Bundesregierung [muss] zeitgleich mit der Umlage ein Hilfspaket auf den Weg bringen, um zielgerichtet die Verbraucher:innen zu unterstützen, die heute schon finanziell an der Grenze ihrer Belastbarkeit sind.

Rechtsfrage: Ist die Gasumlage mit der Verstaatlichung von Uniper hinfällig?

Die Gasumlage sollte ab Oktober das ausgleichen, was Gasimporteure wegen der gestiegenen Kosten draufzahlen müssen. Einer der wichtigsten Unternehmen, Uniper, wurde inzwischen aber verstaatlicht, um es vor der Insolvenz zu schützen. Fällt die „helfende Gasumlage“ damit weg?

Das Ressort um Wirtschaftsminister Robert Habeck wies darauf hin, dass es zu finanzverfassungsrechtlichen Problemen kommen könnte, wenn die Hauptprofiteure der Gasumlage staatlich sind. Diese Bedenken wies Finanzminister Christian Lindner (FDP) zurück – er sehe eher wirtschaftliche Sinnfragen.

Wirtschaftliche Sinnfrage: Hoher Gaspreis, um ihn dann zu deckeln?

Lindner sieht die rechtlichen Fragen in den rechtlichen Prüfverfahren im August als geklärt. Für ihn ist die Vereinbarkeit mit anderen wichtigen Maßnahmen der Knackpunkt. Wem sollte in welchem Umfang geholfen werden? Die Gasumlage soll Gasimporteure unterstützen, Verbraucher brauchen seines Erachtens aber auch Hilfe mit den hohen Gaspreisen:

Es stellt sich mir bei der Gasumlage weniger die Rechtsfrage, sondern immer mehr die wirtschaftliche Sinnfrage. [...] Wir haben eine Gasumlage, die den Preis erhöht. Aber wir brauchen eine Gaspreisbremse, die den Preis senkt.

Liveblog: Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen Chef der Bundesnetzagentur: Gasverbrauch ist zu hoch

Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.  mehr...

Gerechtigkeitsfrage: Ist eine Gaspreisbremse fair?

Bis Hilfen der Bundesregierung für Haushalte, Handwerk, Sportvereine oder Kultur stehen würden, vergehe noch Zeit, so Lindner. Deshalb brauche es eine schnelle Unterstützung bei den hohen Gaspreisen: „Eine Gaspreisbremse muss allen Menschen in einer Volkswirtschaft schnell helfen.

Über die soziale Gerechtigkeit der Gaspreisbremse hat SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich im ARD-Morgenmagazin gesprochen. Für Menschen, die beispielsweise mit Öl heizen, wird es teuer, wenn es dort nicht vergleichbare Entlastungen gibt: „In der Tat, es stellt sich die Gerechtigkeitsfrage“, so Mützenich. Bundeskanzler Olaf Scholz setzt auch an dieser Stelle an: Es gehe jetzt darum, „wie wir die viel zu hohen Preise reduzieren können, und zwar sowohl diejenigen für Strom als auch diejenigen für Gas“. Seit Samstag arbeite eine entsprechende Kommission an Vorschlägen.
Wäre die Gasumlage gerechter? Viele Unternehmen sind auf Gas angewiesen. Diesen Verbrauch tragen die Verbraucher mit der Umlage mit. Mehr dazu hier.

Wann eine Einigung im Durcheinander von Gasumlage, Gaspreisbremse und anderen Unterstützungen erzielt werden kann, ist noch nicht abzusehen. Obwohl die Gasumlage schon in der kommenden Woche in Kraft treten soll, könnte sich eine Entscheidung noch ziehen: „Die Gasumlage, die zum ersten Oktober in Kraft treten wird, ist ja erst fällig zum 31.10.“, erklärt Mützenich. „Von daher glaube ich, haben wir in den nächsten Tagen auf jeden Fall genug Diskussionsstoff.“ Es ist also durchaus möglich, dass Verbraucher zu Beginn des Monats nicht wissen, ob sie am Monatsende gestiegene Kosten haben, oder nicht.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

SWR3 NOW Stand der Dinge: Entlastungen und Gaspreisbremse

Dauer

Wird die Gasumlage an die Verbraucher weitergegeben?

