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Lea Kerpacs
Lea Kerpacs (Foto: SWR3)

Erfüllt der Öffentlich-Rechtliche seinen Auftrag? Warum wird in manchen Formaten gegendert? Intendant Kai Gniffke hat eure Fragen live auf Instagram beantwortet. Hier findet ihr das Gespräch, auch wenn ihr nicht live dabei sein konntet.

Intendant Kai Gniffke im Live-Talk mit euch!

Viele von euch waren beim Insta Live dabei und da kam alles: Lob und natürlich auch Kritik – vor allem aber gab es richtig viel Zeit, um echte Gespräche zu führen. Durch die Möglichkeit, sich per Video zuzuschalten, konnten sich auch alle mal in die Augen schauen und sich konstruktiv austauschen. Es wurde nichts geschnitten, nichts nachbearbeitet oder ausgelassen, das Motto lautete: „Fragt, was ihr wollt!
Hier gibt es das ganze Video:

Auch SWR3-Moderator Kristian Thees hat sich ausführlich mit Kai Gniffke ausgetauscht. Das könnt ihr im Promi-Talk mit Thees anhören.

SWR3 Talk Mit Thees (Foto: SWR, Patricia neligan / SWR)

SWR3 Talk – Die Kristian Thees Show Kai Gniffke: "Ich ärgere mich über Kritik nur, wenn sie berechtigt ist"

Dauer

Kai Gniffke hat einen der schwersten Jobs in diesem Land.
Die Veränderung des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks. Seit Anfang Januar ist der Intendant des SWR für die nächsten 2 Jahre der neue Vorsitzende der ARD.
Da soll sich bereits einiges tun schon in diesem Jahr.
Denn diese Krise - die größte für die ARD - will gemanagt werden.
Von welchen Reformen reden wir ? Wie radikal müssen die sein ?

Was waren die größten Themen beim Insta Live?

Weder die Themen noch deren Reihenfolge hat die Redaktion festgelegt – das kam alles von der Community! Diese Themen waren euch besonders wichtig:

  • Gendern: Warum wird im Öffentlich-Rechtlichen gegendert, wenn das doch von vielen abgelehnt wird?
  • Rundfunkbeitrag: Warum muss ich ihn bezahlen, wenn ich die Angebote gar nicht in Anspruch nehmen möchte?
  • Unabhängige Berichterstattung: Welche politische Gesinnung haben die Mitarbeiter und wie frei ist die Berichterstattung wirklich?

Gendern: Warum wird im Öffentlich-Rechtlichen gegendert?

Justin hat sich zuerst zu Kai Gniffke und Constantin Zöller live geschaltet und das Thema angesprochen: „Warum wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegendert, obwohl es Studien gibt, nach denen die meisten Menschen das ablehnen?“

Richtig ist: Laut Umfragen ist die Mehrheit der Befragten tatsächlich gegen das aktive Gendern. Das ZDF hat beispielsweise gefragt, wie „die Medien“ damit umgehen sollten. Das Ergebnis: 71 Prozent waren gegen das Einführen von Doppelpunkten, Sternchen oder einem großen i bei „-innen“.

Baden-Baden

SWR3 Faktencheck Gendern: Sinnvoll oder Quatsch?

Das Thema spaltet die Gesellschaft: Gendern. Für die einen sind Gendersternchen und Binnen-I wichtig, für die anderen nicht. Bringt Gendern überhaupt was? Hier kommt der Faktencheck.

Kai Gniffke betont: Eine Vorgabe für die ARD gebe es nicht. In manchen Formaten wird gegendert, in vielen anderen wird darauf verzichtet. Ihm ist es persönlich wichtig, möglichst niemanden auszuschließen:

Ich spreche so, dass sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen; am liebsten alle. [...] Ich tue das aber in einer Weise, die die deutsche Rechtschreibung nicht verbiegt und die auch die Orthografie nicht verbiegt. Und die auch keine Sprechpausen in meiner Sprache vorsieht: Damit kann ich persönlich nicht gut leben. Deshalb spreche ich von Kolleginnen und Kollegen und von Männern und Frauen und von Intendantinnen und Intendanten und ich finde, das ist vollkommen okay.

