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„Dickenwalze“, „Höllenplacken“, „Ludergraben" – das sind keine Beleidigungen, sondern echte Namen von Autobahn-Parkplätzen. Doch wie kommen diese Namen zustande?

SWR3-Moderator Sebastian Müller ist auf einer Tour durch SWR3Land an vielen Rastplätzen vorbeigefahren und fragte sich: Wer bitte denkt sich Namen wie „Krachgarten“ aus? Daraus ist eine mittlerweile sehr beliebte Rubrik in Bastis Sendung PopUp geworden. Immer, wenn wir denken: „Jetzt haben wir alle Namen!“ – schickt ihr uns neue. Jakob Reifenberger recherchiert den Namen hinterher.

Habt ihr noch kuriose Parkplatznamen? Schickt sie uns hier!

Wer denkt sich die Autobahn-Parkplatz-Namen aus?

Die Namen kommen meistens von Landschaften. Beziehungsweise, Amtsdeutsch: „von örtlichen Flurbezeichnungen.“ Sagte mir eine Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz. Wenn an der Autobahn ein Parkplatz gebaut wird, sammeln die jeweiligen Landesverkehrsbehörden Vorschläge, zum Beispiel von Bürgerinnen und Bürgern, von Gemeinden, die direkt an dem neuen Parkplatz liegen. Und über die Vorschläge entscheidet dann hochoffiziell das Bundesverkehrsministerium und sagt: „Ludergraben“ oder „Auf dem Hirschen“ finden wir gut, entspricht den Kriterien, machen wir so!

„Höllenplacken“ oder „Leckerhorst“ klingt natürlich erst mal nicht nach einer Landschaft. Ich rufe dann in der Regel erst mal bei der Gemeinde an, in deren Gemarkung der Parkplatz liegt. Oft helfen dann Gemeinde-Archive mit alten Flur-Karten und Namenserklärungen. Oder auch professionelle Namensforscherinnen und Namensforscher. Hier Beispiele der Parkplatz-Namen-Recherchen:

Bierberg

Bierberg aus Süden mit der Bundesautobahn 7 gesehen (Foto: Foto: Axel Hindemith // Wikipedia // CC BY-SA 3.0)
Hinter der Autobahn, da ist er zu sehen: Der bewaldete Bierberg. Foto: Axel Hindemith // Wikipedia // CC BY-SA 3.0

So heißt ein Autobahn-Parkplatz an der A7 in Niedersachsen, der zwischen Göttingen und Hildesheim liegt. SWR3-Hörer Hendrik hat ihn uns zur Recherche vorgeschlagen. Meistens kommen die kuriosen Parkplatznamen von Landschaften in der Nähe. Und tatsächlich: Wenige Meter vom Parkplatz entfernt gibt es den Bierberg — immerhin 267,5 Meter hoch.

Aber woher kommt der Name Bierberg ursprünglich? Leider nicht vom Bier, wie das Buch Flurnamen Gemeinde Kalefeld, Band 2 verrät: „Mit dem Bier aus Hopfen, Malz und Gerste oder Weizen hat der Bierberg nichts gemein.“ Denn der Bierberg war früher als Berberg bekannt. Was heute als Bier auftaucht, steht also eigentlich für Ber. Das ist ein altes Wort für Wald. Der Bierberg ist damit – deutlich weniger spannend – ein bewaldeter Berg. Im Volksmund ist daraus im Laufe der Zeit Bierberg geworden.

Heute birgt der Bierberg herbe Enttäuschungen. So bewertet Nico ihn mit nur 3 Sternen im Internet, Grund: „Naja, kein Bier gefunden.“ Deutlich poetischer ist dagegen die Internet-Bewertung von Patrick. Dem ist es anscheinend egal, dass Bierberg nichts mit Bier zu tun hat: „Wie der Name bereits verspricht, kann man an diesem Ort der Rast seine Hopfenkaltschale nach den Reisestrapazen genießen und sich von Mutter Natur aus dem Alltagsstress entführen lassen.“

Auf dem Hirschen

„Auf dem Hirschen“ ist ein Parkplatz an der A61 bei Frankenthal. Da gibt es das Örtchen Lambsheim. Und auf dem Gebiet der Gemeinde gibt es die Gemarkung „Auf dem Hirschen“. Dort gibt es aber nicht besonders viele Hirsche. Die Antwort steht in der Ortschronik, im Buch „Lambsheim und seine Geschichte“! Seite 240: Es kommt wahrscheinlich von einem Dialektwort, „Herrsche“ – Hochdeutsch: Hirse! Der Autor vermutet: Auf den Äckern wurde früher einfach Hirse angepflanzt.

Wie entstehen Autobahn-Parkplatznamen? (Foto: Autobahn GmbH)
Autobahn GmbH

Höllenplacken

Diesen Parkplatz haben uns auch viele geschickt, ist an der A6 bei Ramstein-Miesenbach. So furchteinflößend wie er klingt, ist er aber gar nicht! Hat nämlich nichts mit Hölle zu tun! Das hat uns ein Sprachforscher der Uni Mainz erklärt: Im Althochdeutschen gab es das Wort „haldi“ – daraus ist dann im Lauf der Zeit „Hölle“ geworden – „haldi“ heißt aber nicht Unterwelt oder so, sondern sowas wie „Halde“ oder „Abhang“ oder auch „Anhöhe“. Und „Placken“ bedeutet „kleine Fläche, kleines Feld“. Höllenplacken ist also ziemlich unspektakulär: Einfach ein kleines Feld am Hang … oder so ähnlich.