Das kommt auf den jeweiligen Gasanbieter an. RWE und Shell haben recht früh angekündigt, auf die Weitergabe zu verzichten; sie würden die Mehrkosten selbst tragen. Von EnBW hört man eher das Gegenteil: Eine Tochtergesellschaft habe direkte Bezugsverträge aus Russland und das mache sich auch in den Zahlen bemerkbar. Für Verbraucher bedeutet das, nochmal genauer in den eigenen Gasvertrag zu schauen. Der Anbieter und die Vertragslaufzeit können jetzt interessant werden.

Karlsruhe

Erneuerbare Energien mit großem Plus EnBW will Gasumlage wohl weitergeben

Der baden-württembergische Energieversorger EnBW musste im ersten Halbjahr mehr Geld für Strom und Gas und den Betrieb von Reservekraftwerken ausgeben. Gewinn macht er trotzdem.  mehr...

SWR Aktuell am Vormittag SWR Aktuell

Zocken uns die Vermieter jetzt schon mit der Nebenkostenabrechnung ab?

Da flattert die Nebenkostenabrechnung für 2021 ins Haus und der Vermieter verlangt plötzlich 50, 60 oder 80 Euro mehr. Der Grund: Energie wird wegen Inflation, hohem Gaspreis und nun auch der Gasumlage teurer. Aber darf ein Vermieter denn überhaupt so einfach die Nebenkosten erhöhen? Und wenn ja, wie viel?

Theoretisch könne ein Vermieter jederzeit die Nebenkosten erhöhen, wenn der Mieter zustimmt, erklärt Melanie Weber-Moritz. Sie ist Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbunds, der sich für die Rechte von Mietern einsetzt. Allerdings, schränkt sie ein, darf das nicht einfach grundlos passieren. Es brauche einen konkreten Anlass und auch die Höhe der Erhöhung müsse angemessen sein.

Heizkosten: Wie viel dürfen die Vermieter bei der Nebenkostenabrechnung aufschlagen?

Konkrete Richtwerte, wie viel allerdings „angemessen“ bedeutet, gäbe es nicht, sagt Weber-Moritz. Ihrer Meinung nach sollte man sehr hellhörig werden, wenn sich die Nebenkosten mehr als verdoppeln. Sie berichtet von Fällen, mit geplanten Erhöhungen von 500 Prozent, was natürlich jenseits von „angemessen“ liegt. Weber-Moritz empfiehlt im Zweifelsfall den örtlichen Mietverein alles überprüfen zu lassen. Und auch das Gespräch mit dem Vermieter könne man natürlich suchen. Beispielsweise um auf einen eventuell günstigeren Gasanbieter hinzuweisen.

Doch mit wie viel müssen wir konkret rechnen? „Wir gehen schon davon aus, dass es mindestens eine Verdoppelung, gegebenenfalls auch eine Verdreifachung der Heizkosten geben kann“, sagt Weber-Moritz. Das einzige was dagegen helfe ist, was viele Verbraucher schon tun: Energie sparen.

Rechenbeispiel zum Gasverbrauch: Welche Mehrkosten kommen im Fall der Gasumlage auf uns zu?

Im SWR3-Topthema hat SWR3-Berlin-Korrespondentin Ulrike Römer mal durchgerechnet, welche Mehrkosten durch die Gasumlage auf uns zukommen werden:

  • Ein Single-Haushalt verbraucht durchschnittlich 5.000 Kilowattstunden pro Jahr. Zusätzlich zu den bisherigen Kosten kommen dann nochmal 120 Euro oben drauf.
  • Bei einer vierköpfigen Familie wird ein durchschnittlicher Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr angenommen. Sie müsste dann über 480 Euro mehr bezahlen als bisher.

