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Kira Urschinger
Kira Urschinger (Foto: SWR3)
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Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3)

Heizung an, aber bitte sparsam – für die Umwelt und vor allem auch für den eigenen Geldbeutel. Mit diesen Tipps kann jeder sofort Heizkosten sparen, ohne das ganze Haus dafür umbauen zu müssen.

Die Höhe der Gasumlage ist seit dem 15.08.2022 bekannt. Damit ist auch gewiss, dass die Heizkosten steigen werden. Wir haben uns Tipps von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) und der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geholt. Was ihr bereits vor dem Start der Heizperiode im Oktober machen könnt und weitere Tipps hier in der Übersicht:

Handwerker JETZT beauftragen

Wer größere Umbaumaßnahmen vornehmen lassen möchte, hat es vermutlich bereits jetzt schwer, einen Handwerker zu finden. Daher rät Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, bereits jetzt einen Plan zu entwickeln und sich um Handwerker zu bemühen.

Heizkurve prüfen und richtig einstellen

Die Heizkurve ist eine mathematische Formel, die das Verhältnis zwischen Außentemperatur und Vorlauftemperatur angibt: Je niedriger die Außentemperatur, desto höher ist die Vorlauftemperatur. Die Vorlauftemperatur bestimmt die Temperatur des Heizwassers. Somit hat sie einen entscheidenden Einfluss auf die Effizienz der Heizungsanlage.

Ist die Vorlauftemperatur zu hoch, kann das zu Wärmeverlusten führen. Ist sie zu niedrig, wird die Wohnung nicht richtig warm. Daher ist die richtige Einstellung wichtig. Natürlich gibt es Fachkräfte, die die Heizkurve prüfen und einstellen können. Doch mittlerweile gibt es auch zahlreiche Videoanleitungen, sodass man diese Einstellung auch selbst vornehmen kann.

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Heizkurve selbst anpassen

Um die optimale Vorlauftemperatur zu finden, muss man ein wenig ausprobieren: Legt dazu am besten ein Protokoll an, um später die Einstellungen miteinander zu vergleichen. Folgende Möglichkeiten habt ihr für die Anpassung:

  1. Niveau erhöhen, wenn die Raumtemperatur zu niedrig ist.
  2. Neigung erhöhen, wenn die Temperatur an kalten Tagen zu niedrig ist.
  3. Niveau erhöhen und Neigung senken, wenn die Temperatur in der Übergangszeit zu niedrig ist, jedoch an kalten Tagen ausreicht.
  4. Niveau senken und Neigung erhöhen, wenn die Temperatur in den Räumen in der Übergangszeit zu hoch, an kalten Tagen aber ausreichend ist.

Welche Neigung eingestellt werden muss, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Zum einen ist entscheiden, wie das Gebäude gedämmt ist und zum anderen spielt auch die Art der Heizung eine Rolle. Richtwerte für die Neigung der Heizkurve können dabei folgende sein:

  • Gebäude mit Wärmepumpe: 0,12 bis 0,16
  • Gebäude mit Fußbodenheizung: 0,3 bis 0,5
  • Gebäude mit Heizkörpern: 1,0 bis 1,2
  • Älteres Gebäude mit Heizkörpern: 1,4 bis 1,6

Wer die Einstellung der Heizkurve nicht selbst vornehmen möchte, kann auch verschiedene kostenlose oder kostengünstige Beratungsangebote zu Rate ziehen. So bietet beispielsweise die Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) oder auch die Verbraucherzentralen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verschiedene Checks an, beziehungsweise berät auch telefonisch.

Nicht auf Strom umrüsten

Wieso gerade Heizlüfter Mangelware sind? Ganz einfach: Diese Produkte sind gerade sehr begehrt, weil man so dem Gaspreisansteig entgegenwirken will. Doch aufgepasst! Diese Geräte sind nicht günstiger im Verbrauch. Dirk Vogeley von der KEK rät dazu, nicht auf Strom umzustellen, da auch hier die Preise ansteigen werden.

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Heizkosten sparen mit elektronischen Thermostaten

Mit Thermostaten kann ich einstellen, wann meine Heizung an- und ausgeht. Wenn ich mich hiermit ein bisschen befasse und einen guten Plan mache, wann ich die Heizung brauche, kann ich laut Experten in einer 70-Quadratmeter-Wohnung zwischen 65 Euro und 200 Euro sparen. Die Stiftung Warentest hat Thermostate getestet und spricht von Kostenersparnissen von fünf bis acht Prozent. Hier gilt grundsätzlich: Wer am meisten unterwegs ist, kann auch am meisten sparen.

