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Björn Widmann
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Nach einer Laboranalyse ist seit Montagmittag klar: In den Wäldern bei Kleinmachnow war kein gefährliches Raubtier unterwegs.

Spur stammt von Pflanzenfresser, nicht von Löwin

Eine erste Auswertung einer Kot-Probe habe ergeben, dass es sich bei dem gesuchten Tier um einen Pflanzenfresser gehandelt habe, sagte eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark:

Wir müssen nicht von einem Löwen ausgehen.

Auch das bei der Suche nach einer vermeintlichen Löwin gefundene Haar hat nach einer Untersuchung keine Eigenschaften eines Katzenhaares. Das teilte die Gemeinde Kleinmachnow am Montag in einem Zwischenergebnis der Spuren-Auswertung mit:

Das Labor schließt aufgrund der visuellen Inspektion daher darauf, dass es sich beim Untersuchungsgegenstand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um Katzenhaar handelt.

SWR3-Reporter Carl Winterhagen berichtet aus Berlin über die vermeintliche Löwensuche. Carl, ist die Suche damit jetzt endgültig beendet?


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Ist die Suche jetzt endgültig beendet?

Du warst ja am Freitag noch selbst in Kleinmachnow und hast die Suche live miterlebt. An dem Ausmaß des Polizeieinsatzes gab es jetzt im Nachhinein viel Kritik. Warum?

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Viel Kritik am Polizeieinsatz

Pflanzenfresser: War es ein Wildschwein?

Dass das analysierte Haar ein Wildschweinhaar sei, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit absoluter Sicherheit sagen, teilte die Gemeinde Kleinmachnow mit.

Das endgültige Ergebnis von Laboranalysen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung steht demnach noch aus, da es sich zum Teil um sehr komplexe und langwierige Untersuchungsvorgänge handele.

Tierärztin zweifelt an Wildschwein-Theorie

Die Potsdamer Tierärztin Michaela Ebeling zweifelt an der Einschätzung von Experten, dass es sich bei dem bei Kleinmachnow gesichteten Tier nicht um eine Raubkatze, sondern um ein Wildschwein gehandelt habe. „Wenn man das Video, wie die Behörden, als echt einstuft, sieht man: Das Tier darin hat einen kurzen runden Kopf und runde Ohren - wie der Kopf einer Raubkatze“, sagte Ebeling der Märkischen Allgemeinen.

„Wildschweine haben einen langen Kopf mit kurzen spitzen Ohren. Das wäre schon ein sehr mutiertes Wildschwein.“ Nach Einschätzung von Ebeling werden erst die nächsten Tage Klarheit bringen. Hier nochmal das Video:

#löwe in #kleinmachnow @polizeiberlin sucht aber findet nicht pic.twitter.com/hZmIcNZK7j

Stadtsprecherin von Kleinmachnow: Laborergebnisse erst am Montag

Ebeling war nach eigenen Angaben an der Suche nach dem möglichen Raubtier beteiligt. Ein Videoschnipsel mit dem vermeintlichen Raubtier hatte am Donnerstagmorgen die Runde durch die sozialen Netzwerke gemacht. Die Ermittlungsbehörden schätzten das Video zunächst als echt ein und starteten eine großangelegte Suchaktion.

Die Stadtsprecherin von Kleinmachnow, Martina Bellack, teilte am Samstag mit: „Die Laboranalyse der an der ersten Sichtungsstelle gesicherten Haar- und Kotproben ist leider noch nicht abgeschlossen, wie am heutigen Vormittag vom zuständigen Veterinäramt zu erfahren war.“ Ergebnisse seien leider erst am Montag zu erwarten.

Doch nur ein Wildschwein? Polizei stellt Suche nach angeblicher Löwin ein

Noch am Freitagvormittag hieß es, die Löwin sei von Polizisten „gesichert“ gesehen worden. Dann stellte die Polizei in Kleinmachnow die Suche nach der angeblich entlaufenen Löwin ein. Eine erneute Sichtung des Videos durch Experten, dass die angebliche Löwin zeigen soll, habe ergeben, dass es sich höchstwahrscheinlich nur um ein Wildschwein handelte, so Michael Grubert (SPD), Bürgermeister von Kleinmachnow bei einer Pressekonferenz.

Die erneute Analyse zeige vor allem, dass die Beine des Tiers dicker sind als bei einer Löwin, hieß es. Außerdem sei der Rücken nicht so katzenartig gerundet, sondern bucklig. Das deute daraufhin, dass es sich nicht um eine Löwin handelt, so Grubert.

Michael Grubert (SPD), Bürgermeister von Kleinmachnow, erklärt bei einem Pressegespräch anhand von Fotos, weshalb es sich bei dem gesuchten Raubtier um keine Löwin handelt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Paul Zinken)
Michael Grubert (SPD), Bürgermeister von Kleinmachnow, erklärt bei einem Pressegespräch anhand von Fotos, weshalb es sich bei dem gesuchten Raubtier um keine Löwin handelt.

