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AUTOR/IN
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Wer seine Strafe verbüßt hat, ist frei. Doch nach dem Knast kann das Leben komplett zerstört sein. Die Fernseh-Wahrheit ist leider traurig in diesem Tatort aus München, „Das Wunderkind“ (4.2.) mit Batic & Leitmayr.

Es ist mal wieder Nacht im Tatort, wie so oft. Gerade eben kam ein Gefangener vom Freigang zurück. Er muss nur noch ein paar Tage absitzen. Draußen hat er gerade seinen Sohn besucht. Die Atmosphäre war eher frostig und fremd.

Das Kind ist musikalisch sehr begabt. Geldsorgen gibt es nicht, seit fünf Jahren lebt es bei seinen steinreichen Pflegeeltern. Der Konflikt ist vorprogrammiert: Denn Papa will nach dem Knast das Kind zurück – aber das Kind will nicht mit in die Armut.

Tatort München Szenenbilder (Foto: ard-foto s2-intern/extern, BR/Sappralot Productions GmbH / Hendrik Heiden)
Kommissare Batic und Leitmayr befragen das talentierte Kind. Geldsorgen hat es nicht – bis jetzt.

Direkt vor seiner Entlassung passiert dann doch noch ein Mord. Wo ist der Zusammenhang? Denn keiner will's gewesen sein, niemand hat etwas gesehen. Nicht mal das Personal weiß etwas, will es auch gar nicht: 

Die klären irgendeinen Scheiß miteinander. Ist mir ehrlich gesagt auch egal. Hauptsache, sie warten bis nach meiner Schicht. Warum soll ich mir bei der beschissenen Bezahlung auch noch einen Kopf machen?

Tatort München: Batic & Leitmayr landen im Knast

Sonderlich weit kommen die Kommissare Batic, Leitmayr und ihr Team nicht. Sie kennen sich nicht aus in den Untiefen des Knastgefüges. Wer steht wo in diesem Spiel? Videoaufnahmen? Gelöscht. Hilfe vom Direktor? Fehlanzeige. Schnell geraten sie zwischen die Fronten, und das kann auch mal wehtun.

Tatort München Szenenbilder (Foto: ard-foto s2-intern/extern, BR/Sappralot Productions GmbH / Hendrik Heiden)
Im Gefängnis herrschen andere Regeln: Du stehst entweder auf der einen oder auf der anderen Seite.

Etwas schwerfällig tröpfelt der Tatort vor sich hin. Gängige Vorurteile werden ausgetauscht: Der Hauptverdächtige, also der gerade entlassene Vater, muss sich von der Polizei die immer gleichen Vorurteile anhören: Dass er auf immer ein Krimineller sei – von Recht auf Resozialisierung keine Spur.

Ivo Batic (Tatort München) im Gefängnis zusammengeschlagen

Der Tatort aus München blickt in ein Paralleluniversum: nämlich das vom Alltag im Gefängnis. Recht und Ordnung gibt's kaum, nur die Macht der Stärkeren, nur die Macht der Gefängnis-Bande. Dabei bekommen wir Zuschauer viel von echtem Gefängnisalltag zu sehen. Ein kaputtes Schicksal nach dem anderen kommt vorbei. Jeder könnte ein Killer sein, voller Motive. Gewinner gibt's in diesem Tatort nicht.

Tatort München Szenenbilder (Foto: ard-foto s2-intern/extern, BR/Sappralot Productions GmbH / Hendrik Heiden)
Raus bei den reichen Pflegeeltern, rein in die Armut vom Ex-Knast-Papa: Dieser Tatort kennt leider fast nur Verlierer.

Fazit zum Tatort aus München

Es ist kein brillanter Tatort, etwas traurig und hoffnungslos, eher deprimierend unterhaltsam. Für Fans der Münchner Kommissare Batic & Leitmayr bleibt er sicher sehenswert, obwohl wir keine grandiosen Überraschungen erleben. Weil das Münchner Tatort-Team Krimis eigentlich viel, viel besser kann, gibts nur 3 von 5 Elchen. Die Jungs müssen dann nochmal Gas geben, denn nach 100 Folgen, etwa 2026 hören sie auf.

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