In der Anschaffung sind Thermostate erst einmal eine kleine Investition: Gute Thermostate gibt es ab 40 Euro, wie die Stiftung Warentest bei einem Vergleich feststellte. Pro Haushalt werden vermutlich mehrere Thermostate anfallen. Der Vorteil: Als Mieter kann ich so ein Gerät selbst anbringen, dafür brauche ich die Gnade des Vermieters nicht. Außerdem kann ich sie bei einem Umzug auch wieder abmontieren und mit in die neue Wohnung nehmen.

Nebenbei sind die CO2-Einsparungen laut Experten beim Einsatz eines Thermostats bemerkenswert: etwa 270 Kilogramm können drin sein fürs Klima.

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Für Technik-Fans gibt es mittlerweile außerdem auch smarte Varianten, die sich per App mit dem Smartphone bedienen lassen. Wenn ich also im Büro feststelle, dass es heute etwas länger dauern wird, kann ich der Heizung via App sagen, dass sie bitte erst später anfangen soll, die Wohnung hochzuheizen. Diese Smart-Home-Zentralen sind dann allerdings teurer: Zu den Kosten der Thermostate kommen noch mindestens 50 Euro dazu. Und die Preisspanne ist groß: Manche Spielereien kosten bis zu 230 Euro. Man kommt also nicht drumherum, sich damit mal richtig zu befassen und durchzurechnen.

Heizkörper entlüften: einfach Zuhause selbermachen

Erstens nervt das Gluckern, das darauf hindeutet, dass im Heizkörper Luft ist. Zweitens sinkt aber auch die Leistung einer Heizung, wenn sie nicht gut entlüftet ist. Um eine optimale Leistung der Heizung zu erhalten und damit auch Heizkosten zu sparen, genügt es, das Teil zu Beginn der Heizperiode zu entlüften. Kann man selber machen und kostet nichts – also einfach mal machen.

Langfristiges Sparen: Einsatz von Photovoltaik

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Die Morningshow SWR3

Fenster isolieren kann Geld sparen

Viel Wärme geht verloren, weil Fenster nicht anständig abgedichtet sind. Wer da nochmal rangeht, kann die Wärme in der Wohnung besser halten und muss nicht die ganze Zeit die Heizung durchlaufen lassen.

Energieexperte Marcus Weber gibt uns im Gespräch für die SWR3-Morningshow den Tipp: Einfach mal ganz bewusst drauf achten – sitze ich im Wohnzimmer, die Heizung ist an, aber es ist trotzdem irgendwie kalt und zugig? Dann wird wohl irgendwo Wärme verloren gehen. Der Kerzen-Test kann helfen: Kerze auf den Tisch oder an das Fenster stellen. Wenn die Flamme flackert ist klar – nachdichten lohnt sich. Dichtungsband gibt's im Baumarkt. „Für zehn Fenster macht das etwa 25 Euro. Über das Jahr hinweg sparen wir in einem Einfamilienhaushalt aber immerhin 80 Euro.“ Lohnt sich also, sagt der Experte.

Was auch helfen kann, sind Vorhänge. Wenn die nach dem richtigen Lüften gut geschlossen werden, können sie ebenfalls Wärme drinnen halten. Eine Isolierung ersetzt das aber natürlich nicht.

Heizungsrohre isolieren: Für Mieter schwierig

Einfach mal in den Keller gehen und fühlen: Ist es da vielleicht sogar wärmer als in der Wohnung? Wenn das zutrifft, stimmt etwas nicht – wir heizen ja nicht für den Keller und brauchen da auch keine 20°C. Vermutlich sind die Heizungsrohre undicht und geben schon im Keller Wärme ab, bevor die teuer bezahlte Heizungswärme überhaupt in der Wohnung angelangt ist. Wer die undichten Rohre anständig nachisoliert, könne bis zu 230 Euro im Jahr sparen, berechnet der Experte.

Das Problem: Mieter kommen meist nicht an die Heizungsrohre ran. Der Tipp ist also super für Hausbesitzer, für Mieter aber oft schwer umsetzbar. Aber: Fragen kostet nichts. Als Mieter kann man auch einfach auf den Vermieter zugehen und vorschlagen, die Isolierung prüfen zu lassen. 