Es gibt keine Gefährdungslage“, sagte Grubert. „Alle Hinweise führten ins Leere.“ Und weiter sagte er: „Nach allem menschlichen Ermessen gehen wir davon aus, dass es keine Löwin ist.“ Deshalb sei die aktive Suche nun eingestellt worden. Auch die Behörden und die Polizei im benachbarten Berlin teilten diese Einschätzung, so der Bürgermeister.

Hier könnt ihr die Pressekonferenz nachgucken:

Das ist passiert: Mehrere mögliche Löwinnen-Sichtungen auf Berliner Stadtgebiet

In der Nacht zum Donnerstag hatte die Warnung die Bevölkerung südlich von Berlin erreicht: Eine freilaufende Raubkatze soll in Kleinmachnow in Brandenburg gesichtet worden sein. Ein nur wenige Sekunden langes Handyvideo eines Zeugen zeigt ein Tier dort zwischen Büschen und Bäumen umherschleichen.

Das Video schätzten die Ermittlungsbehörden als echt ein. In der Nacht hätten auch Polizisten die Raubkatze „gesichert“ gesehen, sagte eine Behördensprecherin. Weitere mögliche Sichtungen gab es am Nachmittag und Abend im Berliner Stadtgebiet, nahe der südlichen Grenze zu Brandenburg.

Mehr als 100 Polizistinnen und Polizisten, außerdem Jäger und Veterinärmediziner waren den ganzen Donnerstag auf der Suche nach der mutmaßlichen Löwin. Sogar mit Drohnen und Hubschraubern wurde gesucht. Allerdings fehlte von der Raubkatze jede Spur. So waren zwar Kot- und Haarproben am Sichtungsort gefunden worden, aber keine Pfotenabdrücke oder Zeichen, dass dort eine Löwin ein Wildschwein erlegt habe. Die Spuren würden noch untersucht, mit den Ergebnissen werde am Samstag gerechnet, so Grubert.

Bereits am Donnerstag waren Zweifel an der Löwen-Theorie laut geworden. So sagte der Berliner Wildtierexperte, Dirk Ehlert, dem RBB, es mache ihn stutzig, dass bislang keine Spuren gefunden worden seien. „Grundsätzlich kann ein Löwe nicht einfach weg sein, auch eine Löwin nicht. Sie hinterlässt Spuren.

Das Großaufgebot für die Suchaktion war Grubert zufolge aber trotzdem gerechtfertigt. Selbst mit dem aktuellen Kenntnisstand hätten er und die Polizei rückblickend genauso gehandelt, sagte er während der Pressekonferenz.

#UpdateTrotz intensiver Suche konnten keine belastbaren Hinweise auf die Anwesenheit einer Raubkatze erbracht werden. Durch die Gemeinde Kleinmachnow wird eine Gefährdungslage nicht erkannt.Mehr Informationen finden Sie in unserer Pressemeldung: https://t.co/rgtkHN4CqA

Kleinmachnow im Ausnahmezustand? Eher nicht...

Die Polizei und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz warnten die Bewohner der Orte Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf im Süden von Berlin am Donnerstag vor dem Verlassen ihrer Häuser. Auch Haustiere und Nutztiere sollen ins Innere geholt werden. Eine Ausgangssperre gab es aber nicht.

Für die Bürger von Kleinmachnow ging das Leben am Donnerstag relativ normal weiter. Kitas waren geöffnet, auch wenn die Kinder nicht im Freien spielen durften, auf der Straße waren Menschen unterwegs zum Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit. Auch Spaziergänger mit Hunden waren zu sehen, so ein Reporter der Deutschen Presseagentur.

Löwin oder Wildschwein? So reagiert das Netz

Im Netz sorgte die Meldung der entlaufenen Löwin, die sich als ein Wildschwein entpuppte für reichlich Lacher:

So schreibt Twitter-Userin MS_Hannchen:

Nachdem die Löwin dann doch ein Wildschwein war... pic.twitter.com/EySqv5E3IF

User Eddie Graf bringt diesen Vergleich:

Ich bin mir da nicht ganz sicher. OK ein Wildschwein ist es höchstwahrscheinlich nicht, aber doch möglicherweise eine Löwin... pic.twitter.com/ZDPvEWGAg3

Renate Bergmann macht sich Sorgen um ihren Kater:

Die Polizei sagt, die Löwin war ein Wildschwein. Dass man sich so vergucken kann? Na, ich werde auf jeden Fall einen Termin mit Katerle beim Tierarzt machen. Nicht, dass der am Ende ein Goldfisch ist und ich den seit Jahren falsch füttere!

Und Stefan_S bringt dieses Bild:

Ach, schade. 😉#Löwin #Wildschwein pic.twitter.com/YU8GqVLqpN

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