Außerdem wird die Umlage alle drei Monate neu berechnet und dem Markt dabei angepasst. Sollte in den kommenden Monaten also noch weniger Gas aus Russland kommen, könnte die Umlage weiter steigen. Andererseits besteht so auch die Chance auf eine niedrigere Umlage, sobald der Gasmarkt wieder entspannter ist. Auch wenn die Umlage wieder sinken sollte, erhalten Verbraucher kein Geld zurück.

Wegen der hohen Kosten sind viele schon seit Wochen auf der Suche nach Alternativen – beispielsweise Heizlüftern. Wer schon gar keinen mehr erwischt hat, muss sich aber nicht ärgern: Finanziell lohne sich das Ganze nicht. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, auch für Mieter, bei den Nebenkosten zu sparen. Viele Tipps haben wir hier zusammengestellt:

Mieter und Eigentümer aufgepasst So könnt ihr bei den Heizkosten sparen!

Heizung an, aber bitte sparsam – für die Umwelt und vor allem auch für den eigenen Geldbeutel. Mit diesen Tipps kann jeder sofort Heizkosten sparen, ohne das ganze Haus dafür umbauen zu müssen.  mehr...

Wie gerecht ist die Gasumlage?

Viele Gaskunden sind sauer! Zwölf Energieversorger haben die Erstattung ihre Mehrkosten beantragt. Insgesamt 34 Milliarden Euro werden dadurch auf die Gaskunden verteilt. Viele Verbraucher tragen also die Schulden von wenigen Unternehmen. Ist das gerecht?

Wer gar nicht mit Gas heizt, bleibt hingegen unangetastet. Auch Flüssiggas- und Fernwärme-Kunden zahlen die Gasumlage nicht. Dabei haben besonders Mieter wenig Einfluss darauf, womit geheizt wird.

Ist das alles gerecht? Welche Alternativen hätte es gegeben? Wie könnte man die Gasumlage fairer machen? Mit diesen Fragen sowie euren Ideen und Meinungen beschäftigt sich die neue Folge vom ARD-Podcast „Energiekrise – und jetzt?“.

ARD Podcast: Energiekrise - und jetzt? (Foto: ard-foto s1)

Wie gerecht ist die Gasumlage? (04)

Dauer

Welche Hilfen gibt es vom Staat?

Die bisherigen staatlichen Hilfen für die Verbraucher seit Beginn des Ukraine-Kriegs summieren sich laut Bundeskanzler Olaf Scholz auf 30 Milliarden Euro. Verbraucher und Firmen zahlen seit Juli keine EEG-Umlage mehr über die Stromrechnung. Den deutlichen Anstieg der Strompreise gleicht das zwar nicht aus. Doch es profitiert jeder, der Strom bezahlt.

Entlastung bei den Gaspreisen

Am 18.08.2022 hat die Bundesregierung veröffentlicht, die Mehrwertsteuer während der Laufzeit der Gasumlage von 19 auf 7 Prozent senken zu wollen. Dazu sagte Bundeskanzler Olaf Scholz: „Mit diesem Schritt entlasten wir die Gaskunden insgesamt deutlich stärker als die Mehrbelastung, die durch die Gasumlage entsteht.

Einmalzahlungen und Unterstützung des Staates bislang

Fast jeder, der in Deutschland arbeitet, bekommt im September einmalig mit der Lohnzahlung 300 Euro, um die hohen Preise für die Energiekosten abzufedern. Das Geld wird mit dem Gehalt ausgezahlt, dementsprechend zahlt man darauf auch Steuern. Letztlich bekommen Bürger mit hohen Einkommen dadurch weniger als diejenigen mit wenig Geld. Alle Menschen in Deutschland ohne Job – also besonders Rentner und viele Studierende – gehen hier leer aus.  

Das Kindergeld wird einmalig um 100 Euro pro Kind aufgestockt. Das Geld sollte schon auf dem Konto sein, da es kurz nach dem Juli-Kindergeld ausgezahlt wurde. Der Bonus wird bei Sozialleistungen nicht als Einkommen angerechnet, dadurch profitieren auch Bezieher von SGB-II-Leistungen.

