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Zwei Wochen nach dem mutmaßlichen Mord an zwei Polizisten sind beide Opfer beigesetzt worden. Mehrere Tausend Menschen kamen zu den Trauerfeiern.

Die tödlichen Schüsse auf den Polizisten und die Polizistin bei Kusel haben weltweit für Entsetzen gesorgt. Groß war deshalb auch die Anteilnahme an den beiden Trauerfeiern. Nachdem bereits am Dienstag der 29-Jährige Polizist im Saarland beigesetzt wurde, war nun die Trauerfeier für seine 24-jährige Kollegin Yasmin B. – die junge Frau war Polizeianwärterin.

Rund Tausend Polizisten erweisen 24-Jähriger letzte Ehre

Die Trauerfeier wurde mit Lautsprechern vor der Aussegnungshalle des Homburger Friedhofs im Stadtteil Erbach übertragen. Mehr als 600 Trauergäste nahmen daran teil. Draußen vor der Halle standen etwa 1.000 Polizisten Spalier, um Yasmin B. die letzte Ehre zu erweisen. 

Lieber Gott, gib uns allen die Kraft, diese schwierigen Stunden zu überstehen und gemeinsam neuen Mut zu finden. Hilf uns, unsere Trauer zu bewältigen. Schicke uns deine Engel, um die Dunkelheit zu vertreiben. Amen."

Blumen und Kränze liegen für die Beerdigung der jungen Polizistin auf dem Friedhof in Homburg bereit. (Foto: SWR, SWR)
SWR

RLP Landtag gedenkt getöteter Polizisten

Am Mittwochnachmittag gedachte auch der rheinland-pfälzische Landtag den zwei bei Kusel getöteten Polizisten. Zu Beginn der Landtagssitzung gab es eine Schweigeminute. Danach werden unter anderem Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Landtagspräsident Hering Ansprachen halten.

Knapp 3.000 Menschen nahmen am Dienstag Abschied von erschossenem Polizisten

Bereits am Dienstagnachmittag wurde Polizeikommissar Alexander K. in seinem Heimatort Freisen im Saarland beigesetzt.

Alle sind erschüttert von der äußersten Brutalität der Tat“, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Es sei ein trauriger und schwerer Tag. Man wolle dem getöteten Polizisten zeigen: „Wir gehen diesen letzten Weg mit dir.

So lief die Trauerfeier für den getöteten Polizisten ab

Die Trauerfeier in Freisen im Kreis St. Wendel begann um 14 Uhr. Der Gottesdienst fand nicht öffentlich statt, in die Kirche St. Remigius durften nur geladene Gäste – darunter Angehörige, Freunde und Kollegen. In der nahe gelegenen Bruchwaldhalle kamen zusätzlich rund 500 Menschen zusammen. Sie folgten dem Gottesdienst per Video. Vor der Halle versammelten sich zudem Hunderte Menschen und wohnten der Messe dort per Tonübertragung bei.

Polizisten stehen vor der Bruchwaldhalle und warten auf die Übertragung der Beisetzung des getöteten Polizeikommissars (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Harald Tittel)
picture alliance/dpa | Harald Tittel

Patrick Wiermer vom Saarländischen Rundfunk berichtet von der Trauerfeier in Freisen:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Trauerfeier für bei Kusel getöteten Polizisten

Dauer

Eine Ehrenwache der Polizei begleitete nach dem Gottesdienst den letzten Gang zum Grab. Die Polizei schätzte die Gesamtzahl der Trauergäste auf knapp 3.000, etwa zwei Drittel davon Uniformierte.

Wir nehmen heute Abschied von unserem Kollegen Alexander. Was passiert ist, macht uns noch immer fassungslos. Wir sind dankbar für die große Anteilnahme in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus. Wir werden Alexander gemeinsam in Erinnerung behalten. #ZweiVonUns https://t.co/cwkzyTF14h

Kusel: Polizisten wurden bei Fahrzeugkontrolle erschossen

Der Polizeikommissar und eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin waren am 31. Januar während einer Fahrzeugkontrolle bei Kusel erschossen worden. Der Hauptverdächtige Andreas S. habe die junge Frau zuerst mit einem Schuss mit der Schrotflinte schwer verletzt und sie dann untersucht, um herauszufinden, ob sie Notizen bei sich habe, die ihn belasten könnten. Das haben Ermittler im Mai über die Verkehrskontrolle Ende Januar mitgeteilt. Dabei habe der 38-Jährige gemerkt, dass die junge Frau noch lebe und ihr daraufhin in den Kopf geschossen, um sicher zu gehen, dass sie wirklich tot ist. Er habe mit den Schüssen auf die beiden Polizisten vertuschen wollen, dass er gewildert habe. Die Staatsanwaltschaft will ihn nun vor Gericht sehen und hat deshalb gegen ihn Anklage erhoben.

Darum hat es so lange gedauert, bis Verstärkung da war

Der Inspekteur der rheinland-pfälzischen Polizei, Jürgen Schmitt, hatte im Februar erklärt, warum es zwölf Minuten dauerte, bis zwei andere Streifenwagen am Tatort waren, obwohl die später getöteten Beamten gemeinsam mit den Besatzungen zwei weiterer Fahrzeuge unterwegs waren.