Wie entstehen Autobahn-Parkplatznamen? (Foto: Autobahn GmbH)
Autobahn GmbH

Krachgarten

Klingt nach richtig Stress – Krachgarten! An der A5 in Hessen: Auch beim „Krachgarten“ ist es so, wie bei so vielen lustig klingenden Namen: Hat nix mit Krach, also Streit oder Lärm zu tun. Im Mittelhessischen Flurnamenbuch, steht: „Krach“ ist wahrscheinlich ein altes Wort für „Krähe“! Daher kommt anscheinend der Krachgarten. Ist wohl einfach ein „Krähengarten“.

Autobahn-Parkplatznamen (Foto: Autobahn GmbH)
Autobahn GmbH

Dickenwalze

Ein Parkplatz an der A45 bei Lüdenscheid in NRW. Da denkt man sofort an so eine fette Straßen-Walz-Maschine. Aber die Geschichte hinter dem Namen ist schöner: Industriezeitalter! Rauchende Schornsteine, fette Fabriken, zum Beispiel auch in Lüdenscheid und Lüdenscheid galt im Industriezeitalter als so genannte „Knopfstadt“. Vieles wurde dort industriell hergestellt: Knöpfe, Manschetten, Gürtelschnallen, alles Mögliche. Das alles wurde in Fabriken gestanzt beziehungsweise gewalzt. In Lüdenscheid gab's einige Familien von Großindustriellen, eine dieser Familien hieß „Dicke“, so schreibt es der „Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid“. Die Firma hieß „Gebrüder Dicke“, die hatten unter anderem ein Metallwerk mit einer Blechwalze. Das war dann laut Geschichtsverein die berühmte „Dickenwalze“. Der Name hat sich gehalten, vom 19. Jahrhundert bis heute: Heute ist es der Name für den Parkplatz an der A45.

Ludergraben

An der A3 bei Nürnberg. Mehr Rotlicht-Atmosphäre kann ein Name nicht haben. Aber es ist wie so oft, „Luder“ ist in dem Fall nicht das, woran wir sofort denken. Der Ludergraben ist erst mal nur ein kleiner, unschuldiger Bach, der da bei dem Autobahnparkplatz durch den Wald fließt, nach diesem Bach ist der Parkplatz benannt, hat die Autobahndirektion Nordbayern bestätigt. Aber der Bach muss ja auch irgendwo das „Luder“ herbekommen haben. Und ein Experte für Flurnamen in Bayern sagt: „Luder“ kommt in Flurnamen oft vor. Es kommt aus dem Mittelhochdeutschen, heißt so viel wie „Lockspeise für Wildtiere“. „Luder“ waren also Aas, tote Tiere. Und die Orte, wo diese Köder ausgelegt wurden, oder auch die Orte, wo tote Tiere verwertet, vergraben wurden, hießen dann schnell: Ludergraben. Daher könnte der Parkplatz Ludergraben an der A3 bei Nürnberg kommen. Das war Möglichkeit eins.

Möglichkeit zwei: Der Flurnamen-Experte meint, „Luder“ könnte auch durch Dialekt entstanden sein. Durch das Fränkische. „Luder“ könnte eine Dialektform sein von „lauter“, „lauter“ heißt „klar, rein“, das gibt’s oft in Verbindung mit Gewässern. Lauterbach zum Beispiel ist nicht nur ein Politiker-Name, sondern auch viele Bäche heißen so. Könnte also auch sein, dass die Leute das Wasser des heutigen „Luder“-Grabens früher einfach besonders „lauter“, also rein, fanden. Ob genau DER „Ludergraben“, an der A3 bei Nürnberg vom sauberen Wasser oder von den toten Tieren kommt – lässt sich nicht ganz sicher sagen.

Pennacker

Auch hier ist man sich nicht ganz sicher. Selbst Fachleute legen sich nicht auf eine Antwort fest, sondern nennen nur mögliche Erklärungen. Zwei mögliche und sehr anschauliche Erklärungen kommen von der Namensforscherin Dr. Friedel Helga Roolfs aus Westfalen. Die sagt, Möglichkeit 1:

PENN-Acker könnte zurückgehen auf das germanische „pann“, heißt so viel wie Hürde, Riegel. Ein Acker mit Riegel, das wäre dann, grob übersetzt einfach ein eingezäunter Acker gewesen.

Autobahn-Parkplatz-Name Pennacker (Foto: Autobahn GmbH)
Autobahn GmbH

Die Forscherin hat aber noch tiefer im Flurnamenarchiv gegraben und herausgefunden, damit kommen wir zu Möglichkeit 2: Statt penn gibt’s noch weitere, ähnlich klingende Teile von Landschaftsnamen. Zum Beispiel: pennin oder penning. Penning, wird gern im rheinhessischen Dialekt für den Pfennig verwendet. Penn könnte eine Kurzform von Penning sein und der Penn-Acker wäre damit ein Pfennig-Acker! Und der Name kann entweder daher kommen, dass das ein Acker war, für den jemand Abgaben zu leisten hatte, also eine Art Pacht von X Pfennigen. Auch möglich, sagt die Namensforscherin, sei, dass man das Stück Land früher Pfennigacker genannt hat, weil ein Pfennig nur wenig wert ist, quasi im übertragenen Sinn: Der Acker ist nichts wert, weil die Qualität des Bodens schlecht ist. Also mehrere Möglichkeiten, woher der Name vom Parkplatz Pennacker kommt, vom eingezäunten Acker bis zum fast wertlosen Acker. Aber gepennt hat da wohl keiner.

Ihr habt weitere Autobahn-Parkplatz-Namen für uns?

An welchen Autobahn-Parkplätzen mit komischen Namen seid ihr vorbeigefahren? Lasst es uns wissen!

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