Seit Wochen werfen Fans Tennisbälle in der Bundesliga. Spieler und Trainer sind inzwischen genervt von den Protesten im Investoren-Streit, sie fordern Lösungen.

Spielzeug-Autos auf dem Rasen, Harry Potter im Fadenkreuz und ständig neue Tennisbälle: Im festgefahrenen Investoren-Streit zündeten die Fans am Wochenende die nächste Eskalationsstufe und sorgten mit immer kreativeren Protestformen für Aufsehen.

Unter den Managern, Trainern und Spielern wächst der Frust über Spielunterbrechungen, die von anhaltenden Fan-Protesten ausgelöst werden. „Ich glaube, es ist ein bisschen so eine Machtprobe, was ich brutal bedaure“, sagte zum Beispiel Mainz-05-Sportvorstand Christian Heidel.

Wir machen jetzt den Fußball dadurch kaputt.

Fan-Proteste in der Bundesliga: Warum fliegen Tennisbälle auf den Rasen?

Seit Wochen protestieren die Fußball-Fans gegen die Pläne, Investoren in die Bundesliga zu holen. Ihren Protest bringen die Fans vor allem mit Tennisbällen zum Ausdruck, die sie aufs Spielfeld werfen. Aber warum gerade Tennisbälle? Die Antwort ist simpel: Weil die sich gut werfen lassen. Zwei Mainzer Fanclubs gehen davon aus, dass die Fans die Bälle leicht ins Stadion schleusen können und beim Werfen niemand verletzt wird.

Sinn des Protestes ist nicht, die Spieler abzuwerfen, sondern das Spiel zu unterbrechen. Dazu benutzen die Fans aber nicht nur die gelben Fusselbälle, sondern auch Goldtaler, andere Süßigkeiten oder Flummis – ebenfalls Gegenstände, die sich leicht werfen lassen.

Neu ist der Protest mit Tennisbällen im Fußball übrigens nicht: Schon 2016 flogen Borussia Dortmund im Pokalspiel in Stuttgart Tennisbälle um die Ohren. Damals ging es auch um Geld – allerdings um die Kohle der Fans. Das Bündnis „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ hatte zu dem Protest aufgerufen und wollte damit gegen die seiner Ansicht nach zu hohen Ticketpreise demonstrieren.

Dass dabei das ein oder andere Bonbon übersehen wird, kann man sich noch vorstellen. Wie aber schmuggeln die Fans Tennisbälle oder sogar ferngesteuerte Autos an den Ordnern vorbei? Das weiß SWR-Sportreporter Stefan Kersthold.

Ein Ordner sammelt Tennisbälle im Böllenfalltor-Stadion auf (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Nachrichten Wie kommen Tennisbälle ins Stadion?

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Dass dabei das ein oder andere Bonbon übersehen wird, kann man sich noch vorstellen. Wie aber schmuggeln die Fans Tennisbälle oder sogar ferngesteuerte Autos an den Ordnern vorbei? Das weiß SWR-Sportreporter Stefan Kersthold.

Proteste am Wochenende: Mainz-05-Spiel öfter unterbrochen

Unter anderem das Spiel der Mainzer am Samstag gegen den FC Augsburg (1:0) war wegen der Aktionen von den Rängen mehrfach unterbrochen worden. „Irgendwann müssen wir alle die Köpfe einschalten, müssen miteinander reden und es erklären“, forderte Heidel.

Die Fans sehen das anders: Sie finden die Proteste unterhaltsam. So schreibt das zumindest Flori0910 bei Twitter. Das Investoren-Thema sei „das Lustigste, was der Bundesliga hätte passieren können.

Der Investoren Thema ist das lustigste was der Bundesliga hätte passieren können pic.twitter.com/qLE4aHlDJt

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Fanproteste: Was war am Wochenende los?

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Auch am vergangen Wochenende gab es in der Bundesliga nur ein Spiel, dass nicht wegen der Fan-Proteste unterbrochen wurde: Heidenheim gegen Leverkusen. Was am Wochenende in den Stadien los war, wie die Atmosphäre war und wo wir in der Diskussion stehen, berichtet Luise Kropff.

Warum protestieren die Fans der Bundesliga?