Tankrabatt als Hilfe vom Staat

Von Juni bis August wurde die Energiesteuer auf Sprit auf die europäischen Mindestsätze gesenkt. Für Benzin reduzierte sich der Steuersatz um 29,6 Cent pro Liter, für Diesel um 14,0 Cent pro Liter. Laut Studien wurde das weitgehend an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben.

9-Euro-Ticket für Bahnreisende

Für die gleichen drei Monate konnten die Bundesbürger Bahntickets für 9 Euro im Monat kaufen. Diese können in allen Nahverkehrszügen bundesweit genutzt werden - für den Weg zur Arbeit, genauso wie in den Urlaub oder für den Wochenendtrip.

Steuerliche Entlastungen

Rückwirkend zum 1. Januar gibt es steuerliche Entlastungen:

  • Der Grundfreibetrag, bis zu dem man keine Einkommensteuer zahlen muss, steigt auf 10.347 Euro.
  • Die Werbungskostenpauschale steigt auf 1.200 Euro.
  • Fernpendler können außerdem pro Kilometer drei Cent mehr Pendlerpauschale anrechnen.

Diese Entlastungen werden erst nach der Steuererklärung für dieses Jahr für die Bürger spürbar.

Weitere Entlastungen vom Staat

Erwachsene, die Hartz IV oder Arbeitslosengeld II bekommen, müssten im Juli eine Einmalzahlung von 200 Euro erhalten haben – als Zuschuss wegen gestiegener Preise. Wer Arbeitslosengeld I erhält, bekam 100 Euro.

Zuschuss zu Heizkosten

Außerdem wurde der staatliche Zuschuss zu den Heizkosten für Geringverdienende aufgestockt. Wohngeldbeziehende, die allein leben, erhalten 270 Euro, Zwei-Personen-Haushalte 350 Euro, für jeden weiteren Mitbewohner gibt es 70 Euro dazu. Studierende mit Bafög, Beziehende von Aufstiegs-Bafög und Berufsausbildungsbeihilfe erhalten pauschal 230 Euro. Laut Bundesregierung soll der Zuschuss im Sommer ausgezahlt werden, zuständig sind die Bundesländer. Deshalb ist der Auszahlungszeitpunkt unterschiedlich.

Gasmangel oder Gaspreiskrise: Was bedeutet das für mich?

Dirk Vogeley, Geschäftsführer der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur, sieht im Moment zwei Probleme, vor denen wir in Deutschland stehen:

  1. Gasmangel
  2. Gaspreiskrise

Bezüglich des Gasmangels ist er der Meinung, „wir werden nicht auf Null fahren“. Den Gasspeicher zeigt die Bundesnetzagentur tagesaktuell an. Hier ist zu sehen, dass wir derzeit (Stand: 17.08.2022) bei einem Gesamtspeicherfüllstand von 77,3% liegen.

Was sicherlich nicht nur Dirk Vogeley sondern vielen Verbrauchern gerade mehr Sorgen bereitet ist die Gaspreiskrise. Durch den vorangegangenen milden Winter haben wir einen geringeren Gasverbrauch als im Vorjahr. Nach der Berücksichtigung der Temperaturen liegt die Einsparung bei rund 5%. Aber wer verbraucht eigentlich das ganze Gas? Derzeit ist die Aufteilung wie folgt:

  • Platz 1: Industrie mit rund 36% des gesamten Gas-Einsatzes
  • Platz 2: Haushalte mit rund 26%
  • danach folgen Stromversorgung und Fernwärme, die auch mit Gas betrieben werden mit 14%.

 Die Einsparung in der Industrie ist damit natürlich sinnvoll und bereits von der Politik gefordert. Aber nicht nur die Politik, sondern auch die Betriebe selbst sind darauf bedacht, wo und wie sie Gas einsparen können, so Vogeley. Weitere Einsparmaßnahmen nehmen derzeit bereits Kommunen vor: In Karlsruhe haben städtische Gebäude bereits die Klimaanlagen abgeschaltet und verzichten auf warmes Wasser im Sanitärbereich sowie die Außenbeleuchtung der Gebäude. Aber auch hier seien die angestrebten 20% Einsparung mit diesen Maßnahmen noch nicht erreicht.