Polizisten mussten erst Schutzausrüstung anlegen

Wenn Polizisten an einen Tatort geschickt würden und klar sei, dass dort geschossen werde, müssten diese zunächst anhalten und ihre Schutzausrüstung anlegen, so Schmitt. Dazu gehörten schwere Schutzhelme, Westen sowie eine Maschinenpistole. Das führe zu einer gewissen Zeitverzögerung, erklärte der Polizeiinspekteur.

Ihm zufolge waren an dem Morgen nach der Kontrolle mit tödlichem Ausgang andere Streifen um 4:32 Uhr am Tatort. Beide Opfer, ein 29-jähriger Oberkommissar und seine 24 Jahre alte Kollegin, seien zu dem Zeitpunkt bereits tot gewesen und hätten massive Verletzungen am Kopf aufgewiesen.

Die zwei Beamten waren demnach uniformiert in einem zivilen Polizeiauto unterwegs und observierten mit den Besatzungen zwei weiterer Polizeiwagen eine Person. Nach früheren Angaben der Polizei ging es darum, eine Serie von Eigentumsdelikten aufzuklären.

Ausbildung bereitet auf Dienst vor

Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß (SPD) sagte, angehende Polizisten würden in Rheinland-Pfalz während ihrer dreijährigen Ausbildung „vollumfänglich“ auf ihren Dienst vorbereitet. Eine Gefahr für Leib und Leben lasse sich aber nie ganz ausschließen.

Ulmet

Beamte sterben bei Kontrolle nahe Kusel Blog zu tödlichen Schüssen auf Polizisten: Familien erhalten Kondolenzbuch

Bei einer Verkehrskontrolle sind am 31. Januar zwei Polizeibeamte der Polizeiinspektion Kusel getötet worden. Die aktuellen Entwicklungen in unserem Blog:  mehr...

Polizei nimmt Mann wegen Mordaufruf auf Facebook fest

Derweil hat das Amtsgericht Koblenz Haftbefehl gegen einen Mann erlassen, der nach dem Doppelmord an den beiden Polizisten in sozialen Netzwerken zum Mord an weiteren Polizisten aufgerufen haben soll. Er sitzt damit rund eine Woche nach dem Aufruf in Untersuchungshaft, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Mittwoch (9.2.) mitteilte.

Der 55-Jährige aus dem Raum Idar-Oberstein soll am vergangenen Donnerstag in Videos auf Facebook zu so genanntem Cop-Hunting aufgerufen haben. Hintergrund sei der Doppelmord an den Polizisten im Landkreis Kusel gewesen.

Andreas S. soll schon 2004 einen Menschen mit Schrotflinte verletzt haben

Der der Tötung der beiden Polizisten beschuldigte 38-jährige Andreas S. hatte nach SWR-Informationen bereits 2004 bei einer Treibjagd eine Person mit einer Schrotladung schwer verletzt. Deswegen war ihm erstmals seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit – also die Grundvoraussetzung für einen Waffenschein – entzogen worden. Ein zweites Mal geschah dies 2020.

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Bäckerei von Andreas S. ging insolvent, Wilderei in großem Stil

Die Bäckerei des 38-Jährigen hatte Insolvenz anmelden müssen. Der Mann hatte daraufhin auf den Handel mit Wildbret umgesattelt und ging auf die Jagd. Das aber ohne gültigen Jagdschein und ohne eigenes Revier. Deswegen soll er in großem Stil gewildert haben – vor allem in den Kreisen Kusel, Kaiserslautern und Südliche Weinstraße sowie in der französischen Grenzregion. Dabei nutzte er nach SWR-Informationen modernste Nachtsicht- und Zieltechnik und setzte vier Jagdhunde ein.

Es könnten bis zu 500 Reviere betroffen sein. Offenbar hat der Tatverdächtige auch tonnenweise Wild erlegt. In Bezug auf die Wilderei wurde er aber nie verurteilt, weil man ihm nichts nachweisen konnte.

Der Saarforst Landbetrieb soll ihm große Mengen des Wilds abgekauft, dann aber vor zwei Jahren alle entsprechenden Verträge gekündigt haben.

Mutmaßlicher Mord an Polizisten – das ist im Fall Kusel passiert

Am Morgen des 31. Januuar 2022, gegen 4:20 Uhr am Morgen, sollen die beiden Polizisten auf der Kreisstraße 22 zwischen Ulmet und Mayweilerhof eine Verkehrskontrolle durchgeführt haben. Dabei sollen die Schüsse gefallen sein.

Kusel

Getötete Polizisten in Kusel Verdächtiger soll „gewildert“ haben – aber was ist das überhaupt?

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Nach Angaben der Polizei konnten die beiden Streifenpolizisten noch selbst eine Funkmeldung absetzen mit den Worten: „Die schießen.“ Vorher hatten sie ihre Kollegen noch per Funk informiert, dass sie im Kofferaum des Fahrzeugs totes Wild gefunden hätten. Die beiden Beamten waren bei der Kontrolle mit einem zivilen Fahrzeug unterwegs, sagte Polizeisprecher Erfort.

Als die alarmierten Kollegen am Tatort eintrafen, war die Beamtin bereits tot, der andere Beamte starb wenig später an seinen Verletzungen.

Die Kollegen hier sind sehr betroffen. Einige kannten die getöteten Beamten persönlich.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Polizeisprecher: Die Tat macht die Kollegen absolut betroffen

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Radionachrichten 29. Mai, 5:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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