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Mirja Raff
Mirja Raff (Foto: SWR3)

Wer sein Auto draußen parkt, dem kann es passieren, dass ein Marder reinkrabbelt und im Motorraum erheblichen Schaden anrichtet. Helfen Urin oder andere Hausmittel gegen die teuren Bisse?

Marder verursachen mit ihren Bissen jährlich beträchtliche Fahrzeugschäden. Die Zahl der Marderschäden, die von der ADAC-Straßenwacht erfasst wurden, kommt jährlich auf etwa 16.000 Fälle. Jedoch muss mit vielen weiteren Fällen gerechnet werden, da viele Schäden erst im Nachhinein in Erscheinung treten und die Fahrtüchtigkeit des Autos nicht immer sofort beeinträchtigt ist. Am häufigsten betroffen von Schäden sind folgende Bauteile im Auto:

  • Zündkabel
  • Kühlmittel- und Scheibenwischwasser-Schläuche
  • Kunststoffschläuche, etwa im Ansaugtrakt
  • Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung
  • Stromleitungen bzw. deren Isolierung
  • Isoliermatten für die Geräusch- und Wärmedämmung

Schäden am Auto durch Revierkämpfe von Marder-Männchen

Marder sind Einzelgänger und markieren ihr Revier oft mit Duftstoffen und Exkrementen – so zum Beispiel auch im und auf dem Auto. Der Motorraum eines Fahrzeugs stellt für die kleinen Tiere ein optimales Versteck dar. Hier ist es dunkel, warm und sicher. Andere Männchen werden in der unmittelbaren Umgebung, beziehnungsweise im „neuen Marder-Zuhause“, nicht toleriert. Parkt das Auto irgendwann allerdings in einem anderen Revier und ein anderes Mardermännchen nimmt den Geruch des Rivalen wahr, wird das eigene Territorium aggressiv verteidigt und im Motorraum wild um sich gebissen. Zum Leidwesen eines jeden Autobesitzers. Dieses Revierverhalten kommt vor allem zur Paarungszeit zwischen April und Juni vor. Aber auch Jungtiere verstecken sich häufiger in Motorhauben und „spielen“ dort ein bisschen mit ihren Zähnen.

Wie erkenne ich, dass ein Marder am Auto zugange war?

Ein Marderschaden kann hohe Kosten mit sich bringen. Häufig sind die Schäden zunächst nicht allzu schlimm und fallen deshalb auch nicht sofort auf. Werden sie allerdings nicht erkannt, drohen schwerwiegende Folgeschäden – bis hin zum Motorschaden. Wenn ihr zum Beispiel feststellt, dass euer Auto Flüssigkeit verliert, könnte das ein Zeichen für einen Marderbiss sein. Möglicherweise wurden die Schläuche für das Kühl- und Scheibenwischwasser zerbissen. Oder wenn der Motor schlecht anspringt, könnte das ein Indiz sein, dass ein Marder das Zündkabel mit einem Biss beschädigt hat. Bei blinkenden Kontrollleuchten, solltet ihr ebenfalls aufmerksam sein.

Marder auf einem Autodach (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Marder auf einem Autodach Picture Alliance

Urin gegen Marder?

Viele kennen die Hausmittelchen, die einem so geraten werden: Angefangen beim Gitter unters Auto legen, über Urin verteilen bis hin zu Mottenkugeln. Wir haben beim ADAC nachgefragt, ob und was diese Tipps wirklich bringen und die Antwort ist eher ernüchternd:

Nicht empfehlenswert sind jegliche Duftstoffe. Was immer sie als Geheimtipp gehört haben (Hundehaare, WC-Steine, Abwehrsprays, Duftsäckchen, Mottenkugeln): vergessen sie es!

Meist genügt wohl schon eine Fahrt im Regen, um den Duftstoff abzuwaschen. Vor allem gewöhnen sich Marder auch sehr schnell an üble Gerüche und lassen sich dadurch nicht mehr stören. Ist man also hilflos ausgeliefert oder gibt es doch den ein oder anderen Trick?