Was können wir also alle tun? „Einsparen, wo es nur geht“, sagt Vogeley. Aber wir seien es einfach nicht mehr gewohnt zu sparen. Die aktuelle Situation erfordere das jedoch: 20 - 30% Einsparung seien auch in Privathaushalten von Nöten. Bei den Einsparungen können sogenannte Heizchecks oder der Blick auf die Heizkurve nicht schaden, so Vogeley. Hier seien oftmals die Standardeinstellungen der Hersteller nicht abgestimmt auf die eigenen Bedürfnisse. Zudem rät er auch Mietern, sich mit dem Vermieter in Verbindung zu setzen und sich danach erkundigen, ob die Heizungsanlage eventuell neu eingestellt werden kann.

Was versteht man unter Gasknappheit?

Weltweit gesehen ist Gas nicht knapp – es gibt Gasvorkommen in vielen Ländern: neben Russland unter anderem auch in den USA, Norwegen, China, Algerien und dem Iran. Es ist allerdings nicht einfach, das Gas von überall her in andere Länder zu transportieren.

Deutschland ist dabei mehr als andere Länder abhängig von Lieferungen aus Russland. Unser Land hat seinen Bedarf lange Zeit zu einem großen Teil aus Russland gedeckt, über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Über sie kann der Rohstoff theoretisch einfach und sicher nach Europa importiert werden. Seit Ende Juli 2022 fließen allerdings nur noch etwa 20 Prozent der Maximalleistung durch die Pipeline. Russland macht technische Gründe dafür verantwortlich, die Bundesregierung hält dies für vorgeschoben.

Aktuell verbraucht Deutschland weniger Gas als insgesamt aus verschiedenen Ländern importiert wird. Im Winter, wenn der Gasverbrauch stark steigen wird, um zu heizen, könnten aber Probleme drohen. Sollte eine sogenannte „Gasmangellage“ eintreten, würde das Gas nicht mehr für Gesamtdeutschland reichen und müsste rationiert werden. Private Haushalte sollen bevorzugt beliefert werden.

Welche Bedeutung haben Gasspeicher für die Versorgung in Deutschland?

Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt. Deutschland hat größere Speicherkapazitäten als andere Länder – das hat geologische Gründe wie etwa das Vorkommen von Salzgestein, in dem sich Gas lagern lässt. Im Norden Deutschlands gibt es mehr Speicher, den größten in Rehden in Niedersachen. In Rheinland-Pfalz gibt es einen Gasspeicher im pfälzischen Frankenthal, in Baden-Württemberg steht jeweils einer in Sandhausen im Rhein-Neckar-Kreis und einer bei Wilhelmsdorf in Oberschwaben.

In welcher Region ein Gasspeicher steht, ist nach Angaben der Initiative Energien Speichern e.V. im Grunde unerheblich für die Versorgung, solange keine Engpässe in den Gasnetzen auftreten. Allerdings ist die Kapazität der Netze beschränkt: Gas könne nicht beliebig transportiert werden. Ein voller Speicher vor Ort und damit kurze Wege könnten also Netzengpässen vorbeugen oder sie auflösen.

Die Bundesregierung hat für alle deutschen Speicher das Ziel gesetzt, dass sie zum 1. November 2022 zu 95 Prozent gefüllt sein sollen. Diese Gasmenge entspricht in etwa dem bundesweiten Verbrauch von Januar und Februar dieses Jahres. Das bedeutet: Auch volle Gasspeicher würden laut Bundesnetzagentur voraussichtlich nicht ausreichen, um über den gesamten Winter zu kommen. Unter anderem Industrie und Haushalte werden Gas einsparen müssen, außerdem versucht Deutschland, zum Jahreswechsel mehrere Flüssiggasterminals an den Start zu bringen.