Wird bei SWR3 gegendert?

Wer SWR3 hört oder Artikel liest, wird so gut wie nie aktiv gegenderte Formulierungen mit Doppelpunkt, Sternchen oder Ähnlichem finden. Grundsätzlich ist unsere Haltung: Wir möchten niemanden ausschließen! Das kann in vielen Fällen aber auch ohne Sonderzeichen in Worten gelingen.

Warum ist der Rundfunkbeitrag nicht freiwillig?

Knapp 19 Euro pro Monat sind viel Geld – vor allem, wenn man noch studiert oder das Gehalt reicht, um gerade so über die Runden zu kommen. Warum ist der Beitrag dann immer noch verpflichtend? Könnte die ARD nicht ein freiwilliges System einführen oder den Rundfunkbeitrag abschaffen?

ARD-Chef Kai Gniffke ist sicher: Besonders heutzutage sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk wichtig wie nie. Er versteht ihn dabei als ein Korrektiv: Während Tech-Konzerne, andere Medienhäuser und Suchmaschinen auf besonders viel Umsatz achten müssen, können sich öffentlich-rechtliche Sender auf den Inhalt fokussieren und ohne Sensationsdruck genauer hinschauen.

Kai Gniffke im SWR-Podcaststudio Stuttgart (Foto: SWR, Neligan, Patricia)
SWR3-Moderator Constantin Zöller und ARD-Chef Kai Gniffke waren live auf Instagram, um eure Fragen zu beantworten. Neligan, Patricia Bild in Detailansicht öffnen
Gendern, Rundfunkbeitrag oder junge Menschen im Öffentlich-Rechtlichen – mit Kai Gniffke habt ihr über Themen diskutiert, die euch bewegen. Neligan, Patricia Bild in Detailansicht öffnen
Ihr habt euch fleißig mit Bild zugeschaltet und mit uns eurer Feedback und eure Wünsche für die Zukunft geteilt. Neligan, Patricia Bild in Detailansicht öffnen
Durch das Insta-Live hatten Menschen in ganz Deutschland die Möglichkeit teilzunehmen und sich zu äußern. Neligan, Patricia Bild in Detailansicht öffnen
Consi hat eure Fragen gestellt und an den wichtigen Stellen nachgehakt. Neligan, Patricia Bild in Detailansicht öffnen
Wie fandet ihr den Austausch? Schreibt es uns unten in die Kommentare! Neligan, Patricia Bild in Detailansicht öffnen

Außerdem fiele bei einem freiwilligen Konzept einiges weg:

Wenn wir uns kaprizieren auf das, was eh schon von vielen genutzt wird, dann würde Kultur hinten runterfallen. Dann würden wichtige Kultureinrichtungen nirgendwo mehr in irgendeinem Rundfunkangebot mehr stattfinden, weil es nicht refinanzierbar ist. Das kann man nicht durch Werbeeinnahmen finanzieren, das ist ein großer Teil der Wahrheit.

Wie unabhängig ist die Berichterstattung wirklich?

Wie viel Meinung steckt in unserer Berichterstattung und wie ist die Parteiverteilung unter den Mitarbeitern? In den Kommentaren beim Insta Live und unter diesem Artikel war das ein großer Diskussionspunkt.

Was Kai Gniffke wichtig zu unterscheiden war: Meinung macht nur einen ganz kleinen Teil aus und findet nur in extra dafür vorgesehenen Formaten statt. Das sei beispielsweise in den Tagesthemen eine Rubrik. Um sie noch deutlicher von der Berichterstattung abzuheben, wurde sie von „Kommentar“ in „Meinung“ umbenannt. Der allergrößte Teil der Arbeit besteht aber aus der Berichterstattung und das nach handwerklich-journalistischen und ethischen Standards – immer nachprüfbar.

