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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Den anderen so necken, dass er reagiert – aber nicht stinkwütend wird: Für solche Späße muss man sein Opfer gut einschätzen können. Dazu ist nicht nur der Mensch in der Lage.

Humor gibt es schon länger als die Menschheit. Das hat ein Forschungsteam aus Radolfzell herausgefunden. Die Forschenden haben dabei das Verhalten der vier noch heute lebenden Menschenaffenarten analysiert. Über die Ergebnisse ihrer Studie hat Forscher Isabelle Laumer mit Constantin Zöller und Rebekka de Buhr in der SWR3 Morningshow gesprochen.

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Nachrichten Neue Studie: Humor ist älter als die Menschheit

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Sogar Menschenaffen necken sich gerne.

Neben uns Menschen machen auch Orang-Utans, Schimpansen, Bonobos und Gorillas gerne Späße mit ihren Artgenossen. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Voraussetzungen für Humor schon vor mindestens 13 Millionen Jahren in der menschlichen Abstammungslinie entwickelt haben.

Andere necken: Was brauchen wir dafür?

Das gegenseitige Necken ist spielerisch, meist aber auch belästigend und es provoziert. Um uns gegenseitig zu necken, brauchen wir soziale Intelligenz und die Fähigkeit, künftige Handlungen vorherzusehen und die Erwartungen von Artgenossen erkennen und einschätzen zu können.

Babys schaffen das ab einem Alter von etwa acht Monaten, noch bevor sie sprechen lernen. Sie bieten zum Beispiel Gegenstände an und ziehen sie dann schnell wieder zurück, provozieren mit kleinen Regelverstößen und indem sie die Aktivitäten anderer stören.

Necken, ärgern, provozieren: Menschenaffen sind uns sehr ähnlich

Sehr ähnlich sei das auch bei Menschenaffen zu beobachten, sagte Isabelle Laumer vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. Ihr Team hat zusammen mit der University of California in Los Angeles geforscht und die Studienergebnisse im Fachjournal Proceedings B der britischen Royal Society berichtet.

Für ihre Studie haben die Forschenden Videos von Tieren im San Diego Zoo und dem Leipziger Zoo ausgewertet, in jeder beobachteten Gruppe war mindestens ein Jungtier. „Menschenaffen sind hervorragende Kandidaten, um spielerisches Necken zu studieren, da sie eng mit uns verwandt sind, sich an sozialen Spielen beteiligen, lachen und ein relativ ausgeprägtes Verständnis über die Erwartungen anderer aufweisen“, sagte Laumer.

Durch diese gemeinsame Freude, die da entsteht, werden Beziehungen gestärkt.

Insgesamt hat das Team 18 Neck-Verhaltensweisen identifiziert, bei denen es in den meisten Fällen darum ging, eine Reaktion des Geneckten hervorzurufen – oder zumindest seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein Spiel entwickelte sich aus den Frotzeleien nur selten. Viele Geneckte haben versucht, die Pöbeleien zu ignorieren, aggressive Reaktionen gab es kaum.

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Meist gingen die Späße von Jungtieren aus, Opfer war in der Regel ein Erwachsener – aber nur in wenigen Fällen die Mutter, mit der die Tiere ansonsten viel Zeit verbringen. „Es war üblich, dass der neckende Menschenaffe wiederholt mit einem Körperteil oder Gegenstand in der Mitte des Sichtfelds des Geneckten wedelte, ihn stieß oder anstupste, ihm genau ins Gesicht starrte, seine Bewegungen unterbrach oder an seinen Haaren zog oder andere Verhaltensweisen zeigte, die für den Geneckten äußerst schwer zu ignorieren waren“, sagte Mitautorin Erica Cartmill von der University of California Los Angeles und der Indiana University.

Dieses provokative Verhalten haben die Forschenden dabei bei allen vier Menschenaffen-Arten beobachtet. Klar ist dabei: Necken soll eine Reaktion wie Erschrecken oder Überraschtsein hervorrufen – aber keine Aggression.

Zudem gibt es klare Grenzen zwischen Necken und Spielen: „Das spielerische Necken der Menschenaffen war einseitig, ging meistens während der gesamten Interaktion vom neckenden Tier aus und wurde selten erwidert“, sagte Cartmill.

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Wie ähnlich sind uns Menschenaffen?

Wie beim Menschen hat das Necken auch bei den Menschenaffe in entspannten Situationen begonnen. Und auch sonst waren die Ähnlichkeiten groß. „Ähnlich wie das Necken bei Kleinkindern beinhaltet das spielerische Necken von Menschenaffen einseitige Provokation“, sagte Laumer.

Ein Tier necke gezielt und wiederholt ein Anderes und warte auf die Reaktion, mitunter sei Überraschung ein wichtiges Element. Necken habe damit viel mit dem Scherzen in Worten gemeinsam und könne als dessen kognitiver Vorläufer angesehen werden. Sinn der spielerischen Hänseleien könne es sein, soziale Bindungen zu stärken, vermuten die Forschenden.

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Erste systematische Studie zum spielerischen Necken

Dass sich Affen gegenseitig ärgern, ist nicht neu. Schon Jane Goodall und andere Feldforschende haben solche Verhaltensweisen schon vor vielen Jahren bei Schimpansen beobachtet. Jetzt sei das spielerische Necken zum ersten Mal systematisch untersucht worden.

Aus evolutionärer Sicht ließen die Ähnlichkeiten beim Necken bei den vier Affenarten und dem Menschen darauf schließen, dass spielerisches Necken und seine kognitiven Voraussetzungen schon beim letzten gemeinsamen Vorfahren vor mindestens 13 Millionen Jahren vorhanden gewesen sein könnten, sagte Laumer. Ob es Neckereien vergleichbar auch bei freilebenden Menschenaffen und bei anderen Arten gibt, müsse aber weiter untersucht werden.

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