Könnte Biogas einen Teil der Gasimporte ersetzen?

Biogas kann importiertes Erdgas oder Flüssiggas nicht komplett ersetzen. Es könnte aber dazu beitragen, dass weniger Gas dazu genutzt wird, Strom zu erzeugen. Gas ist in diesem Zusammenhang wertvoll, weil es flexibel und schnell in Zeiten eingesetzt werden kann, in denen der Bedarf nicht aus anderen Quellen gedeckt werden kann. Rund zehn Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland wurden zuletzt für die Stromproduktion verwendet.

Theoretisch könnte die Hälfte davon durch Biogas ersetzt werden. Dafür müssten allerdings Rahmenbedingungen und Abläufe verändert werden. Strom aus Biogas wird derzeit vor allem von Landwirten in Blockheizkraftwerken erzeugt. Das passiert allerdings kontinuierlich und nicht zu den Zeiten, in denen Gasstrom momentan gebraucht wird. Dazu kommt, dass es bisher nur wenige Anlagen gibt, die Biogas so aufbereiten können, dass es ins öffentliche Gasnetz eingespeist werden könnte. Dafür müsste man sehr viel investieren. Das würde sich erst in zehn oder 20 Jahren rechnen.

Warum steigen die Gaspreise?

Das hat verschiedene Gründe. Schon seit Jahren steigt die Nachfrage nach Gas auf dem Weltmarkt; unter anderem durch China. Das Land muss Treibhaus-Emissionen reduzieren und setzt deshalb zunehmend auf Gas. Allgemein hat der wirtschaftliche Aufschwung nach vielen Lockdowns in der ersten Hälfte der Corona-Pandemie zu einem größeren Gasverbrauch geführt. Netzentgelte für den Transport innerhalb von Deutschland stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an und auch der Umstieg von Kohle auf Gas in der deutschen Stromindustrie hat die Preise steigen lassen.

Der gravierendste Faktor ist zurzeit aber der Ukraine-Krieg. Während Deutschland 2021 noch 55 Prozent des Gases aus Russland importiert hat, wurde die Gaslieferung von Russlands zwischenzeitlich auf nur noch 20 Prozent gedrosselt. Eigentlich besteht vertraglich eine Lieferpflicht. Die geringere Menge an verfügbarem Gas und die höhere Nachfrage sorgen für die steigenden Preise, wie wir sie im Moment erleben.

Liveblog: Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen Chef der Bundesnetzagentur: Gasverbrauch ist zu hoch

Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.  mehr...

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Der Gaspreis setzt sich aus drei großen Bereichen zusammen. Das sind die Netzentgelte, die Gasbeschaffung/der Vertrieb und Steuern sowie Abgaben.

  1. Die Netzentgelte sind gesetzlich reguliert. Sie werden erhoben, um das Gasnetz betreiben, warten und ausbauen zu können.
  2. Die Steuern und Abgaben sind staatlich festgelegt. Fällig sind die CO2-Steuer, Erdgas- und Umsatzsteuer und die Konzessionsabgabe. Bis Juli 2022 war in diesem Bereich noch die EEG-Umlage dabei. Sie fällt zwar weg, dafür wird ab Oktober die Gasumlage dazukommen.
  3. Der größte Teil des Gaspreises hängt vom Markt ab. Darunter fällt die Gasbeschaffung, der Vertrieb und der Service der Gasanbieter. Im Januar 2022 hat dieser Teil 61 Prozent des Gaspreises ausgemacht.

Wie viele Haushalte nutzen Gas und müssen die Gasumlage zahlen?

Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) ist Erdgas mit 45,5 Prozent der in Deutschland am häufigsten zum Heizen genutzte Energieträger in Wohnungen. Die Marktanteile sind in den 16 Bundesländern allerdings unterschiedlich, was zum Beispiel topografische, aber auch historische Gründe hat:

Erdgas ist traditionell aufgrund der heimischen Förderung in Niedersachsen weit verbreitet, aber auch in Rheinland-Pfalz erreichen die Erdgas-Heizungen Marktanteile von über 50 Prozent. In Baden-Württemberg liegt ihr Anteil dagegen nur bei rund 37 Prozent. Hier ist das Gasnetz weniger dicht ausgebaut, stattdessen sind Öl-Zentralheizungen weiter verbreitet – genauso wie Einzelheizungen – unter anderem Holz-Pellet-Öfen. Ihr Anteil von etwa 10 Prozent dürfte auf das Erneuerbare-Wärme-Gesetz zurückzuführen sein. Es verpflichtet Eigentümer beim Austausch der Heizungsanlage dazu, erneuerbare Energien einzusetzen.

Betrifft die Gaskrise nur Haushalte, die mit Gas heizen oder kochen?

Nein, sie betrifft alle Menschen, denn aus Gas wird zu einem Teil auch Strom gemacht. Das ist wahnsinnig teuer. Deswegen versucht man, auf andere Brennstoffe auszuweichen – zum Beispiel auf Kohle. Aber: Das bedeutet, die Nachfrage nach Kohle steigt – und auch das treibt die Preise.

Dazu kommt: Man kann Gaskraftwerke nicht komplett ersetzen. Noch nicht. Denn in unser Stromnetz muss vereinfacht gesagt immer genau so viel eingespeist werden, wie in dem Moment auch verbraucht wird. Das hat technische Gründe.

Und dann ist es so: Die Energie mit den niedrigsten Produktionskosten kommt zuerst zum Einsatz: Also normalerweise zuerst Wind und Sonne. Danach Atomkraft, Braunkohle, Steinkohle. Aber die Menge an Strom, die aus diesen Quellen produziert wird, die schwankt. Wenn in manchen Stunden mehr Strom gebraucht wird, dann greift man auf Gaskraftwerke zurück.

Und jetzt wird es richtig kompliziert: Der Börsenpreis für die Stromproduktion für den aktuellen Tag wird immer von dem Kraftwerk gesetzt, das als letztes Strom produziert hat. Das bedeutet: Wenn Gaskraftwerke gebraucht werden – dann treibt das den Strompreis an der Börse insgesamt hoch.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die ARD - das sind zehn öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in Deutschland zusammen. Dazu gehören zum Beispiel der SWR (Südwestrundfunk), der BR (Bayrische Rundfunk) und der WDR (Westdeutscher Rundfunk). Die ARD-Journalisten berichten in Radio, Fernsehen, Internet und über Social Media, was in ihrer Region oder auch weltweit passiert. Außerdem gibt es Redaktionen für spezielle Themen zum Beispiel die Politik in Deutschland oder Gerichtsentscheidungen in Karlsruhe oder Sendungen wie Tagesschau oder Sportschau.

Der SWR ist der Südwestrundfunk. Er ist öffentlich-rechtlich und gehört mit anderen Sendern (wie zum Beispiel WDR und BR) zusammen zur ARD. Dort arbeiten Journalisten, die zu aktuellen Themen direkt mit Betroffenen sprechen und bei Behörden und Unternehmen kritisch nachfragen. Der SWR wird durch den Rundfunkbeitrag finanziert und arbeitet unabhängig von Werbung und Politik.

Zeitungen, Zeitschriften und Magazine - wie zum Beispiel Spiegel, Welt, Focus, Bild, Stuttgarter Zeitung, Backspin und GameStar - sind für uns auch Quellen. Das gilt besonders, wenn sie exklusive Informationen haben. Das heißt, sie haben durch ihre Recherche eine Nachricht herausgefunden und veröffentlicht. Immer wieder decken sie Skandale auf oder werten Statistiken und Daten aus.

Auch andere Medien und Webseiten können für uns Quellen für News sein. Das sind zum Beispiel Seiten, die sich nur mit einem Themenbereich beschäftigen und deshalb Spezialisten in dem Bereich sind. Für Seiten wie hiphop.de oder raptastisch.net arbeiten zum Beispiel Musik-Journalisten, für Webseiten wie golem.de oder t3n.de Technik-Journalisten.