Und trotzdem komme häufig der Vorwurf, die Berichterstattung sei links-grün gefärbt, hakte Constantin Zöller nach. Vorab: Wir wissen nicht, welche politische Einstellung die Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben. Das wird nicht gefragt und nicht geprüft. Für Kai Gniffke steckt hinter dem Vorwurf aber eine tiefergehende Fragestellung:

Vertrauen uns die Leute noch, dass wir wirklich unvoreingenommen berichten? [...] Es gibt an Stellen bei den Leuten die Wahrnehmung: ‚Die wollen mir subkutan etwas mitgeben.‘ Und darauf müssen wir noch mehr achten, sensibler sein.

Alle Fragen und Antworten, die wir hier nochmal schriftlich aufgeführt haben, sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem langen Interview mit euch. Angesprochen wurden darber hinaus Themen wie der Sender ARD One, die Verteilung von Unterhaltung und Nachrichten oder zum Beispiel, ob die ARD eigentlich genug für junge Menschen tut. Das ganze Video findet ihr oben im Artikel!

Wer ist Kai Gniffke?

Kai Gniffke (Foto: dpa Bildfunk, Marijan Murat)
Marijan Murat

Kai Gniffke kennt SWR3Land gut! Aufgewachsen ist er in der Eifel (Grüße an alle aus Trittscheid) und blieb dem Sendegebiet auch nach der Schulzeit treu: Noch während seines Studiums hat er beim SWF angefangen. Nach vielen Nachrichtenstationen wechselte er später zu den Tagesthemen nach Hamburg und bekam den Grimme Online Award für die entwickelte Tagesschau-App. Seit 2019 ist er jetzt wieder zurück zuhause – zuerst als SWR-Intendant, inzwischen auch für die ganze ARD. In SWR3Land ist es eben immer noch am schönsten. ♥

Was ist eigentlich der Job eines Intendanten?

Kurz gesagt ist der Intendant der Chef: als SWR-Intendant für den SWR, als Vorsitzender für die ARD. Dabei unterscheiden sich die Aufgaben nicht groß von denen anderer Chefs. Was ein Intendant macht:

  • Verantwortung tragen: Wer Chef von allem ist, hat damit am Ende auch die Verantwortung für alles. Setzt er auf die falsche Strategie, muss er auch dafür geradestehen.
  • Mit der Geschäftsleitung sprechen: Wie verändern sich Medien? Ist der Öffentlich-Rechtliche da auf dem richtigen Weg oder braucht es eine neue Strategie? Die Geschäftsleitung ist dabei die Brücke in die Redaktionen und bespricht aktuelle Trends.
  • Mit Mitarbeitern sprechen: Steht eine Beförderung an? Was hakt und wie könnte es im Alltag besser laufen?

Was ein Intendant nicht macht:

  • In Redaktionen mitarbeiten: Er sitzt nicht mit in Konferenzen und entscheidet, ob ein Thema gemacht werden soll.
  • Themen vorgeben: Er gibt keine Themen an Redaktionen und bittet darum, sie umzusetzen.
  • Mit Regierungen abstimmen: Weder der Intendant noch Redaktionen stimmen Themen, Inhalte oder sonstiges mit Regierungen ab – außer Interviewtermine!

Podcast Promi-Talk mit Thees

Bei Promi-Talk mit Thees kitzelt Kristian die besonderen Dinge aus den Popstars, Schauspielern, Autoren & Co heraus. Hier gibt es die Talks zum Nachhören. Neue Folgen gibt's jeden zweiten Sonntag.

Vielen Dank für eure Fragen! SWR3-Moderator Constantin Zöller hat für euch so viele wie möglich davon im Insta Live gestellt.

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