Die DFL hat im Dezember 2023 ganz knapp dafür abgestimmt, einen Investor ins Boot zu holen: Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde mit 24 von 36 Stimmen exakt erreicht. Aktuell checkt die DFL Angebote der Unternehmen Blackstone und CVC. Dabei geht es vor allem darum, die Auslandsvermarktung zu stärken. Für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen der DFL soll der Investor eine Milliarde Euro zahlen.

Diesen Milliarden-Deal unterstützen viele Fans nicht. Schon vor und direkt nach der Abstimmung hatten sie dagegen protestiert, weil sie durch den Investoreneinstieg eine Wettbewerbsverzerrung befürchten.

Frankfurt

Was das bedeutet und was die Fans sagen Bundesliga: DFL stimmt für Einstieg von Milliarden-Investor

Die DFL hat für den Einstieg eines potentiellen Milliarden-Investors gestimmt. Der Weg ist damit wohl frei für den möglichen Einstieg eines Finanzinvestors in die Vermarktung der Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga.

Proteste in der Fußball-Bundesliga: Bisher keine Spielabbrüche

Immerhin: Der befürchtete Spielabbruch in der Fußball-Bundesliga ist bisher ausgeblieben, doch bei Trainern und Spielern schwindet das Verständnis. „Es muss so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden. Noch diese Woche, nicht nächste Woche. So kann es nicht weitergehen“, schimpfte der genervte Nationalspieler Niclas Füllkrug im ZDF.

Füllkrug schob den Fans eine Mitverantwortung für das Unentschieden von Borussia Dortmund beim VfL Wolfsburg (1:1) zu. Das Spiel sei „kaum bewertbar. Es ist ultraschwer, so an Top-Leistung zu kommen“. Es sei „irgendwann mal gut“, meckerte auch BVB-Kapitän Emre Can: „Wir leiden extrem darunter.

Sechsmal sorgten die Anhänger dort mit Flummis und Tennisbällen für eine Unterbrechung, kaum eine Partie verlief störungsfrei. In Köln und Rostock flitzten Funkautos über den Rasen, in Hannover nahmen die Fans nach Geschäftsführer Martin Kind, dessen Abstimmungsverhalten der zentrale Streitpunkt ist, Zauberlehrling Harry Potter ins Fadenkreuz. „Angst, Potter?“ war auf einem Banner zu lesen – eine Anspielung, gezielt auf Matt Potter, den Chef des einzig verbliebenen potenziellen DFL-Investors CVC.

Harry Potters Kopf im Fadenkreuz ist auf einem Protestplakat zu sehen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Swen Pförtner)
Viele Fans protestieren gegen den Einstieg eines Investors in die Fußball-Bundesliga.

Es gibt aber auch Verständnis für die Fan-Proteste. Wolfsburgs Torschütze Yannick Gerhardt sagte, Proteste wirkten nur, „wenn sie auch nerven“. Diese seien „in Ordnung, solange sie kein Selbstzweck sind“, meinte auch DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig im ZDF-Sportstudio, er warnte jedoch: „Es beginnt zu kippen.

VfB Stuttgart und DFL reagieren auf die Proteste der Fußballfans

Der Präsident des VfB Stuttgart, Claus Vogt, hat wegen der Fanproteste dazu aufgefordert, noch einmal abzustimmen. Im Dezember hatte sich der VfB für einen Investor ausgesprochen. Vogt zufolge sei eine neue Abstimmung notwendig, um die Interessen der Fans ernst zu nehmen und im Sinne der Demokratie zu diskutieren.

#DFL pic.twitter.com/MM55LmqIsG

Die DFL veröffentlichte am 8. Februsr 2024 ein Statement, in dem sie die „vielen Chancen für die Clubs [und] keine Nachteile für Fans“ betont. Es werden keine Anteile verkauft, es gebe keinen Kontrollverlust und „daher auch keinen Anlass für Horrorszenarien“.

Viele Chancen für die Clubs, keine Nachteile für FansDie #DFL nimmt Stellung zu den Diskussionen um eine strategische Vermarktungspartnerschaft auf Liga-Ebene und lädt Fans zu weiteren Gesprächen ein ➡️ https://t.co/xi5zUI2ogo pic.twitter.com/4riQ7W3Dvj

Die DFL hat zudem ein Video veröffentlicht, in dem sie ihre Entscheidung und deren Bedeutung erklärt:

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