Auch andere Medien und Webseiten können für uns Quellen für News sein. Das sind zum Beispiel Seiten, die sich nur mit einem Themenbereich beschäftigen und deshalb Spezialisten in dem Bereich sind. Für Seiten wie hiphop.de oder raptastisch.net arbeiten zum Beispiel Musik-Journalisten, für Webseiten wie golem.de oder t3n.de Technik-Journalisten.

Auch andere Medien und Webseiten können für uns Quellen für News sein. Das sind zum Beispiel Seiten, die sich nur mit einem Themenbereich beschäftigen und deshalb Spezialisten in dem Bereich sind. Für Seiten wie hiphop.de oder raptastisch.net arbeiten zum Beispiel Musik-Journalisten, für Webseiten wie golem.de oder t3n.de Technik-Journalisten.

Auch andere Medien und Webseiten können für uns Quellen für News sein. Das sind zum Beispiel Seiten, die sich nur mit einem Themenbereich beschäftigen und deshalb Spezialisten in dem Bereich sind. Für Seiten wie hiphop.de oder raptastisch.net arbeiten zum Beispiel Musik-Journalisten, für Webseiten wie golem.de oder t3n.de Technik-Journalisten.

Auch andere Medien und Webseiten können für uns Quellen für News sein. Das sind zum Beispiel Seiten, die sich nur mit einem Themenbereich beschäftigen und deshalb Spezialisten in dem Bereich sind. Für Seiten wie hiphop.de oder raptastisch.net arbeiten zum Beispiel Musik-Journalisten, für Webseiten wie golem.de oder t3n.de Technik-Journalisten.

Auch andere Medien und Webseiten können für uns Quellen für News sein. Das sind zum Beispiel Seiten, die sich nur mit einem Themenbereich beschäftigen und deshalb Spezialisten in dem Bereich sind. Für Seiten wie hiphop.de oder raptastisch.net arbeiten zum Beispiel Musik-Journalisten, für Webseiten wie golem.de oder t3n.de Technik-Journalisten.

Meistgelesen

  1. Patagonia-Gründer Yvon Chouinard Wer ist der Milliardär, der seine Firma verschenkt, um die Erde zu retten?

    Mit seiner Entscheidung sorgt er für Schlagzeilen: Der Gründer der Outdoor-Marke Patagonia hat das Unternehmen für den Umweltschutz gespendet.  mehr...

    NOW SWR3

  2. Flut im Ahrtal Videos aus Hubschrauber setzen Innenminister Lewentz unter Druck

    Schockierende Videos der Polizei aus der Flutnacht im Ahrtal sind aufgetaucht. Die Öffentlichkeit darf sie noch nicht sehen. Nun wird ermittelt: Wer wusste wann von den Videos?  mehr...

    NOW SWR3

  3. Heizkosten sparen? Teelicht-Ofen zum Heizen: Was bringt der DIY-Trend?

    Es klingt nach einer guten und einfachen Lösung gegen steigende Heizkosten: ein Teelicht-Ofen. Wird die Wohnung damit wirklich warm?  mehr...

  4. Er wurde 59 Jahre alt „Gangsta’s Paradise“: US-Rapper Coolio ist tot

    Er schuf einen der größten Hip-Hop-Hits. Jetzt ist der amerikanische Rapper Coolio in Los Angeles gestorben. Die Musikwelt trauert.  mehr...

  5. Liveblog: Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen Chef der Bundesnetzagentur: Gasverbrauch ist zu hoch

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.  mehr...

  6. Umweltschützer besorgt Gaslecks bei Nord Stream 1 und 2: War es Sabotage – und von wem?

    In der Ostsee tritt Gas aus Pipelines aus Russland aus. Politiker und Experten sprechen von absichtlichen Attacken, manche zeigen mit dem Finger nach Osten. Was wir bisher wissen.  mehr...

    NOW SWR3