Keine Gegenstände vor den Heizungen

Weder Vorhänge noch Möbel sollten direkt vor den Heizkörpern stehen. Ansonsten kann die Wärme nicht im Raum zirkulieren. Wo also hin mit den Möbeln? Mindestens 30 Zentimeter sollten sie vom Heizkörper entfernt stehen. Wenn die Möbel größer sind, sollte der Heizkörper zudem sichtbar sein. Und: Auch Staub kann die Wärmeabgabe mindern. Das heißt: Putzt euren Heizkörper regelmäßig in den kalten Monaten.

Temperatur um ein Grad senken

Der Energieexperte rät dazu, auch mal zu testen, wie warm wir es denn wirklich brauchen. Vielleicht haben wir die Heizung ja auch höher gedreht, als es eigentlich nötig wäre. Gerade in Zeiten der Klima-Debatten ist es also vielleicht Zeit, sich selbst auf die Probe zu stellen.

Also, los geht's: Die Heizung einfach mal ganz mutig ein Grad runter regeln und testen, ob das nicht eigentlich genauso angenehm ist wie vorher. Denn ein Grad ist nun wirklich nicht viel. Aber mit diesem einen Grad, das die Wohnung kälter ist, können wir in einem Einfamilienhaus immerhin bis zu 70 Euro sparen – und gleichzeitig ein bisschen klimaschonender unterwegs sein. Das ist doch einen Versuch wert, oder?

Richtig lüften in der Heizperiode

Es ist nicht wirklich schwer und dennoch vergessen wir es immer wieder: richtiges Lüften. So geht es:

  • Mehrmals täglich stoßlüften: einige Minuten die Fenster komplett öffnen.
  • Noch schneller geht es, wenn ein Durchzug entsteht.
  • So benötigt die Heizung nur wenig Energie, um den Raum wieder aufzuheizen.

Hände kalt waschen

In einem Haushalt wäscht sich jeder durchschnittlich fünfmal am Tag die Hände. Der Tipp: Statt sich die Hände mit warmem Wasser zu waschen, zwischendurch kaltes Wasser nehmen. Das spart im Jahr tatsächlich immerhin rund 70 Euro.

Bedenken wegen Bakterien und Krankheitserregern? „Was Keime und Bakterien betrifft, ist das völlig in Ordnung. Hauptsache, man macht das 30 Sekunden lang mit Seife“, sagt der Experte. Die Hände kalt zu waschen ist für die meisten Leute auch weniger abschreckend als eine kalte Dusche oder sogar eine kalte Badewanne.

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Heizkosten sparen mit einem Sparduschkopf

Das ist unser Top-Spartipp“, sagt Energieexperte Weber. Auch wenn das erst einmal so klingt, als hätte es mit Heizen nichts zu tun, können wir damit ganz leicht die Kosten senken. „In einem Drei-Personen-Haushalt kann man damit rund 40.000 Liter Wasser sparen pro Jahr. Das sind 400 Euro.“ Für einen einfachen Duschkopf ist das doch richtig viel Geld.

Das Gute: Der Sparduschkopf ist sehr günstig in jedem Baumarkt zu haben, kostet rund 20 Euro. Dafür berechnen die Experten die CO2-Einsparungen als sehr umfangreich, etwa 430 Kilogramm seien als Einsparung möglich. Noch mehr Tipps zum Sparen bei den Heizkosten gibt's hier.

Gasheizungs-Check ab 1. Oktober 2022 verpflichtend

Übrigens, ab dem 1. Oktober 2022 wird ein Check-up der Gasheizung verpflichtend. Das gilt für die Eigentümer einer solchen Gasheizungsanlage. Bis zum September 2024 muss die Prüfung erfolgt sein.

Im SWR3-Interview erklärt Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks wie das abläuft und was überprüft wird:

  • Der Effizienz-Check dauert zwischen 20 und 30 Minuten.
  • Gibt es eine Nachtabsenkung und ist diese zeitgesteuert?
  • Sind die Rohrleitungen gedämmt?
  • Ist die Pumpe gedämmt?

Dem solle der Check entgegenwirken und das Einsparpotential aufzeigen. Im Anschluss daran erhält der Heizungseigentümer Empfehlungen, die er umsetzen kann, aber nicht muss. Aber er sagt auch, dass alle im Moment, Gas, Energie und damit Geld sparen wollten.

Eine Heizungsanlage, die nicht geregelt ist, haut das Gas raus, was das Zeug hält.

Wie viel die Prüfung der Heizungsanlage kosten wird, könne Andreas Walburg nicht genau sagen. Das komme auf die Kosten des Handwerkers an.

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