Diese Tipps helfen wirklich gegen Marder

  • Kabelschutz: Ein Marder-Kabelschutz ist ein Schlauch aus festem Kunststoff oder auch geschlitztem Wellrohr. Damit können das Zündkabel oder andere gefährdete Kabel ummantelt werden. Solche Schläuche kann man sich zum Beispiel in Läden mit Kfz-Zubehör besorgen. Die Schläuche sind so fest, dass sie der Marder nicht durchbeißen kann. Aber Achtung: Es sollte so verlegt und gesichert werden, dass es weder in bewegliche noch an heiße Teile geraten kann.
  • Ultraschallgeräte: Diese sollen Marder mit Tönen von ständig wechselnder Frequenz verjagen, die der Mensch nicht hören kann. Einbau und Anschluss sind meist leicht und dauern nur ein paar Minuten. Allerdings sollen sich die Tiere bei gleichbleibender Frequenz an den Ton schnell gewöhnen.
  • Elektroschockgeräte: Angeblich sind Elektroschockgeräte effektiver gegen Marder als Ultraschallgeräte. Laut dem Automobilclub arbeiten diese Geräte mit metallischen Kontaktplatten an möglichen „Marder-Einstiegstellen“. Berührt ein Tier das Gerät, bekommt es einen Stromschlag. Dabei besteht weder für den Mensch noch für den Marder eine Gefahr. „Träger von Herzschrittmachern und empfindliche Personen sollten jedoch die im Motorraum befestigten Kontaktplättchen nicht berühren“, so der ADAC.
  • Abschottung des Motorraums: Einen guten Schutz vor Marderbissen bieten Abschottungen für den Motorraum. Dabei verschließen Borstenvorhänge die seitlichen Öffnungen der Motorkapselung sowie ein Lochblech den rückwärtigen Zugang via Tunnel für das Abgasrohr. Einige Fahrzeughersteller bieten gegen Aufpreis eine solche Marderabschottung an. Ältere Autos können damit auch nachgerüstet werden.

Sparen im November Jetzt noch schnell die Autoversicherung wechseln

Wer seine Autoversicherung wechseln will, sollte das noch bis zum 30. November machen, denn dann könnte man einiges sparen. Darauf solltet ihr achten.

Wer zahlt bei Marder-Schäden?

Laut bussgeldkatalog.org wird in der Regel ein Marderschaden von der Teilkasko bzw. Vollkasko übernommen – insofern es sich um unmittelbare Schäden durch einen Marder handelt. Achtung: Genau den Vertrag durchlesen! In manchen Basistarifen ist der Marderschutz nicht enthalten und muss zusätzlich abgeschlossen werden. Ersetzt werden aber laut ADAC auch nur die unmittelbar beschädigten Teile, nicht die möglichen Folgeschäden.

Zieht beispielsweise ein zerbissener Kühlmittelschlauch einen Motorschaden durch Überhitzung nach sich, so sind nur die Kosten für den Schlauch abgedeckt.

Wurde ein Selbstbehalt vereinbart, so liege dieser oft über den Reparaturkosten, sodass der Versicherte gar keine Erstattung erhalten würde.

Gehen Marder auch an Elektroautos?

Zwar sind Elektroautos am Unterboden und Motorraum meist vollflächig verkleidet, aber auch Elektroautos können von Mardern heimgesucht werden. Angeblich kommt dies zwar sehr selten vor, aber wenn, dann kann das richtig ins Geld gehen.

Hochvoltkabel dürfen aus Sicherheitsgründen nicht repariert werden, sodass der betroffene Kabelsatz komplett erneuert werden muss.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Allgemeiner Deutscher Automobilclub

Die Bußgeldkatalog-Verordnung ist eine Rechtsverordnung des deutschen Bundesverkehrsministeriums, die im sogenannten Bußgeldkatalog die Regelsätze für Bußgelder und Verwarnungsgelder bei Verkehrsordnungswidrigkeiten festsetzt.

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